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Reise Norwegen

Mit dem Volvo C70 zum Nordkap

Reise Nordkap Volvo C70 Foto: Reinhard Schmid 10 Bilder

Immer an der Küste entlang, in den höchsten Norden Europas bis zu jenem Kap, das wochenlang keine Dunkelheit kennt: mit dem Volvo C70 durch Norwegen.

20.10.2009 Christian Gebhardt

Knivskjellodden ist keine norwegische Trachten-Marke, sondern der zungenbrecherische Name des gesuchten Fleckchens. Obwohl es eigentlich alle Aufmerksamkeit verdient hätte, kommen nur wenige hierher. Zu mühsam ist der rund 20 Kilometer lange Fußmarsch über holprige Schotterpfade. Auch wenn Knivskjellodden rund 1,4 Kilometer weiter ins Europäische Nordmeer ragt, locken Tourismus-Werber gern mit dem Nordkap als nördlichstem Punkt Europas. Seit 1956 ist es über eine gut ausgebaute Landstraße einfach zu erreichen und bis heute zu einer der größten Touristenattraktionen Nordnorwegens erweitert worden. So einfach ist das manchmal mit mythosumwobenen Reisezielen.

Mit dem Volvo C70 zum Nordkap: Menschen und Kurven haben hier Seltenheitswert

Der Ausgangspunkt der Tour ans Kap ist das 230 Kilometer entfernte Alta. Und das Reiseauto ist kein Norweger, aber immerhin ein waschechtes Nordlicht. Bei einer Außentemperatur von drei Grad Celsius bleibt das Klappdach des Volvo C70 auch im Spätsommer erst einmal geschlossen. Los geht’s auf der Küstenstraße E6. Mit scheinbar endlosen Geradeauspassagen führt die Landstraße hinter Alta ins Landesinnere. Menschen und Kurven haben hier Seltenheitswert, der Tempomat wird zum ständigen Reisebegleiter.

Etwas Abwechslung bieten nur die entgegenkommenden Fahrzeuge, ansonsten herrscht so viel Aufregung wie in Bielefeld an einem Montagabend. Wild wucherndes Bodengestrüpp, vereinzelte Bäume, moosbewachsene Hügel und letzte Schneereste laufen wie ein Endlos-Film vor dem Auge ab. Knapp 90 Kilometer hinter Alta, in Skaidi, gabelt sich die Straße. Eine Kreuzung, eine Tankstelle, eine Polizeistation, ein Supermarkt, ein Hotel und ein Motel: Skaidi scheint hier etwas Größeres zu sein, nach deutschen Maßstäben hätte das winzige Nest kaum ein grün-gelbes Ortshinweisschild verdient. Immerhin sind mal wieder Menschen zu sehen. Auf unsere Frage nach dem Nordkap deutet der Tankwart im Blaumann mit seinen ölverschmierten Händen grummelnd auf den Wegweiser "E6 - Kirkenes". Kein Wunder, die Frage bekommt er bestimmt öfter zu hören. Rund 260.000 Touristen pilgern jährlich zum Nordkap.

Reise zum Nordkap: Vorbei am zweitgrößten Fjord Norwegens

Sieben Grad Celsius, ein Anflug von Sonnenschein schafft es durch die graue Wolkendecke - Zeit, das elektrische Blechhäubchen des Volvo C70 zu öffnen. Weiter geht’s gen Norden. 25 Kilometer hinter Skaidi erreichen wir Olderfjord am Porsangerfjord. Mit einer Länge von rund 123 Kilometern ist er der zweitgrößte Fjord Norwegens. In Olderfjord schnurrt das Volvo-Cabriolet von der Landstraße E6 auf die schmale Küstenstraße E69. Hier schlängeln wir uns an steilen Felsklippen entlang durch die immer karger werdende Landschaft.

Dafür tauchen in der Einöde jetzt häufiger idyllische Miniatur-Fischersiedlungen mit rot-weißen Holzhütten auf. Neben kleinen Kuttern und ausgelegten Netzen prägen hier meterhohe Holzgestelle das Landschaftsbild. Auf den Stockgestellen hängen Fische im Seewind zum Trocknen. Während das arktische Klima ins offene Cockpit strömt, zuckeln nun immer öfter Rentiere gemütlich vor dem Volvo C70 über die Küstenstraße. Die Route zum Nordkap verläuft nicht immer über Land. Skarvberg- und Sortvig-Tunnel bilden die Vorhut des 6.875 Meter langen Nordkap-Unterwassertunnels. Er verbindet das Festland mit der Insel Magerøya, auf der das Nordkap liegt.

Vorbei Honningsvåg, dem nördlichsten Fischerdorfs Europas

Zwei kleinere Tunnel später rollt das goldfarbene Volvo-Cabrio am Ortsende von Honningsvåg vorbei. Vor allem in den Sommermonaten legen im Hafen des "nördlichsten Fischerdorfs Europas", in dessen kleinem Stadtkern das Leben pulsiert wie auf dem Münchner Marienplatz zur Mittagszeit, unzählige Kreuzfahrtschiffe an. Auch starten von hier aus täglich viele Touristen-Reisebusse zum Nordkap.

Nur noch 31 Kilometer, verrät das gelb-schwarze Schild kurz hinter Honningsvåg. Auf den letzten Kilometern bis zum Ziel schlägt die ansteigende E69 plötzlich Haken, als wolle sie den alten Brennerpass imitieren. Hier kommt uns Karsten entgegen, der sich mit seinem Fahrrad von 1880 gegen den kalten Nordwind stemmt. "Vor mir liegen noch 250 Meilen ins Landesinnere, aber ihr habt es zum Kap nicht mehr weit", vergleicht der 55-jährige Däne unsere Wegstrecken.

Von dem Plateau der hohen Felsklippe blicken die Kap-Hungrigen auf das Europäische Nordmeer

Wenig später erreichen wir einen riesigen Parkplatz. Zur Linken bevölkern knapp 50 Wohnmobile das Areal, die rechte Seite flankieren rund 30 Reisebusse. Die Ruhe der letzten 230 Kilometer ist schlagartig vorbei: Willkommen am Nordkap. Wie ein Ameisenhaufen wirbeln Touristen durcheinander. Wortfetzen verschiedener Sprachen klingen durch die so genannten Nordkaphallen, einem 5.000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex mit Postamt, Restaurants, Souvenirläden und Panoramakino. Von dem Plateau der 307 Meter hohen Felsklippe blicken die Kap-Hungrigen auf das Europäische Nordmeer.

25 Euro kostet der Eintritt ins nördliche Abenteurer-Mekka. "Für uns geht ein Traum in Erfüllung“, sagen Karl- Heinz Kams und Bernadette Wagner, die mit einem Toyota Landcruiser von 1983 aus Asbach in Rheinland-Pfalz 3.200 Kilometer zum Kap gerollt sind. Leise verschnaufen auch die C70-Passagiere im Touristen-Trubel und wissen schon jetzt: Beim nächsten Mal endet die Reise stilecht mit einem Fußmarsch am echten Nord-Kap Knivskjellodden. Trotz Zungenbrecher und drohendem Muskelkater. 

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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