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Restaurierung - BMW 2000 CS

Weiß-blaues Wunder

Foto: Sabine Hofmann 18 Bilder

Wir haben nicht viel erwartet, sagt Michael Ulbig heute, wenn er von der Tour im Januar 1999 berichtet. Mit zwei Bekannten war er damals von München nach Kist bei Würzburg gefahren. Sehnsüchtig erwartete sie dort bereits ein Antiquitätenhändler.

11.09.2007 Thomas Wirth Powered by

Der Mann hatte genug von seinem Auto, das er einst als Zugabe zu zwei barocken Wellenschränken erhalten hatte. Schon über ein Dutzend Jahre stand der Wagen. Nie war der Motor richtig gelaufen, und nur ab und zu hatten es örtliche BMW-Händler in ihren Schauraum gerollt - als Lockvogel bei Modellpräsentationen.

Ganz anders sah das Ulbig. Der Augenarzt und Professor an der Münchner Uniklinik war auf der Suche nach einem der frühen Coupés. Michael Ulbig mochte BMW schon als Kind. Sein Vater hatte 1964 einen 1800 gekauft, jene agile Limousine, mit der die Neue Klasse auf stolze 90 PS kam. "Als Bub habe ich dem Vater immer über die Schulter geschaut", so Ulbig, "ich wollte sehen, wenn die Nadel über 180 steht."

Er selbst fuhr später einen 2002, dann einen 320 und 323i. Ende der Achtziger orderte er bei seinem Händler einen Z1. Zwei Jahre hatte er auf den Roadster warten müssen, doch er besitzt ihn heute noch. "Irgendwann", so Ulbig, "haben mich dann neue Autos nicht mehr so fasziniert wie früher."

Zeit für etwas Neues: ein altes Auto

Da der Netzhaut-Spezialist kaum Schrauber-Erfahrung hatte, suchte er nach einem Wagen mit solider Substanz: "Ich wollte das Auto nicht völlig zerpflücken müssen."

Auf dem Weg nach Kist jedoch, damals im Januar 1999, glaubte er noch nicht an einen raschen Erfolg, auch wenn die Kleinanzeige das 1966er 2000 CS-Coupé als "wie neu" beschrieb - es war der erste Wagen, den er sich ansah. Doch es kam anders. Zwar kämpfte sich der Vierzylinder mehr durch die Takte als dass er lief, das Getriebe ließ sich kaum schalten, dazu schwamm der Wagen durch Kurven. Aber er schien original und komplett zu sein, mit gutem Chrom und Holz. Rund 88.000 Kilometer zeigte der Zähler und im Pappbrief standen nur zwei Vorbesitzer.

Sichtbarer Makel war allein ein schlampig hingebogenes linkes Seitenteil, wo ein Unfall seine Spuren hinterlassen hatte. Trotzdem griff Michael Ulbig, getrieben von Optimismus, kurzerhand zu.

In München leitete er die erste Runde des Projekts ein. Nach einer gründlichen Technikkur bei der BMW-Niederlassung stoppte der 2000 CS dank neuer Radbremszylinder und Druckschläuche wieder nach Wunsch, die Antriebswellen waren repariert, Vergaser und Zündung eingestellt, neue Michelin XAS montiert. Jetzt trug das Coupé ein H-Kennzeichen. Nur der Motor wollte nicht auf Touren kommen. Lustlos spuckte der Vierzylinder weiter vor sich hin.

Zahnschmerzen im Zylinderkopf

Ein befreundeter Schrauber demontierte den Zylinderkopf, Ulbig assistierte ihm. Sie fanden schnell eine Erklärung für das Formtief: Die Kette saß um einen Zahn versetzt, was die Steuerzeiten gehörig durcheinanderwirbelte. Im gleichen Zug erhielten die Ventile neue Schaftdichtungen, was das Bläuen beim Gaswegnehmen beendete.

Auch das Fahrwerk wurde überholt: Neue Gummis und Traggelenke nahmen das Spiel, dazu tauschte Ulbig vorne die Federbeine und hinten die Stoßdämpfer. Mit Glück trieb er zudem einen Satz Drehstabstabilisatoren auf, für die BMW damals 75 Mark extra nahm. Mit ihnen zirkelt das BMW Coupé wieder so überzeugend durch Kurven wie einst, als es für auto motor und sport das Referenzfahrwerk stellte. Bereits im Sommer 2000 gelang Ulbig eine Tour nach Sylt und zurück, pannenfrei.

Trockeneis gegen Lochfraß

Doch es blieb die Sorge um das Blech. Michael Ulbig startete diesen Teil seiner Rolling Restoration bei einem Trockeneisstrahler, der das Coupé vom spröden Unterbodenschutz befreite. Die offen gelegte Bilanz: Lochfraß in den Schwellerenden und im Fahrerfußraum, zum bekannten Unfallschaden addierte sich ein unbekannter im Bereich der Frontschürze. Ein gutes Stück Arbeit, aber kein Fass ohne Boden, weil sich berüchtigte Schwachstellen wie die Kastenträger unter den Kotflügeln zum Glück als unversehrt erwiesen.

Michael Ulbig entschied sich für eine Teillackierung. Neues chamonixweiß tragen heute nur die Schnauze und die linke Seite, zudem der Unterboden. Details wie die Zierleisten an den Türen sitzen wieder fein gerichtet, die Regenleisten an der Dachlinie sind dagegen neu. "Beim BMW-Händler kosten sie nur etwa die Hälfte dessen, was im Internet verlangt wird", sagt er.

Virtuelle Marktplätze waren dennoch eine wichtige Teilequelle. Zum Beispiel für Sitze aus Schlachtfahrzeugen, die das richtige dunkelblaue Velours tragen, aus dem ein Sattler die Bezüge des Fahrersitzes neu nähte.

"Schön, dass es im Zeitalter der Normung und Massenproduktion noch Dinge gibt, die den Charakter des Einmaligen in sich tragen", klopfte sich 1966 BMW im Prospekt auf die Schulter. Diesen Auftritt wollte Michael Ulbig bewahren: "Bis ins Detail sollte das Coupé ehrlich bleiben." Das ist ihm mit seinem chamonixweißen 2000 CS ohne Zweifel gelungen. Straff und direkt gibt sich der BMW, aber nie zu hart. Sondern wunderbar ausgewogen.

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