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Bugatti Typ 5 Paris-Madrid 1903

Rendezvous mit dem Tod

Foto: Archiv Ulrich, Kruta, Hucke 29 Bilder

Bugatti konstruierte 1903 den Typ 5. Zum Katastrophen-Rennen Paris-Madrid vom 24. bis zum 27. Mai 1903 durfte er jedoch nicht starten.

27.02.2009 Malte Jürgens Powered by

Vier Tage lang sollte die Wettfahrt Paris - Madrid eigentlich währen, doch statt eines großen internationalen Festivals des noch jungen Automobils brachte sie das blutige Ende aller Rennen von Stadt zu Stadt.

Denn auf der ersten Etappe gab es unter den Fahrern, Mechanikern und Zuschauern so viele Tote und Verletzte, dass die französischen Behörden am Etappenziel Bordeaux die Autos mit der Bahn umgehend zurück nach Paris schickten.

Bugattis Typ 5 wird disqualifiziert


Ettore Bugattis (später Typ 5 getaufter) Rennwagen wurde unter der Startnummer 142 genannt. Zusammen mit seinem Freund Emile Mathis, der später bei Straßburg ebenfalls Autos baute, wollte der gebürtige Italiener die beiden von ihm bei de Dietrich im elsässischen Niederbronn konstruierten 12,9-Liter-Vierzylinder an den Start bringen, die sich durch einige ungewöhnliche technische Merkmale auszeichneten.

In den Brennräumen der paarweise von kupfernen Wassermänteln umschlossenen Zylinder etwa hingen die Ventile in der damals noch nicht alltäglichen OHV-Bauweise, gesteuert von Zugstangen und einem Vorläufer der desmodromischen Zwangsbetätigung.

Bugatti und Mathis chauffierten ihre Rennwagen nach Paris - nur um zu erfahren, dass die weit hinten angeordneten Sitze des T5 nach Ansicht der technischen Kommissare nicht den freien Blick auf die Straße erlaubten - Disqualifikation.

Schon bei der Anfahrt gibt es die ersten Toten


Möglich, dass nationale Erwägungen dabei eine Rolle spielten: Das Elsass, Heimat der de Dietrich-, Mathis- und ab 1909 dann auch der Bugatti-Wagen, gehörte seit 1871 ja zu Deutschland, was die Franzosen dem östlichen Nachbarn natürlich nachtrugen.

Bugatti also durfte nicht starten und verpasste damit ein Rennen, das schon im Vorfeld zu Katastrophen führte. Auf der Fahrt nach Paris verunglückte am 15. Mai der deutsche Rad-Weltmeister Paul Albert bei Ingelheim am Main tödlich, nach einem 40- Meter-Flug mit seinem Mercedes wegen einer übersehenen Bodenwelle. Der französische Mechaniker Ribauté fand den Tod ebenfalls bereits auf der Anfahrt, an einem Straßenbaum.

Im Rennen riss die Unglückssträhne nicht ab. Der Wolseley von Leslie Porter flog aus einer Kurve und zerquetschte den Mechaniker Willie Nixon an einer Hauswand. Nixon trug die 280 Pfund, die ihm Porter für den Rücktransport im Falle des eigenen Todes gegeben hatte, bei sich – sie verbrannten im Feuer nach dem Crash.

Dramatische Szenen mit fatalen Folgen

Der Auto-Fabrikant Marcel Renault übersah in der Staubwolke des vor ihm fahrenden Théry eine Kurve und flog mit etwa 130 km/h von der Straße. Zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen. Claude Barrow, Werksfahrer von de Dietrich in Lunéville, überfuhr nach der Kontrolle in Libourne einen Hund, der die Lenkung blockierte. Die Fahrt endete an einem Baum, sein Beifahrer Pierre Rodez war sofort tot. Barrow, schwer verletzt, starb 14 Tage später.

Dramatisch die Schilderung des Unfalls bei Angouléme: "Auf der stark gewölbten Brücke von Couronne wurde Normand, der Mechaniker von Tourand, fast aus dem Auto geschleudert. In seiner Not bekam der den Arm des Fahrers zu fassen, der dadurch das Lenkrad verriss. Tourand verlor die Kontrolle über seinen Brouhot, fuhr gegen eine Böschung und wurde in die Zuschauermenge geschleudert. Dem jungen Soldaten Dupuy gelang es, ein Kind aus dem Gefahrenbereich zu reißen, er erlitt jedoch tödliche Verletzungen. Ein weiterer Zuschauer, Caillon, wurde getötet, ein dritter, Raffet, schwer verletzt. Normand starb ebenfalls bei dem Unfall."

Die Unfälle mit Schwerverletzten waren noch weit zahlreicher als die Fatalitäten: Phil Stead überschlägt sich und landet eingeklemmt in einem Graben, kann aber nach erster Hilfe durch die einzige weibliche Starterin, Camille du Gast, gerettet werden.

Das Ende der Stadtrennen

Immer häufiger werden die Unfälle im undurchsichtigen Staub der Vorausfahrenden und die Überschläge: Terry in Coignières, Delany in Saint-Pierre-du-Palais, Gras kollidiert im de Dietrich mit einer Bahnschranke, Darzens überschlägt sich im Henriod und erleidet einen Nervenzusammenbruch, der sich in einem nicht endend wollenden Lachkrampf äußert.

Am Ende des Tages zählt die Bilanz des Schreckens sechs Tote; zwei weitere Opfer werden in den nächsten beiden Wochen ihren Verletzungen erliegen. Die Zahl der verletzten Zuschauer soll die der Toten um ein Vielfaches übersteigen.

Später werden Schuldige gesucht: das hohe Tempo der Rennwagen, die schon bis zu 150 km/h erreichen, die vielen undisziplinierten Zuschauer und ihr hoher Weingenuss, die schon hochsommerliche Hitze des Tages. Frankreich stoppt das Rennen in Bordeaux, ein Tag später verzichtet auch Madrid auf die Fortsetzung des Rennens auf spanischem Boden. Stadtrennen sind tot. Es beginnt die neue Ära der Motodrome.

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