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Reparatur

Designschutz als Kostentreiber

Foto: dpa

Unfallreparaturen bei Autos könnten künftig teurer werden. Denn möglicherweise verbietet bald ein neues Gesetz, einen verbeulten Kotflügel gegen ein nachgebautes Neuteil aus dem Zubehörladen auszutauschen.

16.12.2003

Vielmehr müssten solche Teile direkt beim jeweiligen Autohersteller gekauft werden, die das äußere Design des Modells mitbestimmen - zu den entsprechenden Preisen. Dies gilt für Blechteile ebenso wie für Stoßfänger oder auch Scheinwerfer.

Dahinter steckt ein Gesetz mit einem wenig einprägsamen Namen: das Geschmacksmusterreformgesetz. Es ist zwar noch nicht geltendes Recht, soll es aber bald werden. "Wir gehen davon aus, dass es im Jahr 2004 verabschiedet wird", sagt Thomas Kobudzinski, Sprecher des Gesamtverbandes Autoteile-Handel (GVA) in Ratingen bei Düsseldorf. Hinter dem Gesetz stecke der Wunsch der Autohersteller, die von ihnen entworfenen Formen so gut wie möglich vor Nachahmern zu schützen.

Laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt/Main ist anspruchsvolles Design neben den modernen Technologien ein Grund für den internationalen Erfolg der deutschen Marken. Außerdem würden für das Design hohe Forschungs- und Entwicklungskosten fällig. Der Nachbau solcher Teile mache es schwerer, diese Kosten wieder herein zu bekommen.

Bei Reparaturen wird es teurer

"In einem Punkt können wir den Wunsch nach einem Designschutz nachvollziehen", sagt Ulrich Dilchert, Geschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn: "Es ist durchaus verständlich, dass ein Hersteller nicht will, dass ein anderer sein Design einfach übernimmt." Gestritten wird aber noch um die so genannte Reparaturklausel. Dabei geht es um die Frage, ob der Designschutz auch für die Reparaturteile gilt. Die Klausel würde besagen, dass solche Teile dann von Zulieferern stammen können. In anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Spanien, Italien oder den Niederlanden ist das der Fall, heißt es beim GVA.

Gibt es keine Reparaturklausel, besteht laut dem ADAC in München die Möglichkeit, dass Reparaturteile teurer werden, weil es sie eben nur vom Autohersteller gibt. "Mit einem Zubehörteil, das in der Qualität dem Original gleicht, lassen sich 30 bis 40 Prozent sparen", erklärt GVA-Sprecher Kobudzinski. Wer zum Beispiel ein älteres Auto mit neuen Blechteilen ausbessern will, kann aber noch mehr sparen, wenn er nicht Wert auf allerhöchste Qualität legt: "Bei Teilen von geringerer Qualität liegt die Ersparnis bei 60 bis 70 Prozent." Qualität bezieht sich bei Blechteilen unter anderem auf die Grundierung und die Passgenauigkeit.

Der VDA weist auf "Teile-Piraterie" hin - also darauf, dass entsprechende Teile oftmals nicht die Qualitätsstandards der Originalteile erfüllen. "Mit Produktionspiraterie hat das in diesem Fall aber überhaupt nichts zu tun", sagt hingegen ADAC-Jurist Ulrich May. Es handele sich um absolut legale Nachbauten.

Prinzipiell ist laut May ein Schutz des Designs schon jetzt möglich. Wegen unklarer Gesetzeslage sei aber erst wenig geschehen - mit Ausnahmen: Laut dem GVA erhielten im Juli 2003 zwei Großhändler einstweilige Verfügungen von Opel. Darin wurde der Vertrieb von Ersatzteilen für Scheinwerfer und Außenspiegel des Vectra untersagt.

Zur Reparatur ins Ausland

Mit dem neuen Gesetz ohne Reparaturklausel würde es nicht bei solchen Ausnahmen bleiben, schätzt ADAC-Jurist Ulrich May: "Bei einer gesicherten Rechtsgrundlage würden die Hersteller davon wohl Gebrauch machen." Es geht auch um viel Geld: Laut dem GVA hat in Deutschland der Ersatzteilmarkt ein Volumen von zehn Milliarden Euro jährlich. Die Teile, um die es sich in diesem Fall dreht, nehmen demnach etwa ein Viertel dieses Marktes ein. Denn unter den möglichen Designschutz fallen alle Karosserieteile wie Kotflügel, Stoßfänger, Motorhauben, Scheinwerfer, Außenspiegel oder auch die Windschutzscheiben.

Wie es in Sachen Karosserie-Ersatzteile künftig tatsächlich aussieht, lässt sich nach Meinung der Experten derzeit noch nicht absehen: "Bis jetzt ist nicht zu erkennen, in welche Richtung es geht", sagt Ulrich Dilchert vom ZDK. Vielmehr gibt es zwischen Reparaturklausel oder Nicht-Reparaturklausel noch mögliche Kompromisse. Stichworte sind dabei laut May die "Vergütungslösung" oder die "Fristenlösung": Ein Zubehörhersteller zahlt dabei dem Autobauer Geld dafür, dass er Teile nachfertigen darf, oder die Austauschteile dürfen erst nach einer Frist nachgebaut werden.

Sollte es dazu kommen, dass es die Ersatzteile nur noch vom Autohersteller gibt, sind womöglich verbeulte Autos aus Deutschland häufiger in den Nachbarländern unterwegs. Denn dort gibt es teilweise Klauseln, die bei Reparaturen den Gebrauch nachgefertigter Teile erlauben. Gerade in grenznahen Gebieten könnte sich laut Thomas Kobudzinski von GVA ein solcher "Werkstatt-Tourismus" dann lohnen.

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