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Renault Gordini

Das Familienprojekt

Foto: Fact 22 Bilder

Manche im Freundeskreis von Daniel Ofner glaubten, er hieße Gordini - so eng war vor 30 Jahren die Bindung zwischen ihm und der gleichnamigen Spezialversion des Renault R8. Jetzt lebte die Beziehung wieder auf.

22.05.2008 Bernd Woytal Powered by

Motor Klassik-Fototermin in Zürich. Ein knallblauer Renault R8 Gordini im Neuwagenglanz ist der Grund für diese Reise in die Schweiz. Das frisch restaurierte Auto im Topzustand soll in den nächsten Tagen bei der Fahrzeugkontrolle vorgeführt werden, denn die Zulassung steht noch aus. Aber Daniel Ofner präsentiert uns den Gordini bereitwillig schon vor diesem Termin.

Für ihn werden die ersten Meter mit der kleinen Sportlimousine und dem brüllenden Vierzylinder im Heck zur Zeitreise in seine Jugend. Genau dieses Auto hat er 1978 als Gebrauchtwagen gekauft - ein unvergessliches Erlebnis. Jeden Samstag studierte der damals 19-Jährige die Kleinanzeigen der Tageszeitung auf der Suche nach einem heißen Renner, bis er eines Tages auf den inserierten Gordini stieß. Umgehend meldete er sich und seinen Bruder zu einem Besichtigungstermin an. Der Verkäufer, Besitzer einer Renault- Garage, war sichtlich von der spontanen Reaktion auf seine Anzeige überrascht. Denn beim Eintreffen der Ofners verpasste er dem Auto gerade eine Wasserdusche, um es noch schnell zu entstauben.

Noch intensiver als dieser Anblick blieb den Brüdern die Probefahrt in Erinnerung. "Er ließ uns nicht fahren, er fuhr selbst, wie die Sau", erzählt Daniel Ofner. Und ergänzt schmunzelnd: "Mein Bruder saß vorn, ich hinten, dann ist er mit uns eine kleine Bergstrecke hochgerast - immer extrem rechts. Und wir haben vor Angst die Pobacken zusammengekniffen."

Der Gordini-Virus sprang sofort über

Bleich, aber total begeistert entschied sich Ofner nach dieser Spritztour zum Kauf und trug fortan den Virus Gordini in sich. Der für die damalige Zeit ungeheuer agile Wagen faszinierte in sehr. Dort, wo er wohnte, kannten ihn alle, weil er mit der nicht gerade leisen Heckschleuder immer noch einige Sondereinlagen lieferte, bevor er sie abstellte. "Ich war furchtbar unvernünftig - wenn ich heute so einen in der Nachbarschaft hätte, würde ich mich darüber natürlich aufregen", gesteht er. In seinem Freundeskreis hieß er übrigens schlicht Gordini. Manche, die von Autos keine Ahnung hatten, glaubten sogar, dass dies sein wirklicher Name sei.

Daniel Ofner pflegte zwar den Wagen, hatte aber andererseits ein ungezwungenes Verhältnis zu ihm. Der gelernte Zimmermann setzte ihn im Alltag ein und transportierte damit sogar Holz auf einem Dachgepäckträger.

In den 80er Jahren erlosch dann die Begeisterung. Der blaue Wagen stand in einem gemieteten Schuppen, wurde noch einige Male bewegt, aber schließlich vergessen. Doch 15 Jahre später nahte die Rettung.

Renault liegt in der Familie

Schon Daniels Großvater und danach sein Vater besaßen eine Renault-Garage. Während er selbst sich der Holzverarbeitung zuwendete, folgte sein Bruder Felix der Familientradition, lernte das Handwerk des Automechanikers und führte den Betrieb weiter. Und er war es auch, der schließlich entschied: "Irgendetwas muss mit dem Gordini passieren."

Es gelang ihm, seinen Bruder Daniel für eine Restaurierung des mittlerweile recht marode gewordenen Wagens zu gewinnen. Die Hauptarbeit wollte er gern übernehmen. So wurde dann der Gordini in die Werkstatt geholt, und nach Feierabend machte sich Felix Ofner daran, den Wagen in alle Einzelteile zu zerlegen.

"Dabei legte ich gleichzeitig eine Excel- Tabelle mit allen benötigten Neuteilen an, die am Schluss fünf DIN A4-Seiten umfasste", berichtet er. Das Blech des Gordini hatte sich ganz gut gehalten. Mit viel Glück wurden sogar vier neue, originale Kotflügel aufgetrieben.

Von 160 Teilen konnte Renault noch 30 liefern

Die Teilesuche erwies sich als sehr aufwendig, denn von den 160 benötigten Komponenten waren bei Renault nur knapp 30 noch zu haben, den Rest musste Felix Ofner über alle möglichen Quellen ausfindig machen. Da er auf größtmögliche Originalität bis hin zum korrekten Aufkleber auf dem Luftfilter Wert legte, brauchte das seine Zeit.

Als sinnvolle Veränderung sah er aber die Überarbeitung der miserabel abgesicherten Elektrik, die er um einen Sicherungskasten ergänzte. Da im Prinzip jedes Bauteil des Gordini überholt oder erneuert wurde, ließe sich ein Buch über alle Arbeiten schreiben.

"Ich war dabei vorwiegend Handlanger", betont Daniel Ofner. Seine Stunde schlug, als es um die Erneuerung der neben der hinteren Sitzbanklehne verlaufenden Innenverkleidungen ging. Diese wurden nämlich aus im Flugzeugbau verwendetem Sperrholz hergestellt - ein Tipp, den sein Bruder vor vielen Jahren bekommen hatte. Nach dem Zuschnitt kamen die dünnen, mehrfach verleimten Hölzer in ein Wasserbad. Zwei, drei Stunden später ließen sie sich in die gewünschte Form bringen und im Wageninnenraum anschrauben, wo sie trocknen konnten. Danach wurden sie wieder entfernt und bezogen.

Auch Daniel Ofners Frau, die ihn übrigens seinerzeit ebenfalls als Gordini kennengelernt hatte, trug mit ihren Sprachkenntnissen bei Verhandlungen mit italienischen und französischen Teilehändlern zum Gelingen des Projekts bei. "Aber das meiste hat mein Bruder gemacht", hebt Daniel Ofner hervor.

So war letztendlich fast die ganze Familie daran beteiligt, dass Monsieur Gordini wieder zu seinem Gordini kam.

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