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Reisen mit dem Auto

Fünf Traumrouten in Deutschland

Traumrouten, Deutschlandkarte Foto: ams 17 Bilder

Landschaften, Kultur und Geschichte mit dem Auto zu entdecken, das ermöglichen die 150 Deutschen Themenstraßen. In loser Folge stellen wir einige der reizvollsten Routen vor.

10.07.2014 Malte Jürgens Powered by

Die berühmte Fahrt ins Blaue erspart zwar große Vorbereitungen, endet aber bisweilen mit Enttäuschungen: Die Restaurants sind entweder geschlossen oder überfüllt, die Herberge zum Übernachten gleicht dem Wirtshaus im Spessart, und nur der Zufall weiß, warum man gerade da ist, wo man ist. Wer sich dagegen als Ausflugsziel für die Fahrt über eine der deutschen Themenstraßen entscheidet, kann landesweit vom Service dieser touristischen Angebote profitieren. Dazu zählen Prospekte mit den regionalen Sehenswürdigkeiten, Tipps zum Tafeln und Übernachten sowie wichtige Rufnummern und Internetadressen.

Stellvertretend stellen wir hier fünf Themenstraßen vor. Sie sind der ersten Reise im Automobil durch Bertha Benz zwischen Mannheim und Pforzheim gewidmet, der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas, dem Handwerk der Spielzeughersteller im Erzgebirge und dem der Schuster im Saarland sowie den Vorpommerschen Dörfern des Peenetals. Viel Vergnügen bei einem unbeschwerten Wochenende mit dem Automobil wünscht Ihnen auto motor und sport.

1. Bertha und die Söhne Mannheims

Von Mannheim nach Pforzheim: 1888 startete Bertha Benz mit ihren Söhnen Eugen und Richard in Mannheim zur ersten Fernfahrt.

Die legendäre Fahrt der Bertha Benz bietet den Stoff, aus dem die besten Sagen sind: Heimlich stibitzt die furchtlose Ehefrau des Karl Benz zusammen mit den Söhnen im Sommer 1888 das schon verbesserte Benz-Dreirad aus der Remise und fährt zur Mutter nach Pforzheim, rund 100 Kilometer. Die Rückfahrt erfolgt auf geänderter, nur 90 Kilometer langer Route. Ob Bertha selbst gefahren ist, wird von Veteranenkennern zwar bezweifelt, doch auch wenn die vom Vater angelernten, fahrkundigen Söhne hinter der Lenkkurbel gesessen haben – die Chefin der Mission war ihre Mutter, und die trägt damit zurecht den ewigen Ruhm der unerschrockenen Pionierin in der Geschichte des Automobils.

Die Memorial-Route verbindet die Kultur- und Weinlandschaften Badens mit historienschweren Orten wie den Schlössern von Heidelberg, Bruchsal und Schwetzingen, mit der Rennstadt Hockenheim und dem Brettener Melanchthon-Haus.

Besonders einladende Menüs bieten die Spargel-Wirtschaften um Schwetzingen und Hockenheim ab etwa Mitte April. Da die Spargelsaison traditionell am 24. Juni (Johannistag) endet, empfiehlt sich der Frühsommer als beste Reisezeit zur Kombination von Spargelgenuss mit Automobilhistorie.

Zu den Wohlfühl-Hotels an der Strecke zählt zum Beispiel das Charisma Hotel Brücke in Riedlingen bei Hockenheim (www.hotel-brueckeerlebniswelt.de, Doppelzimmer ab 70 Euro mit Frühstück). Bei Pforzheim empfiehlt sich als gemütliches Landhotel Bürkl's Kirnbachtal in Niefern-Öschelbronn (Doppelzimmer mit Frühstück ab 66 Euro, www.buerkls.de).

Als besuchenswert bieten sich Schloss, Luisenpark und Wasserturm in Mannheim an, das Automuseum Dr. Carl Benz in Ladenburg, das Heidelberger und das Schwetzinger Schloss, das Schmuckmuseum Pforzheim sowie das faszinierende Automuseum Autovision in Altlußheim.

2. Gärten zwischen Rhein und Maas

Zwischen Kleve, Köln und Xanten: Die Straße der Gartenkunst schreibt keine Strecke vor, sondern lockt mit Orten floraler Magie.

Wie bei den schönsten Treffen in England sind auch beim großen Oldtimertreffen zu Schloss Dyck bei Jüchen die Parkplätze mindestens so interessant wie die zur Wertung anrollenden Concours-Kandidaten. Ein Gang durch die Miscanthus-Felder bei den Classic Days (1. - 3. August) ist ein Besuch bei Tausenden von Klassikern, die alle auf eigener Achse angereist sind.

Auf der Straße der Gartenkunst gilt ansonsten die alte japanische Weisheit: Willst du Glück für dein Leben, werde Gärtner. Die Resultate der Glückssuche vieler Gärtnergenerationen sind von Bedburg-Hau und dem Schlosspark Moyland bis zum niederrheinischen Garten der Krautwigs in Xanten und der Drachenburg bei Königswinter zu bestaunen. Weitere Stationen: Bonn, Brühl (Falkenlust mit Jardin secret), Düsseldorf (Schlosspark Benrath mit Gartenbaumuseum), Mettmann, Köln und weitere zauberhafte Gärten wie in Klimmen (NL) oder Weustenrade (NL).

Da Rheinland und Ruhrpott nicht allerorten über eine typische alteingesessene Restaurantkultur verfügen, hat dort eine Fastfood-Mahlzeit Karriere gemacht: die Currywurst, am besten mit Fritten rot-weiß (Ketchup und Mayonnaise). Längst gibt es dazu Literatur, etwa vom Eichborn Verlag ("Frittenführer", ca. 5 Euro, z. B. bei www.amazon.de).

Zwischen Kleve und Xanten nahe dem Rhein liegt das angenehme Hotel und Restaurant Doppeladler der Familie Jagodic (www.hoteldoppeladler.de, DZ/F ab 69 Euro). Wer bei Mettmann Quartier nehmen möchte, kommt im Gut Höhne bestens unter (www.guthoehne.de, DZ/F ab 140 Euro).

Da die Straße der Gartenkunst keine verbindliche Route zum Anfahren der botanischen Paradiese festschreibt, ist eine Vorabrecherche im Internet hilfreich: Die Tourentipps der Seite www.strasse-dergartenkunst.de reichen von Rössern und Rittern bis zu Kaisern und Kräutern.

3. Straße der Schuhe und ihrer Macher

Zwischen Steinalben, Pirmasens und Hauenstein: Die Deutschen Schuhstraße verbindet Outlets und Schuhmachertradition.

Eigentlich beginnt die rund 300 Kilometer lange Schleife der Deutschen Schuhstraße schon weiter nördlich im rheinland-pfälzischen Alzey, doch im 19. Jahrhundert lag das Zentrum der deutschen Schuhherstellung in der Südwestpfalz, mit Pirmasens als Mittelpunkt.

Die Strecke zwischen Waldfischbach-Burgalben, Pirmasens und Hauenstein verbindet viele der kleinen Orte nahe der französischen Grenze, aus denen die Arbeiter einst Tag für Tag in die Schuhfabriken "einpendelten", wie es damals hieß. Durch neue Strukturmaßnahmen geriet die Schuhindustrie jedoch ins Abseits. Was bleibt, sind Schuhläden und Outlets, wo es so ziemlich alles gibt, was den Fuß kleidet und schützt.

Sehenswert das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein, wo vom Kastanienschuh bis zum größten Schuh der Welt Kurioses und Traditionelles aus der Welt der Laufwerkzeuge ausgestellt ist. Tipp für die Damen: Die Hauensteiner Schuhmeile hält eine Million Paare bereit.

In der Pfälzer Weingegend um Neustadt an der Weinstraße, keine 50 Kilometer von Hauenstein entfernt, liegt in Hambach das Weinlokal Mohre-Jule (www.mohre-jule.de). Dort ein Glas frischen Riesling zu einer kräftigen Pfälzer Bratwurst und einem Schlag Pfälzer Weinkraut – diese Köstlichkeiten toppen viele internationale Gourmetrezepte.

In Hauenstein lädt der "Ochse" zur gemütlichen Übernachtung ein (www.zum-ochsenhauenstein.de, DZ/F ab 80 Euro). Im Hotel Ölmühle (www.oelmuehle-landstuhl.de) in Landstuhl kostet eine Nacht im Doppelzimmer mit Frühstück ab 98 Euro.

Klettermaxe finden entlang der Deutschen Schuhstraße im Buntsandstein viele Kletterwände mit so aufmunternden Namen wie Teufelstisch oder Jungfernsprung. Mehr Infos unter: www.schuhmeilehauenstein.de

4. Reise zurück in die Kindheit

Von Erfurt nach Sonneberg und Nürnberg: Auf den Spuren der Spielzeughersteller zwischen Erzgebirge und Frankenland.

Sonneberg in Thüringen galt einst als Welthauptstadt der Spielzeugherstellung: Unzählige kleine Betriebe stellten in Handarbeit die geschnitzten, gepressten, verleimten, geschraubten oder verlöteten Figuren, Häuser und Gerätschaften her, mit denen Kinder in der ganzen Welt im Spiel für das spätere Erwachsenenleben trainierten.

An den thüringischen Teil der Spielzeugstraße schließt der fränkische an, mit Nürnberg und seiner Spielwarenmesse. Der östliche Teil der Themenstraße ist dabei für die Liebhaber der alten Zeit ein Eldorado, in dem von Puppen, Bären, hölzernen Zwergen, Engeln, Hexen, Spielzeugautos und Blechlokomotiven geträumt werden darf.

Regelmäßig werden hüben wie drüben Börsen, Festivals und Verkaufsmessen abgehalten, etwa im fränkischen Neustadt (Museum der Spielzeugindustrie), in Rödental, Sonneberg oder Ohrdruf. Für alle, die ein Wochenende lang noch mal Kind sein möchten: nichts wie hin.

Wer in Thüringen nach alter Landessitte speisen möchte, muss sich ein Gericht aussuchen, zu dem die typischen Kartoffelklöße gereicht werden. Die aber dürfen nicht aus der Tüte kommen, sondern müssen handgefertigt sein und beim Servieren einen leicht grünlichen Teint tragen. Dann sind sie de-li-kat.

In Erfurt kostet im noblen Hotel am Kaisersaal das Doppelzimmer inklusive Frühstück normalerweise 104 Euro. Bei großen Ereignissen in der Stadt fallen Zuschläge an (www. hotel-am-kaisersaal.de). Im herrlich gelegenen Hotel Silbersattel bei Sonneberg/ Steinach werden für ein Doppelzimmer mit Frühstück 64 Euro berechnet.

Auch die Deutsche Spielzeugstraße hält vielfältige Einkaufsmöglichkeiten bereit. Outlets gibt es zum Beispiel für die Marken Playmobil, Teddy Hermann, Schipper, Zapf Creation, Ebo Plüschtiere, Engel-Puppen, Rolly Toys, Piko, Frör Plaho, Schildkröt u. v. m. Infos: www.spielzeugstrasse.de.

5. Vom Gleithügel zur Weltraumfahrt

Zwischen Loitz, Anklam und Usedom: Im Peenetal verbindet die Vorpommersche Dorfstraße Landleben und Weltraumfahrt.

Das Flüsschen nahe der polnischen Grenze windet sich durch eine Bruch- und Auenlandschaft, in der die Zeit bisweilen zu rasten scheint – die hier gelegenen Vorpommerschen Dörfer haben viel vom Charme, aber auch der Kargheit längst vergangener Zeiten bewahrt.

Doch die Peene lädt nicht nur zum nostalgischen Träumen ein. In Anklam, einem der Ausgangspunkte der Vorpommerschen Dorfstraße, kam im Jahr der Märzrevolution Otto Lilienthal zur Welt. Der baute Hängegleiter, analysierte Vogelschwingen, zog die richtigen Schlüsse und ging mit seinen Auftriebsgleitern als Begründer der Luftfahrt in die Geschichte ein. Das Lilienthal-Museum in Anklam zeigt tolle Nachbauten der historischen Gleiter. An der Peenemündung, auf der Insel Usedom und damit knapp jenseits der Themenstraße, entstanden unter Wernher von Braun keine 50 Jahre später die ersten Raketen, die bis in den Weltraum vordrangen. Ein Museumsbesuch lohnt.

Zu den Spezialitäten der Region gehören viele ausgezeichnete Fisch- und Wildgerichte. Empfehlenswerte Restaurants auf Usedom: Zum Smutje in Zinnowitz (www.zum-smutje.de) und das Forsthaus Bansin (www.forsthaus-bansin.de). In Anklam genießt die Gaststätte am Steintor einen guten Ruf (Anklam, Neuer Markt 2).

Bürgerliche Preise sprechen für das Hotel Pommernland in Anklam (www.hotel-pommernland.de, DZ/F ab 79 Euro). Wer es mondäner liebt, geht zum Beispiel auf Usedom ins DAS Ahlbeck Hotel & Spa (www.das-ahlbeck.de, DZ/F 120–190 Euro).

Ausführliche Informationen zur Themenstraße im Peenetal gibt es unter www.vorpommerschedorfstrasse.de. Die Homepage des Lilienthal-Museums in Anklam hat die Adresse www.lilienthal-museum.de. Die Seite von Peenemünde (www.peenemünde.de) hält viel Wissenwertes auch über das dortige Raketenmuseum bereit.

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