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Unimog-Oldtimer im Einsatz

Der Herr der Unimog

Unimog 11 Bilder

Heinrich Brimmers lebt seinen Traum – er hat eine Familie, eine eigene Gärtnerei und eine Schwäche für alte Unimog. Für ihn ist eine Fahrt über die Felder im offenen Unimog-Oldtimer 401 von 1954 wie eine Reise in die Vergangenheit. Für Brimmers gibt es nichts Schöneres.

06.07.2015 Powered by

Unimog at work

Der Hof liegt mitten in Salatfeldern – nördlich von Straelen, nur einen Steinwurf von der holländischen Grenze entfernt. Ein holpriger Sandweg schlängelt sich durch das frische Grün zu der großen Einfahrt, dem L-förmigen Einfamilienhaus und der Garagenhalle. Hinter den Gebäuden eine Hundehütte, Kaninchenkäfige, ein Saunahäuschen und ein kleiner Pool. Alles ist picobello aufgeräumt. Dies ist das Revier von Heinrich Brimmers.

Er ist Salatgärtner, hat den Hof von seinem Vater übernommen. Heinrich lebt hier mit seiner Frau und den drei Söhnen. Und in der Erntezeit wohnen hier auch noch einige polnische Arbeiter. Heinrich hat ihnen ein Extra-Haus auf das Gehöft gestellt. „Es sind jedes Jahr dieselben Leute“, sagt er. Heinrich mag es beständig. Der 44-jährige ist kein Mann großer Reden, eher wortkarg. Er sitzt auf seinem 54er Oldtimer, lacht und wirkt dabei ausgesprochen bescheiden. Erstaunlich – immerhin beliefert er große Konzerne wie McDonald’s, Metro und Bonduelle mit seinem Salat. „Und die haben strenge Lieferpläne“, meint Brimmers. „Die interessieren sich nicht dafür, ob der Salat wegen der aktuellen Witterung nicht so schnell wächst oder man gerade bis zu den Knien im Matsch versinkt.“ Deshalb hat Heinrich neben den Gastarbeitern ein paar ganz besonders zuverlässige Helfer in seinen Diensten: Unimog. Die Begeisterung für das Universal-Motorgerät wurde dem Gärtner in die Wiege gelegt.

Schon als Kind hat er mit seinem Vater im Unimog das Gemüse zur Sammelstelle und auf den Markt nach Straelen gefahren. Mit 18 Jahren wagte er sich erstmals selbst an Restaurierungsarbeiten. Seither lässt ihn die Faszination Unimog nicht mehr los. Und so wuchs der Nutzfahrzeug-Fuhrpark auf dem Hof immer weiter. Die Geräte kaufte Heinrich meist von Kommunen. Die stoßen oft gut gepflegte Exemplare mit wenig Kilometerleistung günstig ab. Manchmal allerdings mit Salzschäden oder als Unfallwagen. Der 406 A von 1971 fand den Weg nach Straelen in einem desolaten Zustand. Ein Gemeindearbeiter und Unimog-Neuling hatte die Kraft des Arbeitstiers unterschätzt. Zu viel Gas ließ den relativ leichten Wagen mit dem hohen Schwerpunkt sofort hinten ausbrechen. Die Fuhre schlug gegen einen Baum und legte sich auf die Seite. Glücklicherweise kam der Fahrer unverletzt davon, der Unimog hingegen war ein Pflegefall. Genau das Richtige für Heinrich.

Ladefläche als Ballastgewicht

Er lächelt: „Die stabile Seitenlage ist bei meinem 406 ein für alle Mal Vergangenheit. Wir haben dem Wagen nach der Reparatur eine anderthalb Tonnen schwere Stahlplatte als Ladefläche verpasst. Jetzt liegt er wie ein Brett auf der Straße, und Rost ist dadurch auch kein Thema mehr.“ Brimmers’ fahrbereiter Fuhrpark umfasst mittlerweile sieben der unverwüstlichen Arbeitspferde. Angefangen beim kleinen grünen 401er, Jahrgang 1954 – mit dem der Sammler auch zu Oldtimertreffen fährt –, bis hin zum fünfeinhalb Tonnen schweren Typ 437 U2100 von 1993.

Alle Modelle hat er eigenhändig in Topzustand gebracht, sie für den täglichen Einsatz blau lackiert. Seine Lieblinge sind die 406er aus den siebziger Jahren. Wenn Heinrich über sie spricht, gerät er ins Schwärmen: „Das Getriebe, der Motor, die Kraftentfaltung – man sitzt ja fast drauf. Direkter kann man eine Maschine nicht spüren.“ Die Dreieinhalbtonner leisten zwar nur etwa 60 PS bei 2500 Umdrehungen, sind aber bärenstarke Schlepper und verkraften locker mehr als drei Tonnen Zuladung. „Reiselimousinen sind das natürlich nicht. Man muss schon ordentlich einstecken können.“

Etwas anderes als ein Unimog käme Heinrich aber sowieso nicht auf den Hof: „Die Maschinen sind robust wie bei keinem anderen Ackerschlepper, dazu sogar weniger reparaturanfällig – und miteinander absolut kompatibel. Wir haben zum Beispiel die 417er-Maschine in den 406er mit der Spritze gebaut. Und das ganz ohne Probleme.“ Und so rentieren sich die aufwendigen Restaurierungsarbeiten schnell im täglichen Gärtnereibetrieb. „Ich muss allerdings zugeben, dass sich die Anschaffung nur lohnt, weil ich die Wagen mit grünem Nummernschild fahre und alle Reparaturarbeiten ausnahmslos selbst ausführen kann.“

Das Schrauben bedeutet für Heinrich Entspannung und Abstand vom Tagesgeschäft. Lebensmittelpunkt bleiben bei aller Begeisterung aber die Söhne und seine Frau. Die ist sogar stolz auf das Hobby ihres Mannes. Schließlich verbindet es ja Nützliches mit dem Spaßigen. In einer Gärtnerei fallen ständig Transportarbeiten an, „da habe ich lieber einen Wagen zu viel als zu wenig“, meint Heinrich. Weil die Fahrzeuge auf dem Feld nicht Tausende von Kilometern zurücklegen – der Spritzenwagen wird zum Beispiel nur einmal in der Woche eingesetzt –, ist ihr Zustand auch langfristig gesichert. Den Hauptteil der schweren Zugarbeit übernimmt der große 2100. Der hat 160 PS und mehr als einen halben Meter Bodenfreiheit.

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