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Mit einer Million Dollar in Las Vegas

Zocker sucht Auto, Preis nebensächlich

Las Vegas, Videowand, Lichtwerbung Foto: Dino Eisele 24 Bilder

Nicht immer gewinnen in Las Vegas die Casinos. Doch wer sie um eine Million Dollar erleichtert, hat in der Umgebung viele Chancen, den Gewinn mit ausgefallenen Autos zu verjubeln. Redakteur René Olma begab sich auf den Selbstversuch in die Staaten.

18.03.2013 René Olma

Black Jack! Ungläubig starre ich auf Bube und Pik-Ass vor mir. Croupier Ana bleibt cool und zählt den Gewinn ab. Für sie ist das Routine, für mich nicht. Nicht nur, weil neun Stunden Zeitverschiebung und Jetlag die Sinne benebeln. In "The Mint", einer Art Premium-Spielbereich abseits der hektischen Automaten im Casino-Hotel Palms in Las Vegas, geht jedes Zeitgefühl verloren. Ist es Tag oder Nacht? Die Realität bleibt konsequent ausgesperrt. Schließlich sollen die Besucher ihr Geld hier lassen.

Wo käme sonst die Kohle für die atemberaubend größenwahnsinnige Architektur der Stadt her? Nun, heute zumindest nicht von mir, trotz mangelnder Erfahrung und spielerischer Fähigkeiten. 100 Dollar Einsatz zum Zocken habe ich mir auf diesem Trip zugestanden, vor mir türmt sich bereits ein Vielfaches. Wie viel mag das sein? Ich staple Türmchen, erst da geht mir auf: Die gelben und braunen Chips sind zusammen eine Million Dollar wert. Mir wird schwindelig.

Aber keine Sorge - rund um Las Vegas gibt es viele Menschen, die sich sehr gerne um Neureiche mit einer Menge Cash in der Tasche kümmern.

Automobile Verlockungen am Straßenrand von Las Vegas

Schon nordwestlich des Strips mutiert das Spieler-Eldorado zu einer typischen US-Stadt. Auf Reklametafeln preisen Anwälte, Schönheitschirurgen und Waffenhändler ihre Angebote. Pfandleiher locken mit Bargeld ohne lästige Fragen. Und dazwischen wehen unübersehbar die Flaggen der Autohändler. Aus dem Augenwinkel erspähe ich - vermeintlich wieder bei Sinnen - einen giftgrünen Jeep Wrangler. Er steht vor Towbin Prestige, einem der schillerndsten Vertreter seiner Zunft in Las Vegas im Bundesstaat Nevada. Typisch amerikanisch, hat sich Josh Towbin, der Sohn des Gründers, zum King of Cars ausgerufen. Sogar eine eigene Fernsehshow hat der extrovertierte Car-Dealer. Gleich mehrere Läden unterhält das Familienunternehmen, Prestige Cars ist nur ein Teil davon. Hier gibt es Modelle von Jeep, Dodge und Chrysler, aber nicht nur im Serientrimm, wie der grüne Wrangler in der Einfahrt demonstriert.

Finanzierung? Nein, danke! Bezahlt wird in bar

Lange bleibt man hier nicht unbehelligt. Aussteigen, Jeep anschauen, schon steht Kody Simons neben mir. Der Mann mit der Schiebermütze wittert ein Geschäft: "Tolles Auto, oder? 47.625 Dollar inklusive aller Umbauten, eine Finanzierung ist kein Problem." Beeindruckend steht der höhergelegte Wrangler vor mir. Ein massiver Ausleger an der Front soll verhindern, dass der Jeep im steilen Gelände nach vorn kippt. Hier mitten in der Wüste um Las Vegas gibt es für Käufer sogar reichlich Gelegenheit, seine Fähigkeiten zu testen, doch daheim in Stuttgart?

Ein paar Meter weiter ragt ein automobiles Monument in den Himmel von Las Vegas - ein Chevy-Pickup, ein Ex-Showcar der örtlichen Tuning-Messe Sema. "Da sind für 100.000 Dollar Tuningteile verbaut worden." Gern würde ich den 6,6-Liter-Sechszylinder-Diesel sehen, doch wenn ich mich auf die Zehenspitzen stelle, kann ich gerade so über den Rand der Motorhaube blinzeln. Praktisch: Öffnet man die Türen, klappt mit einem lauten "Klonk" ein Trittbrett aus. So gelangen auch weniger talentierte Bergsteiger ins Cockpit. Bei der Vorstellung, dieses Monster in der heimischen Einfahrt abzustellen, muss ich grinsen.

Kody gibt jedoch zu bedenken, dass die Übersichtlichkeit des Trumms schon auf amerikanischen Straßen das Rangieren nicht ganz einfach macht. Der ist wohl eher nix als Mitbringsel. Schade, für knapp 50.000 Euro wäre er recht günstig. Doch ehrlich: Mit einer Million Dollar sollte ich vielleicht Ausschau nach exklusiveren Fahrzeugen halten, nach echten Traumobjekten. Wenige Meilen weiter verlasse ich die Interstate 15 an der Ausfahrt Speedway. Hier hat eine legendäre Sportwagen-Schmiede der Staaten ihr Hauptquartier bei Las Vegas: Shelby.

Filmautos zum Mitnehmen

Im schmucklosen Zweckbau erwartet den Besucher das werkseigene Museum. Doch nicht alle Muscle Cars sind nur zum Anschauen. Gary Patterson, der stellvertretende Geschäftsführer, zeigt mir einige Vorführmodelle. Ein rotes GT 350 Cabrio von 2012 mit rund 6.800 Meilen gibt es für 100.000 Dollar. "We accept cash", erklärt der Verkäufer. Doch der silbergraue GT 500 Super Snake trifft eher meinen Geschmack. Baujahr 2011, mit 750 statt wie beim Nachfolgemodell 850 PS aus dem 5,4-Liter-V8. Stilistisch erinnert der stärkste und 100.000 Dollar teure Shelby an Eleanor.

Bei Eleanor klingelt es nicht gleich? Dann haben Sie "Nur noch 60 Sekunden" mit Nicolas Cage nicht gesehen. Da spielt ein 1967 Ford Mustang Fastback gleichen Namens eine tragende Rolle. Und wie der Zufall so spielt, ist das Filmauto in der Stadt. Im Hotel "The Quad" in Las Vegas verlasse ich den Aufzug zu den Garagen in der fünften Etage und stehe im Paradies für Autofreaks, genauer in "The Auto Collections", einer Mischung aus Museum und Showroom. Die meisten der rund 250 Autos hier stehen zum Verkauf. Aber schon auf den ersten Metern wird klar: Mit einer Million Dollar kommt man nicht weit.

Mit Lachgas kitzelte Cage Extra-Power raus

In der letzten Halle parkt Eleanor, das Original. Na ja, zumindest eines von elf extra für Hollywood aufgebauten Exemplaren. Vier davon überlebten den Dreh nicht. Hier steht Nummer neun. Wie die Schautafel erklärt, war es just dieses Coupé, das Nicolas Cage im Film die meiste Zeit selbst bewegte. Da erscheinen 375.000 Dollar wie ein Schnäppchen. Was der TÜV wohl zur Lachgaseinspritzung sagen würde?

Nur ein müdes Lächeln hätten die amtlich bestellten Sachverständigen wohl für den Porsche 550 Spyder übrig. Der 75.000 Dollar teure Zweisitzer ist kein Original, sondern eine Replica aus dem Jahr 1985, ein H-Kennzeichen kann man sich da abschminken. Da doch lieber zum gleichen Preis die weiße Corvette Baujahr 1962 der ersten Generation mitnehmen, die für mich immer noch die schönste ist. Die Verlockungen für Autofans sind in Las Vegas auf jeden Fall unerschöpflich.

Nicht zu viel ins Auto investieren

Etwas Moderneres als die Klassiker wäre aber nicht schlecht, und ich finde es am West Sahara Drive, wieder bei Towbin, in Form seines Geschäfts für gehobene Ansprüche: Aston Martin, Bentley und Rolls-Royce. Gut, ein Rolls muss es nicht sein, aber der schwarze V8 Vantage wirkt sehr verlockend. 136.445 Dollar soll er kosten. Für Rony Mansour, General Manager und Schwiegersohn des Firmengründers, sind unerwartet zu Wohlstand gekommene Kunden in Las Vegas nichts Ungewöhnliches: "Ich rate aber, nicht alles in Autos zu investieren. Es muss ja später auch zur Umgebung passen." Mehr als 150,000 Dollar, so sein Tipp, sollte ich für einen Traumwagen nicht investieren. Klingt vernünftig.

"Möchten Sie setzen?" Verwirrt schrecke ich hoch. Ana meint mich. Ich sitze immer noch beim Black Jack, aber vor mir türmen sich keine braunen und gelben Chips. Der Tisch ist vollkommen leer. War ich eingeschlafen? Alles nur ein Traum? Wohl schon, aber immerhin ein abgefahrener.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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