Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Restaurierung

Auto Union 1000 SP Roadster - Weisse Liebe

Foto: Götz von Sternenfels 22 Bilder

Kann das, was einmal war, auf ewig halten? Natürlich nicht. Deswegen restaurierte Bernd Pohlmann den Traumwagen, den er schon als Student fuhr.

13.04.2007 Thomas Wirth Powered by

Niemand, wirklich niemand wollte sie damals haben, die stinkenden, rauchenden, längst schwächelnden Zweitakter von DKW. Anfang der siebziger Jahre gewährte ihnen kaum einer seiner Besitzer freiwillig Gnade: Wer einen fuhr, der hatte meist keine Wahl.

Der DKW passte perfekt ins Studentenbudget

Kaum ein Auto kam billiger im Unterhalt. Selbst einst systemtreue Zweitaktfans hatten sich längst umorientiert, nachdem Audi ab 1965 die Nachfolge des immer glückloseren Zweitakt-Pioniers DKW angetreten hatte. Und während immer mehr Audi-Modelle auf den Straßen fuhren, rollten die DKW umso schneller ins Abseits.

"Für 30 Mark gab es bereits einen 1000 S", erinnert sich Bernd Pohlmann, damals Maschinenbaustudent in Hannover. Das passte gut ins schmale Budget. Und so gab es Zeiten, in denen Pohlmann bis zu sieben DKW gleichzeitig besaß. Schon sein Vater hatte auf die Marke geschworen: Ende der fünfziger Jahre kam er mit einer billigst erstandenen Vorkriegs-Reichsklasse nach Hause. Es war das erste Auto der Familie.

Doch seine Zweitakt-Armada, trotz der einstigen Topmodelle 1000 S, die sich darunter befanden, bot ihm nur begrenzten Genuss. Für wahren Fahrspaß, so war sich Bernd Pohlmann sicher, könnte allein ein 1000 SP Roadster sorgen.

Neuwagen als Geldvernichter

Mit diesem Typ hatte DKW zwischen 1961 und 1965 versucht, der exaltierten amerikanischen Karosseriemode zu folgen und sie auf ein der eigenen Technik angemessenes Maß zu stutzen. Ergebnis war ein DKW, der sich auf Ford Thunderbird geschminkt hatte, aber statt mit sattem V8-Slang in heiserem Zweitakt-Dialekt bellte.

Und teuer war er, wie sich Bernd Pohlmann erinnert. Denn als der 1000 Sp in den Schauräumen stand, überstiegen die geforderten 10.750 Mark sogar den Preis eines Opel Kapitän – einer Limousine der Oberklasse mit doppelter Zylinderzahl.

So entschieden sich nur 1.640 Kunden für den zweitaktenden Roadster, und immerhin 5.040 wählten das Coupé. Sie alle verloren schnell viel Geld. Bernd Pohlmanns Geschichte beweist es: 1971 griff er zu, als er einen 1000 SP Roadster entdeckte. 1.100 Mark zahlte er, standesgemäß mit Taxifahren verdient, für den damals erst acht Jahre alten Wagen - ganze zehn Prozent des Kaufpreises. Hätte solcher Verfall Bestand, würde heute ein 1999er Audi TT Roadster 3.000 Euro kosten.

Statt verkaufen: Abwarten, bis die Zeit kommt

Pohlmann fuhr seinen 1000 SP, bis das Jahrzehnt zu Ende ging: Im Alltag und im Urlaub, er reparierte ihn und kaufte Ersatzteile, wenn er auf gute Quellen stieß. Am 13. Dezember 1979 meldete er ihn ab und schob ihn in eine Scheune. Verkaufen? Kein Gedanke daran. Es wäre vermutlich auch überaus schwer gewesen, einen Interessenten für das verlebte Cabrio zu finden. Doch irgendwann, so sein Gedanke, kommt seine Zeit wieder. Sie kam, doch es dauerte.

Heute ist Bernd Pohlmann 59 Jahre alt, Prüfingenieur und Gutachter im Kraftfahrzeugwesen. Und in seinem restaurierten 1000 SP unterwegs – "aber nur", sagt er, "wenn es nicht regnet." Rost hat er bei seinem Exemplar bereits genug gesehen. Pohlmanns einst üppige DKW-Flotte ist längst erheblich reduziert, er hat sie ausgeschlachtet, verschrottet, entsorgt. "Der Keller aber", so die Rückschau, "war stets voller Teile."

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
3D Felgenkonfigurator
Anzeige