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Reisebericht Mailand

Im Alfa Spider durch Mailand

Alfa Romeo Spieder, Axel Marx, Stadtszene, Mailand Foto: Gaukler-Studios 26 Bilder

Mit dem Alfa-Romeo-Experten Axel Marx im Spider durch die Alfa-Metropole Mailand. Die Hauptstadt der Lombardei ist ein Paradies nicht nur für die Liebhaber der Automobile im Zeichen von Rotem Kreuz und Grüner Schlange. auch die Begleitung kommt auf ihre Kosten – nahe dem gewaltigen Dom liegt das weltberühmte Shopping-Viertel.

05.09.2011 Malte Jürgens Powered by

Die italienische Mode-Metropole Nummer 1 verbindet große Automobil-Historie mit den vielfältigsten Outlets zum Shoppen, mit gewaltigen Kulturdenkmälern und den entspannenden Genüssen der cucina italiana. Motor Klassik erkundete die schönsten Seiten dieser lombardischen Legierung aus Lebenslust und Liebhaberei.

Seltsamer Dialog am Eingang der Villa: "Geplante Operation oder was Akutes?" "Nein", wehren wir ab, "keine OP, nicht bei uns. Wir spüren dem Herzblut einer ganz anderen Art nach, cuore sportivo, dem Lebenselixier von Alfa Romeo."

Der Pförtner an der Via Buonarrotti 48 schaut misstrauisch. Er wacht über den Betrieb der jetzt hier installierten Columbus-Klinik, zu deren Spezialitäten Herzoperationen zählen. Unsere Stadtführer Axel Marx und sein Freund Maurizio salben ihn mit einer wunderbaren Vorführung der großen lombardischen Überredungskunst, dann tut sich die Pforte auf. Wir stehen im ehemaligen Privathaus von Nicola Romeo, der 1915 und 1918 in zwei Schritten die 1910 in Mailand gegründete Automobilfabrik Alfa vor dem finanziellen Infarkt rettete. Ein paar Stühle, ein Tisch und die rote Seidentapete aus der Nicola-Romeo-Zeit sind im Nebenzimmer des Klinik-Foyers noch erhalten - Alfa-Dämmerung.

Mailand, die gefühlte Hauptstadt Italiens

Weitere Wallfahrtsplätze lässt man uns in Romeos einstigem Domizil nicht mehr besichtigen. Die Patienten benötigen Ruhe. Axel und Maurizio steppen die große Freitreppe der heutigen Klinik wieder hinunter. Die Operation "Mailand im Spider" nimmt Fahrt auf. "Milano ist zwar formal nur das Zentrum der Lombardei und nicht des ganzen Landes", erklärt uns Maurizio sein Heimatbild, "andererseits ist Mailand eben doch die gefühlte Hauptstadt Italiens. Rom ist eine Kolonie von Verwaltungsbeamten und Künstlern, aber Mailand ist mit seiner großen Industrie der starke Motor unseres Landes, und anders als in Rom fühlen wir uns hier wie in einem großen Dorf."

Maurizio, im Zivilberuf Zahnarzt, freut sich über den Besuch von Motor Klassik. Er liebt seine Stadt, kennt hier jeden Winkel, alle guten Geschäfte, die Cafés und natürlich die historischen Kulissen, vor denen die Alfa-Presseabteilung jahrzehntelang die Werksbilder neuer Modelle produzieren ließ.

Er genießt es, uns seine Stadt einen Tag lang präsentieren zu können: "Mailand ist ein Paradies für autoverrückte Männer, aber auch für ihre weibliche Begleitung, die lieber shoppen gehen möchte. Die Boutiquen und Outlets, die Cafés und Restaurants und diese großartige, uralte Stadt mit ihren Kunstschätzen sind einfach perfekt für einen Wochenendtrip."

Die Schätze des Alfa-Blue-Teams

Zu den hochgradig Alfa-abhängigen Enthusiasten zählt auch unser Gewährsmann für sämtliche Fragen betreffs der legendären Mailänder Marke, Axel Marx. Der praktizierende Gefäßchirurg lebt im Tessin, wird aber wegen seiner profunden Sachkenntnis selbst vom Alfa-Museum gerne konsultiert, wenn sich Besucher aus Deutschland angesagt haben.

Und um die magischen Orte der Andacht für Alfa-Romeo-Liebhaber mit den weiteren Attraktionen Mailands zu verweben, hat der Doktor Maurizio. Unsere Einstimmung auf den Mythos Alfa erfolgt 16 Kilometer östlich der Metropole, in Premenugo di Settala. Dort haben Marx und etwa 25 weitere Alfa-Romeo-Sammler eine alte Parfümfabrik sowie eine Gießerei umgewidmet, um darin ein Alfa-Paradies voller Exoten und Raritäten zu installieren. Marx: "Jeder von uns kann hier seine Schätze unterstellen. Wir haben Werkstätten zum Schrauben, und außerdem gibt es im Alfa-Blue-Team ein reges Clubleben."

Alfa Blue? Traditionell steht in Italien Azurblau als Landesfarbe bei internationalen Wettkämpfen, denn das Rennrot der Alfa, Maserati oder Ferrari galt nur im internationalen Motorsport. Das Alfa-Blue-Team unter seinem Präsidenten Gippo Salvetti trägt den Ruhm der Mailänder Marke daher unter der symbolischen Farbe Blau hinaus in alle Welt. Jeden Donnerstagabend trifft sich das Blue Team zum Dinner in der alten Fabrik, gibt sich den Gaumenfreuden des fest engagierten Kochs hin und plaudert mit Gästen wie dem früheren Renningenieur Carlo Chiti oder dem Targa-Florio-Idol Nino Vaccarella.

Besonders stolz sind die Blue-Team-Mitglieder auf ihre Alfa-Spezialitäten, etwa den 2600 Spider mit der raren Boneschi-Karosserie oder auch die Renault-Modelle Dauphine und R4, die im alten Stammwerk in Portello gebaut wurden. Die 6C 1900 oder die 8C 2900 gehören ohnehin zur Grundausstattung.

Die Kulissen für Alfa-Pressefotos

Das alte Alfa-Werk in Portello gibt es nicht mehr, es musste einem Kongress-und Messegelände weichen. Wer dennoch die Erinnerungen der Straßen und der noch erhaltenen alten Häuser an die große Alfa-Zeit vor und nach dem Krieg atmen möchte, steigt im Hotel Portello nahe den einstigen Produktionshallen ab und spaziert einmal rund um das Areal. An seiner Rückseite liegt die Piazzale Giulio Cesare, deren Skulpturen-Park auf Pressebildern den künstlerischen Hintergrund nicht weniger Alfa-Modelle bildete. Ein paar hundert Meter entfernt liegt die Villa Normanna, in der Via Odescalchi 3. Statt von einem Gartenzaun wird sie vom Nachbau einer normannischen Trutzmauer umfriedet, was in den fünfziger Jahren für die 1900er Alfa ein prächtiges Sujet abgab.

Langsam wird die Beifahrerin ungeduldig, weshalb es angeraten erscheint, den Spider in Richtung der Piazza San Babila zu lenken. Hat man einen Parkplatz ergattert, gibt man ihn nicht wieder her; im Zentrum von Mailand empfiehlt es sich, Flaneur zu sein, und Domplatz wie auch das Modeviertel sind fußläufig bequem zu erreichen.

Größte Automobil-Buchhandlung Italiens

Während der Autofan ein paar Schritte den Corso Venezia hinaufbummelt und dann neben dem Autoliteraten-Café il Campiello in die mit 4.500 Titeln vermutlich größte Auto-Buchhandlung Italiens abbiegt, steuern die auf Shopping kalibrierten Teile der Reisegruppe Mailand zielsicher auf das Viertel zwischen der Via Sant‘ Andrea und der Via Monte Napoleone zu.

Für die Halbzeitpause im Einkaufsbummel verabreden sich Genießer mit Stil im Café Cova, einem Jugendstil-Traum von Pasticceria. Erlahmen Fuß und Hand dann gegen Abend vom Schleppen der mit Schnäppchen gefüllten Taschen, Beutel und Kartons etwa aus den Häusern Pinko, Claudio Calestani, Paolo Frani, Alberto Cenardi oder Nomination - das internationale Spektrum von Armani über Bulgari, Gucci, Prada und Co. ist sowie- so vertreten -, wird es Zeit, den Tag zu beschließen ganz im Sinne von Asterix und Obelix: mit einem Festmahl.

Angesagtestes Restaurant Mailands

Maurizio lässt sich auf keine Diskussionen ein und zeigt uns die Trattoria Toscana, das derzeit angesagteste Restaurant für sämtliche Stände von Bankier bis Bohemien. Durch eine plüschige Lounge führt der Weg ins Herz dieser gastronomischen Arena, die auf Mauerresten aus dem 12. Jahrhundert ruht: mitten auf den von einem Zeltdach überspannten Innenhof. Beim Anlegen der Bambusbeete, berichtet der Patron, habe er mehr Antiquitäten aus dem Boden gegraben, als in ein Museum hineingingen.

Maurizio stimmt uns auf die kulinarische Kür der toskanischen Küche ein: Zuerst machen frittierte Zuccini-Blüten die Runde, später ein zarter Hauch von rohem Thunfisch, irgendwann ein perfekt zubereitetes Maiale. Über die trefflichen Ergebnisse der toskanischen Weinlese zu berichten, ziemt sich nicht für eine Automobil-Zeitschrift; Alkohol ist hier ja politisch unkorrekt, und wer will schon von alkoholfreiem Brunello oder Chianti lesen? Ein letzter Mailand-Tipp: Zur Trattoria nimmt man ein Taxi. Die Küche steht bis 1.00 Uhr morgens unter Feuer, und freie Parkplätze finden sich an der Porta di Ticinese ohnehin nicht mehr.

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