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Rennanalyse GP Kanada

Hamilton ohne Fehler

Foto: Daniel Reinhard 46 Bilder

Nur einer behielt im Chaos-Grand Prix von Montreal den Überblick, und es war ausgerechnet der Pilot mit der geringsten Erfahrung. Sieger Lewis Hamilton hatte ein fehlerloses Rennen, blieb Mauern und Gegnern fern und kam nicht einmal von der Strecke ab.

11.06.2007 Michael Schmidt Powered by

"Der einzig aufregende Moment war der Start, als Fernando fast schon an mir vorbei war. Danach hatte ich einen ruhigen Tag." Der neue WM-Spitzenreiter ließ sich nicht einmal durch die vier SafetyCar-Phasen aus der Ruhe bringen, und dabei hätte jede seinen Sieg gefährden können. "Wenn es dich im falschen Moment trifft, kannst du als Fahrer und Team nichts tun. Wir mussten den zweiten Stopp von Lewis vorziehen. Heidfeld hätte das Rennen gewinnen können, wenn wir bis zu unserem geplanten Stopp gefahren wären", klagte McLaren-Chef Ron Dennis. Er schimpfte: "Ich sehe keinerlei Berechtigung, warum wir die alte SafetyCar-Regel geändert haben. Würde morgen noch einmal abgestimmt, würde ich das neue Procedere ablehnen."

Opfer der SafetyCar-Regeln

Nach den neuen Bestimmungen darf erst getankt werden, wenn alle Autos hinter dem SafetyCar aufgereiht sind. Fernando Alonso und Nico Rosberg erwischte es am unglücklichsten. Sie mussten in der 23. Runde zur Tankstelle, sonst wären sie ohne Benzin liegen geblieben. Da war die Tankstelle offiziell bereits geschlossen. Das brachte ihnen eine Zehnsekunden Stop-and-go Strafe ein.

Auch Ralf Schumacher war ein Verlierer der neuen Regel. Der Toyota-Pilot hätte Vierter werden können, wäre nicht in Runde 56 zum vierten Mal neutralisiert worden. Vier Runden zu früh. Schumacher hatte Benzin bis Runde 60 an Bord. Er wurde bei seinem letzten Tankstopp nach hinten durchgereicht, weil er zuvor seinen ganzen Vorsprung durch die Zusammenführung des Feldes verloren hatte.

Wurz als Profiteur

Alexander Wurz war der große Profiteur des turbulenten Rennverlaufs. Der Österreicher, der von Platz 19 gestartet war, ging als einziger mit einer Einstoppstrategie in das Rennen. Normalerweise wäre Wurz chancenlos gewesen, denn er musste 40 Runden mit der weichen Reifenmischung fahren. Sie war für Montreal zu weich und körnte. Der Williams-Pilot hätte zuviel Zeit verloren, wäre sein Rückstand durch das SafetyCar nicht immer wieder egalisiert worden. "Es war ein riskanter Poker, der nur dank der Neutralisationen aufging", gab Williams-Technikchef Sam Michael zu. Wurz nahm das Geschenk dankbar an:"Ich hatte zu Beginn der Saison so viel Pech, da darf jetzt auch einmal ein bisschen Glück dabei sein."

Alonso haderte mit den Reifen

Teamkollege Nico Rosberg war untröstlich: "Es konnte mich nicht unglücklicher treffen. Wäre das Rennen normal verlaufen, hätte ich Vierter werden können." Für Rosberg kam das erste SafetyCar um 13 Sekunden zu früh auf die Bahn. Bei Alonso waren es gar nur zehn Sekunden. Der Titelverteidiger erlebte einen rabenschwarzen Tag. Ein Fehler beim Start, drei Ausrutscher später in der ersten Kurve. Die zwei WM-Punkte für Platz sieben waren hart verdient. "Ich musste verlorene Zeit aufholen, und dabei passieren eben Fehler." Alonso haderte auch mit den Reifen. Immer, wenn er attackierte, begann sie zu körnen. Mit der weicheren Mischung war es so schlimm, dass er sich im Finale nicht einmal mehr gegen Takuma Sato im SuperAguri wehren konnte.

SuperAguri zeigt wie es geht

Der kleinste Rennstall der Formel 1 widerlegte die Kritiker der neuen SafetyCar-Regel, die behaupten, man hätte als Team keinerlei Einfluss auf den Ablauf mehr. Als das SafetyCar zum vierten Mal ausrückte, wurde Sato an die Box geholt, aber nur um pflichtgemäß die weichen Reifen aufziehen zu lassen. Solange nicht getankt wird, ist das erlaubt. Drei Runden später, als die Boxengasse für Tankstopps wieder freigegeben wurde, kam der Japaner erneut an die Box. Diesmal, um seinen letzten Tankstopp zu absolvieren und die weichen Reifen wieder gegen die besseren harten einzutauschen. So musste er nur drei Runden mit den schlechteren Reifen zurücklegen, und die auch noch hinter dem SafetyCar. Obwohl Sato zwei Mal hintereinander an die Box kam, verlorer keine Zeit. Das Feld musste sich im Bummeltempo hinter dem Schrittmacherfahrzeug anstellen.

Rabenschwarzer Tag bei Ferrari

Ferrari hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Kimi Räikkönen war beim Start mit Teamkollege Felipe Massa kollidiert und beschädigte sich dabei den Frontflügel. Später verklemmte sich ein Leitblech vom Kubica-Wrack im Frontflügel des Ferrari. Daraufhin kämpfte Räikkönen mit heftigem Untersteuern. Das resultierte schließlich in einem Bremsproblem.

Die roten Autos kamen im Verkehr nie auf Tempo. "Als Massa mal freie Fahrt hatte, war er so schnell wie die McLaren", verteidigte sich Ferrari-Chassischef Aldo Costa. Alonso, so Costa, habe das gleiche Problem gehabt. "Nur Hamilton fuhr die ganze Zeit in sauberer Luft." Massa vergeigte einen zweiten Platz, weil er am Boxenausgang die rote Ampel übersah. Giancarlo Fisichella passierte das gleiche Missgeschick. Beide Fahrer waren nicht über den Funk von ihrem Team gewarnt worden."Es waren soviele Autos in der Boxengasse, dass ich gar nicht auf dieAmpel geachtet habe", verteidigte sich Massa. Fisichella brachte als Entschuldigung vor: "Ich fuhr Seite an Seite mit Kubica raus und konzentrierte mich auf ihn." Der Römer hätte es besser dem Polen gleichgetan. Kubica hielt pflichtbewusst an.

BMW feierte doppelt

BMW konnte am Ende des Rennens zwei Mal feiern. Einmal wegen der erlösenden Kunde aus dem Krankenhaus, dann wegen dem zweiten Platz von Nick Heidfeld. Der Mönchengladbacher fuhr wie Hamilton ein Rennen ohne Fehler. "Das befriedigende ist, dass ich auch ohne die SafetyCar-Phasen Zweiter geworden wäre. Ich hatte die Ferrari im Griff, und auch Alonso hatte nie eine Chance mich anzugreifen." BMW hat in Montreal gezeigt, dass man auch in Indianapolis mit den weißblauen Autos rechnen kann. Auf Strecken für mittleren Anpressdruck ist der BMW den Ferrari offenbar ebenbürtig.

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