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Restaurierung Audi 80 GTE

Rostbeseitigung mal anders

Restaurierung Audi 80 GTE Foto: fact 12 Bilder

Nur ein Stück Blech mit der Fahrgestellnummer ist übrig geblieben. Jens Gauding baute seinen Audi 80 GTE mit einer Tauschkarosserie neu auf. Dabei machten ihm vor allem Ersatzteilprobleme zu schaffen.

03.11.2011 Bernd Woytal Powered by

"Ursprünglich wollte ich Kunst studieren", gesteht Jens Gauding. Doch dann kam alles anders. Er war noch Schüler, als er in Erinnerung an das frühere Familienauto dem Charme eines frisch lackierten VW Käfer erlag. Dieser nach seiner Aussage "tierische Reinfall" erwies sich als prägend. Unter der glänzenden Lackschicht verbargen sich drastische Rostschäden, und es stellte sich die Grundsatzfrage: Das Auto reparieren oder abschreiben? Doch der junge Mann aus Beverungen in Nordrhein-Westfalen hatte das Glück, einen erfahrenen Kraftfahrzeugmechaniker als Onkel zu haben, und mit dessen Hilfe machte er sich an die Wiederbelebung des maroden Käfers.

Nach Käfer und anderen VW kam der erste Audi

Dieser unfreiwillig enge Kontakt zum Auto bereitete Jens so viel Freude, dass er seine Zukunftsplanung neu überdachte: Er lernte Kraftfahrzeugmechaniker und studierte später Maschinenbau mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik. Bei der Wahl seiner Fahrzeuge blieb er zunächst der Marke Volkswagen treu. Mit einem Audi 80 GL, den er während eines Praxissemesters beim TÜV in Köln ergatterte, wechselte er ins Audi-Lager und stieg gleichzeitig in die entsprechende Club-Szene ein. Schon bald stand ein neuer Wagen auf seinem Wunschzettel: ein Audi 80 GTE in der Urversion, der schon damals, in den 90er Jahren, zu den absoluten Raritäten zählte.

Der regelmäßige Blick in die Anzeigen der Oldtimer-Zeitschriften wurde zur Routine, als dann plötzlich ein Audi 80 GTE im nahen Hannover angeboten wurde, machte sich Jens sofort auf den Weg. Wie erwartet erwies sich das angebotene Objekt nicht gerade als ein Brüller: der in Rot und Schwarz umlackierte Audi war nicht mehr ganz komplett, hatte viele Vorbesitzer und stand schon längere Zeit still. Der Motor drehte noch durch, die Karosse wies drastische Rostschäden auf. "Doch für 600 Mark kam ich so in den Besitz einiger rarer Teile", rechtfertigt Jens den Kauf.

Zu diesem Zeitpunkt studierte er noch. Er besaß also kaum Geld und auch wenig Zeit, weil das Diplomsemester begonnen hatte. So holte er den nicht fahrbereiten Audi 80 GTE erst einmal mit einem Hänger nach Hause und stellte ihn in einem ehemaligen Stall eines Gutshofs ab. Hier hatte er sich zusammen mit einem Kumpel aus Sandkastentagen eine geräumige Hobby-Werkstatt eingerichtet.

Zum maroden Audi 80 GTE kam eine gute Karosserie

Mehr als ein Jahr stand der Audi 80 GTE dort unberührt in der Ecke, bis Jens durch Zufall auf ein Inserat stieß, in dem eine nackte Audi-80-Karosserie zum Verkauf angeboten wurde. Das klang interessant. Der Verkäufer hatte sich einen Audi 80 GL gekauft, ihn total zerlegt und wollte die Karosserie für den Rallye-Einsatz präparieren. Doch das Projekt scheiterte, nur angedeutete Kotflügelverbreiterungen zeugten vom Traum des Besitzers, der nun alle Technik- und Blechteile separat verkaufte.

Jens zögerte nicht und griff zu. Die erworbene Karosse ohne Kotflügel, aber mit Hauben und Türen erwies sich als außergewöhnlich gut erhalten. Später fand Jens heraus, dass sie nur zwei Tage vor seiner GTE-Karosse entstanden war - er plante, sie als Austauschkarosse zu nutzen. Jedoch wollte er unbedingt die alte Fahrgestellnummer seines Audi 80 GTE behalten, was ihm auch gelang. Mit einem Schlag war das Rostproblem vom Tisch, Jens nahm endlich die Restaurierung seines Audi 80 GTE in Angriff.

Er zerlegte den Audi 80 GTE komplett und machte sich dann an die Aufarbeitung der Tauschkarosse. Weil der Vorbesitzer die Radläufe aufgebogen hatte, ersetzte er sie durch Reparaturbleche. Dann musste er die GL-Karosse noch GTE-tauglich machen, sprich, einige Teile von der alten GTE-Karosse übernehmen. Im Detail waren das Halter beziehungsweise Aufnahmen für die elektrische Benzinpumpe im Bereich des Tanks sowie für den Kraftstofffilter, für den Bremskraftregler und im Motorraum für den Mengenteiler.

Miserable Ersatzteillage machte dem Audi-Restaurierer zu schaffen

Diese Teile trennte er heraus und schweißte sie an die Tauschkarosse. Der Audi 80 GTE war zwar beim Kauf in Rot und Schwarz lackiert, doch im Motorraum war noch die Originallackierung vorhanden: Signalgrün. Und genau so ließ Jens die Tauschkarosse lackieren. Der GTE-Verkäufer hatte noch einen zweiten Satz Sitze mitgeliefert, dabei handelte es sich um Recaro-Sportsitze mit schwarzweißen Pepitabezügen, die Jens besser gefielen, auch wenn sie sich in keinem guten Zustand befanden. Doch ein Sattler schaffte es, das Gestühl wieder aufzuarbeiten. Erst später bemerkte Jens, dass diese Sitze Bestandteil des Rallyepakets für den 80 GT waren und sich deshalb minimal von den GTE-Sitzen unterscheiden. Doch das lässt sich verkraften.

Nun machte sich Jens daran, die Karosse des Audi 80 GTE wieder zu vervollständigen - alles in Eigenregie. "Bei Dingen wie etwa der Montage des Dachhimmels brauchte man dann schon mal eine bis anderthalb Wochen, weil man diese Handgriffe nicht jeden Tag macht", erinnert sich Jens. Er montierte Dämmmaterial, die Elektrik, das Interieur und das "überholte Fahrwerk mit neuen Domlagern, Stoßdämpfern Radlagern und Bremsen. Motor und Getriebe baute er erst einmal im Urzustand ein, in der Hoffnung, dass beide Bauteile funktionieren, was dann auch zu seiner Freude der Fall war. Jens wollte endlich mit dem Auto fahren, nachdem sich die Arbeiten schon über Jahre hinzogen.

Grund dafür war die miserable Ersatzteillage für den seltenen Audi 80 GTE. Ständig jagte er hinter Teilen her oder musste improvisieren: Der Knopf mit den Audi-Ringen im Lenkrad stammt von einem DKW, die Audi-Ringe mit Chromleiste am Kühlergrill sind eine modifizierte Version für die Audi 80-Modelle mit Einfach-Scheinwerfer, der Mittelschalldämpfer des Auspuffs ist ein abgeändertes Teil vom Nachfolge-Modell, die seitlichen Zierstreifen fertigte eine Werbeagentur.

Schriftzug aus Epoxidharz

Kurz vor unserem Fototermin konnte Jens noch eine neue Vorderstoßstange beim VW Classic Parts Center erwischen. Schon lange nicht mehr lieferbar und sehr gesucht ist der Schriftzug des Audi 80 GTE. Jens lieh sich das Teil von einem Clubkollegen und machte davon Abdrücke mit Silikonkautschuk. Dann goss er den Schriftzug in Polyesterharz nach, doch der Werkstoff wurde spröde und erwies sich als nicht wetterfest. Die zweite Auflage erfolgte daher in Epoxydharz. Das Teil besteht zwar nicht aus Alu, wie das Original, aber dennoch wurde es ein Schmuckstück.

Jens hat noch viel Arbeit vor sich. Der Motor des Audi 80 GTE läuft zwar, aber schon aus optischen Gründen wird er nicht so bleiben. Auch die Jagd nach Teilen wie einem Tank oder den Türverkleidungen geht weiter. Genau genommen ist Jens doch ein Künstler geworden, einer der es versteht, Teile zu organisieren oder nachzufertigen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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