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Reportage Rent a Wreck

Klapperkiste zu vermieten, Interesse?

Rent a Wreck Foto: press-inform 27 Bilder

Als Dave Schwartz seine Gebrauchtwagen nicht mehr vernünftig unter die Leute bekam, sattelte er kurzerhand um. Unter dem Namen "Rent a Wreck" vermietet der Senior seit über 40 Jahren gebrauchte Klapperkisten. Der Erfolg ist gigantisch.

11.12.2009

Auf so eine verrückte Idee muss man erst einmal kommen. Vor exakt einem halben Jahrhundert eröffnete Dave Schwartz in Los Angeles seinen Gebrauchtwagenhandel "Bundy Autosale". Der Erfolg war dürftig, daran änderte auch der Namenswechsel in "Bundy very used cars" nichts. Die Klapperkisten auf dem wenig ansehnlichen Hof am Pico Boulevard standen sich unverändert die Reifen platt.

"Eine junge Studentin aus Harvard brauchte damals für zwei bis drei Monate ein Auto hier in L.A.", erinnert sich der fast 80-Jährige, "obwohl ich ihr abriet, kaufte sie einen alten Conair - und blieb am nächsten Tag liegen." Sie tauschte den Wagen bei Schwartz in ein weniger anfälliges Auto um. Man einigte sich, diesen nach knapp drei Monaten wieder zurückzubringen. Dave Schwartz: "Als sie wieder zurückkam, war sie begeistert. Seither vermiete ich meine Gebrauchtwagen."

Der außergewöhnliche Name war Werbung genug

Doch Geld für Werbung und Marketing des ungewöhnlichen Geschäftsmodells fehlten. So kam Schwartz an einem sonnigen Samstagnachmittag auf die Idee, seiner Autovermietung den Namen "Rent a Wreck" zu geben. Mehr Spaß als Ernst pinselte er in überdimensionalen Lettern den entsprechenden Schriftzug an das Gebäude im Westen der Millionenstadt. "Am Montagmorgen stand CBS vor meinem Tor und wartete bereits auf mich. Die wollten eine Reportage über meinen Laden mit dem abgefahrenen Namen machen. Der Rest ist Geschichte."

Und was für eine. Denn Dave Schwartz betreibt seither unter dem Firmennamen "Rent a Wreck" eine der erfolgreichsten Autovermietungen in den USA. Über das ganze Land verteilt existieren Filialen. Sogar in Skandinavien gibt es Außenstellen. Die Zentrale von "Rent a Wreck" am Pico Boulevard ist besonders unansehnlich. Wer die normalen Autovermietungen mit ihren hell erleuchteten Firmenschildern wie Avis, Budget oder Hertz kennt, wird seinen Augen nicht trauen. Auf den ersten Blick sieht das eingezäunte Firmengelände aus wie ein Handel für Altautos. Das Büro ist heruntergekommen. Schwartz ist unrasiert, trägt ein altes Schlabber-Shirt und Turnschuhe: "Bei uns gibt es weder Anzüge noch Krawatten. Aber wir haben den besten Service."

Es sieht aus wie auf einem Autofriedhof

Wer hofft, bei Schwartz einen aktuellen Chevrolet Impala, einen Lincoln Towncar oder gar einen Luxus-Geländewagen ausleihen zu können, schaut in die Röhre. Hier ein verblichener Ford Mustang, da ein verrosteter Chevy, ein wenig ansehnlicher Kia Pride und ein Stück weiter ein in die Jahre gekommener Cadillac Eldorado. Es sieht aus, wie auf einem Autofriedhof. Besonders düster schaut ein blauer Buick drein, dessen Lack kaum mehr zu erkennen ist. Beim Oldsmobile nebenan hat sich das  Vinyldach schon vor Jahren aufgelöst. "Mein ältestes Mietauto ist ein Plymouth Vaillant Convertible aus dem Jahre 1965, erzählt Dave gewohnt kurz angebunden, "aber da sind noch eine ganze Reihe anderer alter Autos. Wir haben aber auch neue."

Stimmt - zumindest mit Einschränkungen. Vor dem Büro stehen eine Handvoll aktueller Kia Spectra; daneben ein paar Hyundai Accent in weiß und silber. "Das sind wirklich tolle Autos", berichtet Schwartz begeistert, "da ist nichts dran. Die fahren klasse und sind nie kaputt. Tolles Fahrwerk, tolle Bremsen." Gerade steigt ein deutscher Student in einen der Spectras und versucht das mobile Navigationssystem in Gang zu bringen. Als das misslingt, springt einer der 15 Mitarbeiter von Rent an Wreck in den Wagen und hilft bereitwillig. Insgesamt vermietet Dave Schwartz allein in Los Angeles mehr als 500 Fahrzeuge, wie viele genau will er nicht sagen. Viele Kunden kommen einfach vorbei und mieten sich für ein paar Tage einen fahrbaren Untersatz zum Schnäppchenpreis.

Die wirklichen Schätze sind auch keine Schnäppchen

Online ist kaum etwas zu machen. "Machen wir meistens am Telefon. Unsere Autos kosten im Vergleich zu den normalen Vermietungen rund die Hälfte", lächelt Schwartz während er sein Asia-Essen am unaufgeräumten Schreibtisch futtert. Hinter ihm stapeln sich in alten Kartons die Mietkontrakte der letzten Jahre. Ein Großteil seines Geschäfts machen die Filmstudios in Hollywood aus. "Die meisten der Hollywood-Stars haben schon bei mir gemietet", erzählt er desinteressiert, "und es dürfte wohl kaum einen Werbespot geben, in dem nicht irgendwelche Autos von mir mitfahren." Die wirklichen Schätze sind im Übrigen auch bei "Rent a Wreck" nicht für Schnäppchenpreise zu haben. Da sind schon einmal ein paar Hunderter fällig.

Als Dave Schwartz durch seine Büroräume schlurft, um einen seinen Mitarbeiter zu holen, stolpert er fast über eine seiner beiden Katzen. Die zweite liegt auf dem abgedeckten Billardtisch. Trotz seiner fast 80 Jahre und mehr als 60 Jahren im Geschäft denkt Schwartz nicht ans Aufhören - obwohl er es seit langer Zeit könnte. "Warum soll ich aufhören? Mein Vater ist erst vor kurzem gestorben. Er war über 100 Jahre alt und jeden Tag im Büro." Ein eigenes Auto haben Schwartz und seine junge deutsche Frau aus der Nähe von Frankfurt übrigens nicht. Geht es Richtung Venice Beach nach Hause oder zum Einkaufen, nimmt sich jeder einfach einen der unzähligen Rostbeulen auf dem Hof. "Bei mir läuft jeder Wagen wie eine eins. Auch wenn die Wagen nicht so aussehen. Ich kann mich in den letzten Jahren an keinen technischen Mangel erinnern." Und wer stört sich bei "Rent a Wreck" schon an abgeplatzten Lack, Rostbeulen und stumpfen Lackierungen?

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