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Rennanalyse GP Brasilien

Finale Furioso

Foto: dpa 53 Bilder

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Finale wurde Lewis Hamilton am Sonntag (2.11.) in Sao Paulo zum neuen F1-Weltmeister gekrönt. Sieger Felipe Massa war längst über der Ziellinie, als der Brite in Kurve 12 Timo Glock überholte und sich damit den rettenden fünften Platz sicherte.

03.11.2008 Powered by

Massa hörte von Hamiltons Titelgewinn, als er längst in der Ehrenrunde war. "Ich bin gerade durch die dritte Kurve gefahren, als mir mein Renningenieur die schlechte Nachricht überbracht hat." Massa war ein guter Verlierer. "Lewis verdient den Titel. Er hat mehr Punkte als ich, und das ist das einzige, was zählt."

Was ist in den letzten fünf Runden passiert?

In der 60. von 71 Runden packten die Zuschauer zum ersten Mal ihre Regenkleidung aus. Vier Runden später stand Nick Heidfeld an der Box. Obwohl nur ein paar Tropfen fielen, wechselte BMW auf Intermediates. Nach Heidfelds gelungenem Poker von Spa folgte jeder dem BMW-Piloten in die Boxengasse. Der Wetterdienst von Meteo France hatte schon längst Regen angesagt, doch die pechschwarze Wolke über der Zielgeraden wollte sich nicht entladen. Heidfelds Stopp löste eine Massenpanik aus. Innerhalb von zwei Runden wechselten alle bis auf zwei Piloten auf Intermediates.

Toyota ließ seine zwei Fahrer auf der Strecke. Timo Glock und Jarno Trulli pokerten. Sie lagen auf den Plätzen sieben und acht. Hätten sie mit allen anderen die Boxen angesteuert, wären sie dort geblieben. Am Ende sprangen aber die Plätze sechs und acht heraus. Drei Runden lang ging die Rechnung auf. Doch in Runde 70 wurde aus Niesel Regen. In dieser Runde verlor Glock nur drei Sekunden auf Hamilton, hatte aber vor dem letzten Umlauf immer noch ein Polster von 13 Sekunden. Doch dann begann es richtig zu schütten. "Wir haben vor allem in Sektor zwei und drei verloren", rekapitulierte Teammanager Richard Cregan.

Drei Kurven vor dem Zielstrich hatte sich das Duo Vettel/Hamilton an Glock angesaugt. "Timo hatte keine Chance gegen uns", erzählte Vettel. "Er kam in der Rechtskurve zu weit nach außen und fand mit den Trockenreifen auf der nassen Fahrbahn keinen Grip", erzählte Vettel. Erinnerungen an Spa wurden wach. "Da war die letzte Runde auch so verrückt." Gegenwehr wäre zwecklos gewesen. Glock verlor auf den letzten 800 Meter bis zum Ziel auf Hamilton noch sechs Sekunden. "Ich stand mit dem Rücken zur Wand", entschuldigte sich Glock. "Leider ist der Poker nicht aufgegangen."

Warum musste Lewis bis zum Ende so hart um einen fünften Platz kämpfen?

McLaren-Mercedes spielte das gesamte Rennwochenende auf Nummer sicher. Im Qualifying ging man nicht so aggressiv zu Werke und gab Lewis mehr Benzin mit, um im Rennen auf alle Situationen reagieren zu können. Als nach wenigen Runden alle Piloten zum Wechsel auf Trockenreifen an die Box kommen mussten, war der Benzinvorteil allerdings hinfällig. Dabei ging es das Team erneut konservativ an und lotste Hamilton als einen der letzten Piloten zum Service.

Andere Fahrer hatten mit den Trocken-Gummis derweil längst schnelle Runden gedreht und so fand sich Hamilton nach seinem Wechsel auf Rang acht wieder. Um kein Risiko einzugehen, wartete der Silberpfeil-Pilot ungewöhnlich lange auf den richtigen Moment, um den Force-India von Giancarlo Fisichella zu überholen. Auch bei Überrundungsmanövern war der Brite vorsichtig und verlor etwas mehr Zeit als sonst. "Wir attackierten nie besonders hart, wir taten nichts Unüberlegtes", erklärte Teamchef Ron Dennis anschließend.

Die Sicherheits-Strategie wäre mit einem glanzlosen vierten Platz eigentlich perfekt aufgegangen, hätte nicht fünf Runden vor dem Ende noch einmal der Regen eingesetzt. Nach einem Fahrfehler auf rutschiger Piste war Sebastian Vettel sofort zur Stelle, um den fünften Platz zu übernehmen. Timo Glock suchte derweil sein Heil im Trockenreifen-Poker. Die riskante Taktik hätte Hamiltons Titelträume um ein Haar zunichte gemacht.

Warum mischte sich Vettel am Ende in den Titelkampf ein?

Sebastian Vettel lag die meiste Zeit des Rennens in den Top drei. Zeitweise bedrängte er sogar Sieger Felipe Massa. Der Ferrari-Pilot machte sich um den Deutschen aber keinen Kopf. "Ich wusste, dass Sebastian zu jeder Phase des Rennens Benzin für mindestens zehn Runden weniger als ich an Bord hatte." In der Schlussphase lag Vettel hinter Hamilton auf Platz fünf. Damit war der WM-Titel für den McLaren-Piloten sicher.

Vettel erzählte: "Ich habe auf Hamilton aufgeholt, kam aber nicht vorbei. Als es zu Nieseln begann, hat mir Lewis beim Reifenwechsel sogar ein bisschen Zeit abgenommen. Die ersten drei Runden auf Intermediates waren entscheidend. Die Bahn war noch ziemlich trocken. Es war einfach sich die Hinterreifen zu ruinieren. Ich konnte sehen, dass Lewis mehr Probleme mit den Reifen hatte als ich. Als er in Kurve 12 zu weit nach außen getragen wurde, war ich vorbei."

Auf die Frage, ob er dabei an den WM-Kampf zwischen Massa und Hamilton gedacht hat, antwortete der Toro Rosso-Pilot: "Ich wusste nach dem Boxenchaos gar nicht, wo ich war. Lewis war zu dem Zeitpunkt ein Gegner wie jeder andere." Hamilton schilderte die Szene aus seiner Sicht: "Als Sebastian mich überholte, sagte mir die Box, dass ich den Platz wiedergutmachen müsste. Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein, dass du so noch den Titel verlierst. 90 Prozent des Rennens war ich mir sicher, dass es reichen würde. Aber die letzten zehn Prozent habe ich gezweifelt."

Welche Rolle spielte Alonso?

Mit 48 Punkten in den letzten neun Rennen ist Fernando Alonso der Mann der zweiten Saisonhälfte. In Brasilien rundete der Spanier seinen starken Endspurt mit einem zweiten Platz ab. Alonso fuhr sein vielleicht bestes Saisonrennen. "In den ersten zehn Runden, als es nass war, konnte ich in den feuchten Passagen auf Massa und Vettel durch viel Risiko Zeit gutmachen. Als die Fahrbahn abtrocknete, hatte ich keine Chance mehr. Zum Schluss hatte ich Glück. Räikkönen war schneller, hat mich aber in Ruhe gelassen. Er wollte wohl nicht die WM-Chancen von Massa in Gefahr bringen."

Räikkönen bestätigte: "In den letzten Runden war ich schneller als Fernando, doch ein Überholmanöver wäre mit Rücksicht auf Felipes WM-Chancen zuviel Risiko gewesen." Ein unüberlegte Aktion hätte Felipe nur geschadet. Deshalb habe ich mich darauf konzentriert, ins Ziel zu fahren" Der dritte Platz reichte auch so. Weil Robert Kubica als Elfter die Punkteränge verfehlte, sprang Räikkönen noch auf Rang drei im WM-Klassement.

Warum blieb BMW-Sauber nach 34 Rennen erstmals wieder punktlos?

Trotz einer starken Saison blieb BMW am Ende nur die Gratulation an die neuen Weltmeister. Für beide Piloten lief im Rennen nicht viel zusammen. Nick Heidfeld verlor schon am Start viele Plätze und klagte anschließend über Balanceprobleme. "Später lag ich hinter Mark Webber und wollte ihn angreifen, dabei habe ich mir aber die Reifen ruiniert", klagte der Mönchengladbacher. Auch der Reifen-Poker mit einem sehr frühen Wechsel auf Intermediates ging am Ende nicht wie gewünscht auf.

Noch schlechter als dem zehntplatzierten Heidfeld erging es Robert Kubica auf Platz elf. Der Pole ließ sich im letzten Rennen der Saison den dritten Gesamtrang von Kimi Räikkönen abluchsen. Dabei war das Rennen von Beginn an verkorkst: "Unglücklicherweise startete ich mit Trockenreifen. Wir hatten falsche Informationen zu den Streckenbedingungen", schimpfte der Mann aus Krakau, der dann aus der Box ins Rennen ging. Später hing er noch hinter Adrian Sutil fest, so dass auch ein guter Schlussspurt nicht mehr in die Punkte führte.

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