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Renault

Ghosn hält Kurs

Foto: ams

Update +++ Renault hat im vergangenen Jahr deutlicher weniger verdient als im Jahr zuvor. Aber mit dem Start von acht Automodellen in diesem Jahr sieht sich Renault auf gutem Wege bis 2009 zum ertragsstärksten Volumenhersteller Europas aufzusteigen.

08.02.2007

Bei den drei Zielen Rentabilität, Qualität und Wachstum sei Renault 2006 entscheidend vorangekommen, sagte Konzernchef Carlos Ghosn am Donnerstag (8.2.) in Paris. In der Bilanz für 2006 werde dies zwar wegen des Verzichts auf wenig rentable Absatzwege "noch nicht sichtbar". Renault sei aber auf Kurs und wolle deswegen die Dividende für 2006 von 2,40 auf 3,10 Euro je Aktie erhöhen. "Die Lage ist gesund."

Im "Scharnierjahr 2006" sank der Konzernumsatz um 0,8 Prozent auf 41,53 Milliarden Euro, weil der Absatz in Westeuropa mangels neuer Modelle und wegen "selektiver Vertriebspolitik" zurückging. Während die Verkäufe in Lateinamerika und Osteuropa/Türkei/Russland zweistellig stiegen, schrumpften sie in Frankreich um 5,1 Prozent und im übrigen Europa (ohne Osten) um 10,8 Prozent.

Der Überschuss fiel 2006 um 14,8 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro. Die 44-Prozent-Beteiligung an Nissan brachte dabei 1,87 (nach 2,27) Milliarden Euro in die Kasse. Die Volvo-Beteiligung von 21,8 Prozent brachte 384 (nach 308) Millionen ein.

Beim operativen Gewinn gab es einen Einbruch um 42 Prozent auf 877 Millionen Euro. Ghosn führte dies auf die unerwartet hohe Steigerung der Rohstoffkosten und eine vorübergehende Verschlechterung der Festkostenstruktur wegen der Absatzdelle in Westeuropa zurück. Für 2007 hält Renault am Zwischenziel von drei Prozent Rendite fest. Nach einer Delle im ersten Halbjahr soll es aufwärts gehen. 2009 soll das langfristige Ziel von sechs Prozent erreicht werden. Die Börse nahm die Nachricht positiv auf: Die Renault-Aktie stieg um 1,03 Prozent auf 92,85 Euro.

Starmanager macht Renault zum Massenanbieter


Mit der Markteinführung des neuen Twingo kommt die Produktoffensive der Franzosen im Frühjahr auf Touren. Es wird höchste Zeit. Doch unbeirrbar hält Renault-Chef Carlos Ghosn an seinem Strategieplan "Vertrag 2009" fest. Bis übernächstes Jahr will der Starmanager Renault zum ertragsstärksten Massenanbieter Europas machen. Die Börsianer hörten die Bekräftigung der Botschaft am Donnerstag entzückt und orderten kräftig Renault-Aktien nach.

Ghosn hat eine Modelloffensive mit elf Modellen in völlig neuen Marktsegmenten und 13 runderneuerten Modellen zwischen 2007 und 2009 in Gang gesetzt. Er nutzt dabei das Potenzial des Schwesterkonzerns Nissan und der rumänischen Tochter Dacia. Nissan kann Renault die nötigen V6- und V8-Motoren für Gelände- und Sportwagen bieten. Umgekehrt kann Renault-Chef Ghosn dem Nissan-Chef Ghosn mit Dieselmotoren in Europa und Nordamerika aushelfen.

"Der Erfolg hängt nur von den Modellen ab", sagt Ghosn. Doch neue Modelle können auch floppen. In der Oberklasse hat Renault das gerade mit dem VelSatis sehr schmerzlich erfahren. Das anspruchsvolle Auto kam mit seinem eigenwilligen Design bei den zahlungskräftigen Kunden nicht an. Mit einer Neuauflage des Laguna will Ghosn nun die Konkurrenz das Fürchten lehren. Der Laguna tritt gegen zwölf Wettbewerber wie den VW Passat oder die C-Klasse von Mercedes an. Doch an den deutschen Platzhirschen will sich Ghosn nicht messen: "Unsere Oberklasse ist keine Kopie der deutschen Modelle", sagt er.

Verkauf ohne Grenzen

Erfolg hat Renault allerdings bisher vor allem am anderen Ende der Preiskategorien. Der Absatz des Billigautos Logan sprang 2006 um mehr als 70 Prozent auf 248.000 in die Höhe. Jetzt soll die Fertigung im Iran und in Russland losgehen, wo dem Verkauf kaum Grenzen gesetzt scheinen. Und das Modell soll in viele Varianten aufgefächert werden. "Der Logan ist kein Auto, sondern eine Plattform", sagt Ghosn.

In 118 Staaten ist Renault bisher aktiv und der Anteil der anderen Kontinente am Absatz wächst beständig auf zuletzt 30 Prozent. Doch mit dem Sprung nach China und in die USA zögert Ghosn noch: Er will sich nicht verzetteln. Schließlich hat er auch als Nissan-Chef jede Menge Baustellen. Eine Woche pro Monat ist Ghosn in Japan, um den etwas schlingernden japanischen Konzern auf Kurs zu bringen. Und das soll so bleiben. "Ich will an der Spitze beider Konzerne bleiben, so lange ich das Vertrauen der Aktionäre behalte", sagt Ghosn.

Pläne für eine Erweiterung des Konzernbündnisses um einen der US-Anbieter GM, Ford oder die Daimler-Tochter Chrysler hat Ghosn erst einmal auf Eis gelegt. "Erst müssen die Verkäufe von Renault wieder abheben", sagt Ghosn. "Es wäre gefährlich, vorher das Bündnis zu erweitern." Und Renaults Zukunft wird in Europa entschieden. Dort sank der Marktanteil des Konzerns seit 2002 von 10,7 auf das Rekordtief von 8,6 Prozent. Wenn Renault hier im "Wendejahr" 2007 nicht die Kurve kriegt, dürfte Ghosn mit seinem "Vertrag 2009" scheitern.

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