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Reportage Defender-Umbau

Schottlands schärfster Landy

Defender-Umbau 11 Bilder

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Auch wenn er dorthin will, wo andere nicht hinkommen. Hugh Paul sorgte einst als Spediteur dafür, dass Ausrüstung, Mensch und Material in ent­legenste Gegenden befördert werden konnten. Inzwischen hat der Schotte eine seiner Leidenschaften zur Berufung gemacht: Er baut Defender um und schafft Platz unterm Kiel.

05.02.2012 Torsten Seibt Powered by

Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Schildkröte und einem Defen­der? Ungefähr eine Handbreit. So viel Luft befindet sich üb­licherweise zwischen dem ­Differenzial eines Land Rover und dem Boden der Tatsachen. Nicht viel, wenn man wie Hugh „Hughie“  Balfour Paul gewohnt ist, Straßen eher zu meiden und doch unter allen Umständen zuverlässig ans Ziel zu ­gelangen. Das mit der einen Handbreit muss man ändern, so seine Überlegung. Grund dafür ist diese Vorgeschichte: Der Geländeprofi betrieb früher unter anderem eine Spe­dition besonderer Art, deren ­Name Programm war: „Take To The Hills“. Hugh Paul war der Problemlöser, wenn es darum ging, Ausrüstung, Mensch und Material in ent­legenste Gegenden zu befördern.

Unter allen Umständen ans Ziel

Zum Beispiel beim Bau von Funkmasten in den schottischen Highlands. Bei solchen Projekten zählt nur eines: ­auf jeden Fall ankommen, keine Zeit für Experimente. Die ­damalige Erfahrung – Hughie arbeitete mit speziellen, zwillingsbereiften Unimog – muss irgendwie auf sein heutiges Geschäft abgefärbt haben. Denn inzwischen baut er Land Rovers Ikone Defender so um, dass spürbar mehr Platz unter dem Kiel zur Verfügung steht. Das Geheimrezept ist nicht wirklich neu, denn Hughie verwendet Unimog-Portalachsen für seine Projekte.

Den Unterschied macht die Umsetzung: „Ich kann nicht billig. Wenn deine Kunden Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen sind, muss es funktionieren.“ Entsprechend aufwendig gerät der Umbau. Statt verlotterter Alt-Achsen vom Verwerter ­benutzt Hughie neue Ersatzteile aus Nato-Beständen. Das kostet, ist aber auch entsprechend feine Ware. Gleiches gilt für den Umbau. Die Achsen ­müssen gekürzt und neu ­verschweißt werden. Dafür braucht es dann wiederum neue Steckachsen, die Hughie bei einem Spezialbetrieb anfer­tigen lässt. „Du kannst dir die Teile auch aus China besorgen und für kleines Geld verhökern. Darf sich eben keiner wundern, wenn es sie zerlegt. Meine Interessen liegen da eher anders“ – das lassen wir mal so stehen.

Bei Bedarf auch mit Scheibenbremsen

Der fertige Umbau umfasst natürlich nicht nur zwei umgebratene Achsen. Eine Doppelgelenk-Kardanwelle gleicht den Höhenversatz aus, neue Dämpfer halten das Zusatzgewicht im Zaum – die Federung bleibt dagegen erhalten. Die originale Zuladung des Defender auch. Wer noch Geld übrig hat, kann sich die Unimog-Trommelbremsen auf das Land Rover-Scheibenbremssystem umbauen lassen – wobei wir zu der Ansicht ­neigen, dass die Unimog-Trommeln gelegentlich besser bremsen … Die Reifengröße ist verhandelbar: Man kann gleich die Mog-Bereifung fahren oder auch 40-Zoll-Reifen auf 20-Zoll-Rädern wie beim abgebildeten 110er-Pick-up. Der hohe Landy fährt sich ein wenig extravagant. Das liegt jetzt nicht nur am Ausblick wie auf einem Hochseekreuzer. Auch der sanft wiegende Gang passt eher zu einem Wasserfahrzeug. Immerhin: Die schweren Achsen halten den Schwerpunkt erträglich weit unten, mit Mut zur Neigung kann man schon ordentlich um die Ecke.

Allerdings ist dieser Defender ja für die Wege im Off gedacht. Entsprechend fährt Hughie damit: Ab in den Fluss, den er noch nie zuvor sah, Böschung runter, Böschung rauf, mittendurch. Der serienmäßige TDI-Motor unter der Haube quittiert es mit gelangweiltem Grunzen, der Untergrund scheint Nebensache. Wo man in einem Standard-Defender mit viel Krawall und mächtig Speed auf der allerletzten Rille durchrödeln könnte, stelzt der hohe 110er mit Seelenruhe drüber. Und wenn’s wirklich mal etwas ernster wird, helfen zwei ­Zusatzhebel. Klack, klack, und die beiden Achssperren sind verblockt.

Allerdings besteht Schottland nicht nur aus Geröll, Fels und Fluss. Zur Landschaft gehören sensible Hochmoore, Hügellandschaften mit spärlichem Bewuchs, verwunschene Wald­pfade. Da kommt man natürlich auch mit dem Unimog-Defender hin, allerdings nicht unsichtbar: Die Fahrspuren bleiben manchmal für Jahre in den Untergrund gemeißelt.

Für solche Fälle hat Hughie Plan B: Raupen-Laufwerke. Lediglich eine Zusatzleitung an der ­Servopumpe ist nötig, mit der bei Lenkbewegungen die Vorderseite der Front-Raupen ­angehoben wird. Ansonsten beschränkt sich die Montage auf wenig mehr Aufwand als für einen Reifenwechsel – aufbocken, umschrauben, fertig. Genauso schnell steht der ­Defender auch wieder auf normalen ­Rädern. „Ein Sprung aus dem Wagen macht mehr Flurschaden als das ganze ­Auto!“, versichert Hughie und hämmert mit dem bemerkenswerten Getöse der Laufwerke davon. 80 Sachen sind locker drin, für diese Dauerbelastung sind sie auch gebaut. Und das Straßenfahrverhalten? Na ja, ein wenig schwammig schon. Doch bremsen, lenken, fahren ist auf den Gummi­ketten so problemlos wie mit ganz normalen Reifen. Nur der Vortrieb im Gelände – der ist durch den geringen Bodendruck und die riesige Auflage­fläche wirklich atemberaubend.

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