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Restaurierung

Lucas-Einspritzung

Auch die Engländer hatten ihre Benzineinspritzung. Das Lucas-System funktioniert, wen wundert es, völlig anders als die Lösungen hier zu Lande.

21.02.2007 Thomas Wirth Powered by

Wenn man ihn nur nennt, den Namen Lucas, rollen verzweifelt die Augen. Lucas, Prince of Darkness. Oder: Warum trinken die Engländer warmes Bier? Wir ahnen es. Die Kühlschränke stammen von Lucas.

Der Verdacht, im Betrieb wenig zuverlässig zu sein, trifft Lucas pauschal. Dabei hat das Unternehmen nicht nur Elektrik, sondern beispielsweise auch Einspritzanlagen gefertigt. Hier zu Lande, aber auch in England hatte der Zweite Weltkrieg die Einspritztechnik erheblich vorangebracht.

Besonders Flugzeugmotoren forderten eine gleichmäßige und sichere Gemischaufbereitung unter allen Drehzahl- und Lastzuständen. Einspritzanlagen boten zudem eine höhere Literleistung bei niedrigerem spezifischen Verbrauch und versorgten den Motor unabhängig von der Lage, Fliehkraft oder der Beschleunigung mit Benzin.Tugenden, die nicht nur in der Luft, sondern auch auf der Rennstrecke wichtig waren.

Die britische Einspritztechnik funktionierte fallweise auch gut, etwa die Mk I-Version im Rennsport. Zuerst in Le Mans, wo 1956 ein mit ihr ausgerüsteter Jaguar XKD das 24-Stunden- Rennen gewann. Später war sie in der Formel 1 über viele Jahre eine feste Größe. Übrigens vertraute auch Maserati zwischen 1960 und 1967 auf die Lucas Mk I: Das System organisierte für die Modelle 3500 GTI, Mistral und Sebring die Spritzuteilung.

Besonders verbreitet war das System in vereinfachter Form als Lucas Mk II bei Triumph: Als der TR 5 PI 1967 auf den Markt kam, war er das erste in Serie gebaute englische Automobil mit einer Benzineinspritzung. Der TR 6 sollte ihm folgen. Die Einspritzlösung für den Triumph kann mit einer Eigenschaft besonders überzeugen: Im Gegensatz zu anderen Systemen erfordert sie einen deutlich geringeren Herstellungsaufwand, weil sie nur wenige Bauteile enthält, die mit höchster Präzision gefertigt werden müssen. Als Grundvoraussetzung stellt eine Kraftstoffpumpe Benzin mit einem Druck von sieben bar zur Verfügung. In einer Dosiervorrichtung bemisst dann ein axial beweglicher Kolben die korrekte Spritmenge, die dann der jeweiligen Einspritzdüse zugeführt wird. Die Benzinmenge dosiert ein variabler Anschlag, der vom Unterdruck im Ansaugsystem gesteuert wird. Das System besitzt im Dosierverteiler einen Rotor, der mit halber Motordrehzahl in einer Buchse dreht.

Es sind Präzisionsteile, andererseits verzichtet die Lucas-Anlage auf Kugel- und Rollenlager, zudem benötigt sie keinen Raumnocken oder viele Stempel. Allerdings muss das Benzin stets unter Druck stehen. Daran krankt das System oft,weil die Lucas-Benzinpumpe - wahrlich das Herz der Anlage - den Anforderungen auf Dauer nicht gewachsen ist. Ein Gerücht besagt gar, sie basiere auf einem modifizierten Scheibenwischermotor.

Real benötigt sie eine korrekte Batteriespannung zum Starten. Und häufig vereiteln Dampfblasen einen Neustart, denn nur so lange Benzin fließt, kann sie ihre Wärme schnell abgeben. Im Stand nimmt sich das System hingegen Zeit zum Abkühlen. Wer mit diesen Problemen kämpft und eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit der Lucas-Spritpumpe vermeiden will, sollte sich den Umstieg auf eine andere Benzinpumpe überlegen; Händler bieten komplette Sätze an.

Auch bei Problemen in großen Höhen - bei Passfahrten zum Beispiel - gibt es heute Lösungen. Eines werden TR- oder Maserati- Eigner gern hören: Viel Bewegung beugt Schäden in der Einspritzung am besten vor. Davon profitiert zudem die gesamte Mechanik - und der Fahrer.

Tipps & Adressen

Die Lucas-Einspritzung sollte, wie andere auch, stets als komplettes System verstanden werden. Neben der Einspritzeinheit sind der passende Zündverteiler und die anfällige Benzinpumpe wichtig, für die ein Ersatz von Bosch – vorbereitet für TR-Modelle – 315 € kostet.

Spezialist Harm Klijn bietet die Überholung einer Lucas-Einspritzung ab 775 € an, bei hohem Verschleiß wird es teurer (Telefon +31 / 35 / 5314815, www.powerprops.com).

Weitere Informationen bietet auch die Seite www.lucasinjection.com

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