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Reise Südfrankreich

Blau gemacht: Mit BMW 02-Cabrio und Porsche Targa unterwegs

Reise Südfrankreich Foto: Classique 19 Bilder

Die Sehnsucht nach Sonne und Kurven kennt jeder. Wir stillen sie mit zwei offenen Klassikern - BMW 1600-02 Cabriolet und Porsche 911 Targa Spyder - auf einer Reise bis zur Ardèche in Südfrankreich.

22.05.2009 Michael Schröder Powered by

Arktischer Wind tost durch die Innenräume, obwohl der endlos blaue Himmel den Augen einen milden Sommertag vorgaukelt. Vielleicht waren Michael und ich zu übermütig, bereits bei Mulhouse im südlichen Elsass die Verdecke abzunehmen, aber das würde natürlich keiner von uns zugeben.

Ziel ist die Straßengirlande der Ardèche-Schlucht
 
Heizungen und Gebläse laufen auf Anschlag, doch bei Autobahntempo 130 hält sich die Wärme bestenfalls auf Knöchelhöhe. Draußen gleitet die französische Provinz vorbei, die verschneiten Ausläufer der Vogesen, dann Besançon und Dole, wo der Porsche und der BMW auf der A 39 in Richtung Lyon endgültig Kurs Süd einschlagen. Aufkeimende Müdigkeit wird in der Nähe der Feinschmecker-Metropole Bourg-En-Bresse mit Automatenkaffee aus Plastikbechern bekämpft, der Hunger mit einem dreieckigen Sandwich aus dem Kühlregal, dem Klassiker im Nahrungsmittelangebot französischer Autobahn-Raststätten.
 
Der Weg als Ziel? Vielleicht ein anderes Mal. Wenn bei einem dreitägigen Ausflug eine rund 900 Kilometer weite Anfahrt ansteht, zählt nur das Ankommen. Wir hatten uns eingeredet, dass die erste richtige Ausfahrt im Jahr ruhig etwas Besonderes sein darf. Sonne, logisch. Und jede Menge Kurven für ein langes Wochenende voller Fahrspaß. Wir entschieden uns für den Gorges de l'Ardèche als Ziel.
 
Dort, wo sich der gleichnamige Fluss zwischen den Cevennen und der Rhône durch ein Hochplateau gefressen hat, ist im Laufe von Jahrmillionen eine bis zu 300 Meter tiefe Schlucht entstanden, an deren oberen Rand eine Straße hängt, die viel mehr einer Girlande gleicht. Eine alte Urlaubsbekanntschaft, die, auch wenn bereits zigmal unter die Räder genommen, alles, nur nicht langweilig ist. Hinter Lyon werden die Schatten bereits länger, und auf der Höhe von Montelimar färbt sich die Sonne allmählich glutrot. Ein Hauch von Frühling weht durch das Rhône-Tal, es ist spürbar wärmer. Die Aussichten für morgen: 20 bis 25 Grad und Sonne satt.
 
Gegen 20 Uhr schlagen wir in einem Hotel in St-Martin de l'Ardèche auf, lassen uns ein paar Filet-Steaks schmecken und ziehen ein Zwischenfazit nach gut zehn Stunden Fahrt: Der BMW 1600 hat die komfortableren Sitze, die angenehmerweise über Kopfstützen verfügen. Das Vierganggetriebe erweist sich auf Autobahnetappen jedoch als zu kurz übersetzt, bei Tempo 130 liegen 5.000 Umdrehungen an. Vom Motor hört man dennoch keinen Mucks, er wird, bei offener Fahrt, von den Windgeräuschen vollkommen übertönt.
 
Drei Namen - ein Auto: Targa Spyder, Targa Bel Air und Südstaaten-Variante
 
Im 911 sitzt es sich auf lange Strecke eine Spur unbequemer, jedoch tiefer und windgeschützter, selbst wenn die flexible Heckscheibe unter der Persenning ruht. Hausintern bezeichnete Porsche diese komplett offene Variante als "Targa Spyder". Mit geschlossener Heckscheibe weht trotz herausgenommenen Dachteils kaum noch ein Luftzug von hinten durch das Auto, werksintern sprach man bei dann von einem "Targa Bel Air". Die dritte Version - geschlossenes Dach und offene Heckscheibe - nannte Porsche schließlich die "Südstaaten-Variante", und empfahl diese Möglichkeit bei sehr heißen Tagen und direkter Sonneneinstrahlung.
 
Für das Abnehmen und Verstauen des Targa-Dachs sollte man ein paar Minuten Zeit einkalkulieren und am besten über drei Arme verfügen. Beim BMW genügt es, zwei Verschlüsse zu entriegeln und das Dach zurückzuschieben. Dazu reicht eine Rotphase.

Der Porsche 911 verschmilzt mit dem Asphalt
 
Der nächste Tag beginnt wie versprochen. Keine Wolke am Himmel, und nach einem typisch französischen Minimal-Frühstück - Kaffee, Croissant und eine Portion Marmelade -, kommt hinter dem Ort zumindest die Straße gleich zur Sache. Sie zwirbelt sich von nun an abwechselnd in engen Kehren und weiten Bögen bergan. Genial, diese zerklüftete Topografie, denn sie lässt keinen Raum für eine nennenswerte Gerade. 32 Kilometer weit.
 
Das wissen natürlich auch andere, und im Sommer steckt man hier im Verkehr wie auf der Peripherie von Paris. Doch jetzt gehört uns diese Trasse allein. Wunderbar, denke ich mir und lasse nach einer Aufwärmrunde - aufgeputscht vom satten Boxer-Brabbeln - den Porsche von der Leine. Spontan setzt der Sechszylinder im Heck jeden Gasbefehl um, giert förmlich nach Drehzahlen und bedankt sich dafür ab 4.500 Touren mit einem einmaligen Fauchen. Gegen dessen süchtig machende Wirkung kann man sich einfach nicht wehren, es dringt im offenen Targa noch eine Spur intensiver bis zum Fahrer vor als im Coupé.
 
Maximal 130 PS rückt das Zwei-Liter-Aggregat heraus, doch die werden in diesem engen Terrain an keiner Stelle ernsthaft benötigt. Selbst ein 40 Jahre alter 911 verfügt, angefeuert von zwei Weber-Dreifachvergasern, bereits im mittleren Drehzahlbereich stets über so viel Druck am Ende jeder Kehre, dass es die reinste Freude ist. Und über ein Fahrwerk, das diesen Sportwagen förmlich mit dem Asphalt verschmelzen lässt. Kein Nachteil an einem Ort wie diesem, weil an einigen Stellen weder Leitplanken noch Mauerwerk vor einem Abflug in die Tiefe schützen, die sich hinter vielen Kurven immer wieder auftut.
 
Weit unten schäumt die Ardèche, windet sich wie eine grüne Schlange durch das helle Gestein. Ein paar Kanuten sind bereits unterwegs, ihre Boote erscheinen aus unserer Perspektive wie bunte Spielzeuge. Die Dramaturgie der Landschaft beruhigt sich erst wieder am Ende des Canyons, dort, wo der Fluss durch den Pont d'Arc fließt. Das Bild mit der natürlichen Felsbrücke ziert in diesem Teil Frankreichs jede zweite Postkarte.
 
Gut eine Stunde verbringen wir dort am Ufer. Ein Baguette, ein Stück Käse, eine Flasche Mineralwasser, neben uns die Autos. Auf unseren Gesichtern bahnt sich der erste Sonnenbrand dieses Jahres an. Damit hatten wir nicht gerechnet, aber der Moment ist einfach zu perfekt, um sich darüber zu ärgern.

Turbinenartiger Motor, tolles Fahrwerk - der 02er saugt die Straßen auf
 
Wir tauschen die Fahrzeuge, pfeilen zurück. Im Vergleich zum 911 fühlt man sich im BMW ein wenig wie in einem SUV. Man genießt den Platz, sitzt höher und aufrechter, und der Wagen neigt sich in den Ecken auf seinen schmalen Reifen spürbar stärker zur Seite. Umso erfreulicher, wie präzise sich das Auto dennoch durch diesen Kurvenwirrwarr zirkeln lässt. Das gut abgestimmte Fahrwerk der 02-Baureihe - Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine - gilt als Meilenstein aus München.
 
Die eigentliche Überraschung steckt jedoch unter der Motorhaube. Das 85 PS starke 1600er-Triebwerk dreht gefühltermaßen hoch wie eine Turbine, agiert dabei vollkommen unspektakulär und gleichermaßen überaus effektiv. Die kurze Getriebeübersetzung reduziert die Gangwechsel auf diesem Kurs auf ein Minimum. Was eigentlich sehr schade ist, denn der kurze, senkrecht stehende Schalthebel liegt viel zu gut in der Hand, um ihn nur gelegentlich zu benutzen.
 
Auf jedem Fall macht es dieser Wagen dem Porsche nicht leicht, einfach so davonzufahren. Bis zum Abend haben wir diese Trasse oberhalb der Ardèche viermal abgespult. Der Tag verging dabei wie im Flug und verabschiedet sich mit einem grandiosen Sonnenuntergang.
 
Früh am Morgen steht die leidige Rückfahrt nach Stuttgart an, doch für einen Abstecher ins 50 Kilometer entfernte Nyons sollte die Zeit noch reichen. Der kleine Ort ist über Frankreichs Grenzen hinaus berühmt für sein Olivenöl und auch sonst sehr anziehend. Eine Handvoll Straßencafés säumen den Marktplatz, auf dem ein paar alte Männer Boule spielen.
 
Der Unterhaltungswert einer solchen Partie, bei der zwei oder mehr Mannschaften versuchen, ihre jeweils 900 Gramm schweren Eisenkugeln möglichst nahe an eine kleinere aus Buchsbaumholz zu werfen oder zu rollen, ist enorm. Es wird laut geredet und gerufen, jeder Wurf wird diskutiert und analysiert. Rauchen, trinken, lachen, lästern. Alles ist erlaubt, alles gehört zum Spiel. Genau so stellt man sich den Süden Frankreichs vor.

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