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Restaurierung BMW 3200 CS

Verhängnisvoller Spontankauf mit Happy-End

BMW 3200 CS, Werkstatt Foto: FACT 17 Bilder

Als Paul Häfeli vor einiger Zeit auf einen von Bertone eingekleideten BMW 3200 CS aufmerksam wurde, griff er sofort zu. Die Chance einen seltenen BMW 3200 CS zu fahren wollte er sich nicht entgehen lassen. Doch auf die Freude über den Kauf folgte schnell der Frust. Häfeli hatte einen Blender erworben. Ein Bericht über den langen Weg zum Traumwagen.


30.01.2012 Bernd Woytal Powered by

Aus einem Traum wird Wirklichkeit

Zwischen Traum und Wirklichkeit lagen mehrere Hunderttausend Schweizer Fränkli. Paul Häfeli aus Suhr westlich von Zürich hätte sich gerne einen BMW 507 gekauft, doch sein Bankkonto ließ diesen Gedanken wie einen Science Fiction-Roman erscheinen. Einst hatte der gelernte Automechaniker vorwiegend an Fahrzeugen der Marke BMW geschraubt. Danach leitete er ein BMW-Ersatzteillager. "Um 1989 hatte ich die Nase voll von Autos und wollte etwas Neues machen", erinnert sich Häfeli. So wechselte er ins Lager der Informatiker, einem Beruf, dem er bis heute die Treue hält. Doch irgendwann, im Jahr 2002, stieg in ihm der Wunsch nach einem Oldtimer auf – aus alter Verbundenheit und Überzeugung sollte es natürlich ein BMW werden. Statt eines 507 kam zunächst einmal eine Isetta ins Haus. Sie stammte aus einer Konkursmasse und war ein Restaurierungsobjekt. Gattin Stefanie akzeptierte das neue Familienmitglied ohne großen Protest, im Gegenteil, auch sie wurde vom Oldtimer-Virus infiziert.

Schein oder Sein?

Es folgten zwei BMW 700, und "im April 2004 muss mich der Teufel geritten haben", meint Häfeli lachend, denn er kaufte einen BMW 3200 CS. Doch dabei war der Schweizer sozusagen auf ein Inserat bei Ebay hereingefallen, denn der von einem Händler für allerlei Fahrzeuge inserierte BMW erwies sich als Blender. Zunächst überwog die Begeisterung, und außerdem wird solch ein V8-Coupé nicht jeden Tag angeboten. Beim Besichtigungstermin in der Nähe von Leipzig wartete ein gefüllertes, lackierfertiges Auto auf einen neuen Besitzer, das heißt, vorhandene Rostschäden waren offenbar beseitigt, man musste sich nur noch eine Farbe aussuchen und konnte den Wagen zum Lackierer geben.Und, was besonders wichtig war, es fehlten keine Teile. Denn speziell die Anbauteile des von 1961 bis 1965 in nur 603 Exemplaren aufgelegten Edel-Coupés sind schwierig zu beschaffen und teuer. Und da die Wagen damals in Handarbeit entstanden, lassen sich beispielsweise die Stoßstangen nicht ohne Weiteres von einem anderen Fahrzeug übernehmen, weil sie individuell angepasst wurden. Häfeli kaufte den Wagen, transportierte ihn nach Hause und sah ihn sich bei nächster Gelegenheit einmal genauer an.

Jetzt erst Recht

Der Schock war groß. Schon beim Ausbau der Sitze stieß er auf verdeckten Rost, und besonders übel sah es hinter den Schwellerverkleidungen aus. Diesen Anblick galt es zuerst einmal zu verdauen. Dann entschied sich der BMW-Liebhaber zum Angriff. Er demontierte alle Teile und ließ die Bertone- Karosse Kunststoffstrahlen, eine besonders Oberflächen schonende Art der Entlackung und Reinigung. Dabei wurde deutlich, mit wie viel Geschick und Spachtelmasse der Verkäufer vorhandene Rostschäden kaschiert hatte. Da es keine Reparaturbleche für diesen Wagen zu kaufen gab, machte sich Häfeli selbst daran, einzelne Bleche anzufertigen und einzuschweißen. Doch schon bald merkte er, dass ihm für die umfangreichen Blecharbeiten einfach die Übung und das Know-how fehlten. Er brach die Arbeit ab, fror aber gewissermaßen den aktuellen Stand der Restaurierung mit Hilfe einer Grundierung ein, "sonst hätte die Karosse noch weiter gerostet, und es wäre bald nichts mehr übrig gewesen", scherzt Häfeli.

Letzter Ausweg Ausland - Profis am Werk

Nach einer langen Bedenkzeit nahm er schließlich Kontakt zur Firma Matejcek in Tschechien auf, die für ihre Leistungen im Magazin des BMW V8 Clubs warb, und von der er bereits Fotos einiger Arbeiten gesehen hatte. Weil dort die Stundensätze deutlich niedriger waren als in der Schweiz, sah Häfeli eine realistische Chance, das Blech seines BMW 3200 CS zu einem erschwinglichen Preis gerichtet zu bekommen. Die Verhandlungen verliefen erfolgreich, und so brachte er im Frühjahr 2009 die bis auf die Achsen demontierte Karosserie nach Pilsen. Diesen Schritt hat der Schweizer bis heute nicht bereut.

"Alle von mir eingeschweißten Bleche haben die wieder herausgetrennt", sagt er ohne Bedauern, denn er hat schließlich Automechaniker und nicht Spengler gelernt. Das Instandsetzen der Karosse erforderte das Geschick eines Profis. Mangels verfügbarer Ersatzteile mussten etliche Blechpartien von Hand nachgefertigt werden. Unter anderem wurden an Front und Heck, den Radhäusern und den Radläufen und im Schwellerbereich neue Bleche eingesetzt. Eine Besonderheit an Häfelis BMW 3200 CS sind die im oberen Bereich der Vorderkotflügel eingesetzten Kiemenbleche zur besseren Belüftung des Motorraums. Sie erwecken nicht den Eindruck der Bastelarbeit eines Laien, doch weil sie kein Originaldetail sind, empfahl ein Club-Kollege, sie zu entfernen. Aber für Häfeli gehören sie zur Geschichte dieses Autos. Offenbar wurden sie schon vor längerer Zeit eingesetzt, wie alte Fotos aus dem Archiv von Wolfgang Niefanger belegen, der im Club das Fahrzeugregister führt. Weil Häfeli nicht jede Woche nach Tschechien fahren konnte, bekam er regelmäßig Fotos vom Fortschritt der Arbeiten geschickt.

Nach getaner Arbeit - Ende gut Alles gut

Kurz vor Weihnachten 2009 war die Karosserie fertig – Häfeli machte sich auf den 600 Kilometer langen Weg nach Pilsen zur Endabnahme. Am Reisetag herrschte extreme Kälte, und auf halber Strecke fror die Scheibenwaschanlage ein. Die Sicht war gleich null. Nachdem die Spritzdüsen in einer Werkstatt wieder aufgetaut waren und der Frostschutzanteil im Wischwasser erhöht wurde, ging die Fahrt weiter. Doch wenige Kilometer später war wieder alles vereist. Kein Wunder, dass diese abenteuerliche und lange Fahrt bis heute unvergessen blieb. An der fertig gestellten Karosse gab es nur wenig zu kritisieren. Also gab Häfeli sie frei zur Lackierung. Ursprünglich war sein Wagen in Taubenblau ausgeliefert worden, doch es gab bei BMW keine Unterlagen über die exakte Zusammensetzung dieser Farbe. Häfeli entschied sich daher für Guayana, „ich wollte etwas Grünliches.“ Lustigerweise blenden Digitalkameras den Grünstich dieser Farbe aus, wie an den Fotos auf diesen Seiten zu sehen ist. Auch das Aufarbeiten der Sitze und das Erneuern des Dachhimmels, der Verkleidungen und des Teppichbodens ließ Häfeli in Tschechien erledigen. Er selbst hatte zwischenzeitlich den Motor zerlegt und den Block samt Kurbelwelle, Nockenwelle, Kolben, Pleuel und Lagern in eine Zylinderschleiferei gegeben. Alle Teile der Peripherie überholte er selbst. Und als die Karosse aus Tschechien zurückkam, revidierte er die Radaufhängungen und Bremsen und begann mit den Montagearbeiten. Nach vielen Tagen des Schraubens war das Auto endlich fertig. Es ist ein Prachtstück geworden, bei dessen Anblick Häfeli den Traum vom 507 ohne Bedauern ad acta gelegt hat.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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