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Restaurierung Edsel Ranger

You drive me crazy

Foto: Fact 25 Bilder

Norbert Wagner war verrückt nach einem Edsel. In den USA entdeckte er ein viel versprechendes Restaurierungsobjekt, das jedoch unzählige versteckte Rostschäden aufwies. Die Aufarbeitung der Karosserie geriet zu einer harten Nervenprobe.

05.10.2007 Bernd Woytal Powered by

Norbert Wagner liebt große schwere Wagen - ihn faszinieren die klassischen US Cars, eine Leidenschaft, die ihm sozusagen in die Wiege gelegt wurde. "Mein Vater hat sich schon 1965 einen neuen Oldsmobile Ninety-Eight mit Sonderausstattung gekauft", erzählt er, und in seinem Blick spiegelt sich Begeisterung.

Nach Oldsmobile, Cadillac und Buick musste ein Edsel her

"Wenn ich mal 18 bin, muss auch so etwas her", verrät Norbert Wagner seine Gedanken als Jugendlicher, die er dann tatsächlich in die Wirklichkeit umsetzte. So stellte er in den ersten Jahren nach bestandener Fahrprüfung dem immer noch existierenden Oldsmobile des Vaters einen der legendären flossenbewehrten 59er Cadillac und ein 65er Buick Cabrio zur Seite.

Dabei handelte es sich jeweils um relativ günstig erworbene Exemplare, die er zumindest teilweise restaurieren musste. Aber die größte Herausforderung stand noch bevor. Er träumte nämlich von einem Edsel - also einem Auto jener nach dem ältesten Sohn Henry Fords benannten Marke, die sich Ende der 50er Jahre als ein Flop ersten Ranges entpuppte.

Vor sechs Jahren erfüllte sich der Wunsch. Auf einer Tour mit einem Leihwagen durch den US-Bundesstaat Indiana entdeckte er in einem Vorgarten in Indianapolis die Umrisse eines grünen Edsel Ranger 4-Door Sedan. Dieser 59er Edsel stammte sogar aus Erstbesitz.

Für ein paar hundert Dollar erfüllt sich ein Traum

Norbert Wagner wurde nach einigem Verhandeln für ein paar Hundert Dollar Besitzer dieser exquisiten Vorgartenzierde. Das Verladen auf einen schnell organisierten Hänger gestaltete sich mühsam. Die Seilwinde musste gegen den Rollwiderstand von vier platten Reifen und festgegangener Bremsen ankämpfen. Aber es klappte, und los ging es Richtung Hafen in Los Angeles.

Bei der Ankunft in Bremerhaven fehlten die Radkappen, die der ursprüngliche Besitzer 1959 als Extra erworben hatte. Zunächst einmal schaffte er den 1,8-Tonner in die heimische Garage, wo eine Grube, ein Kran mit Laufkatze und ein mit Werkzeugen wie Dreh- und Abkantbank bestückter Nebenraum optimale Voraussetzungen für die geplante Restaurierung boten.

Demontage-Horror: Alles Morsch

Doch schon die Demontagearbeiten brachten niederschmetternde Fakten ans Tageslicht. Es stellte sich heraus, dass die unteren Partien der Karosserie faul beziehungsweise laienhaft repariert worden waren. Mit einer bewundernswerten Akribie und beachtlichem Mut machte sich der gelernte Kraftfahrzeugmechaniker an die Blecharbeiten.

Die Eckdaten der Karosserie-Aufarbeitung sorgen für Respekt: Gut sechs Quadratmeter Blech wurden verarbeitet, und mehr als 1.000 Arbeitsstunden fielen an. So flexte, hämmerte und schweißte Norbert Wagner an Wochentagen oft von 17 Uhr bis nach Mitternacht - eine Höchstleistung, besonders unter dem Aspekt, dass er bereits morgens um vier Uhr wieder zur Arbeit musste.

Etwas vertrauter als die Blecharbeiten gestaltete sich für den Restaurierer die Überholung der Technik. Der im Modell Ranger als Standard eingebaute 292er-V8 schien festgegangen zu sein. Doch nachdem Öl durch die Zündkerzenlöcher eingespritzt worden war, ließ sich die Maschine wieder durchdrehen.

Dennoch musste das Aggregat zerlegt und überholt werden. Und wieder bewies Norbert Wagner Courage und Schraubergeschick, als er sich des Getriebes annahm. Dabei handelt es sich um die so genannte Mile-o-matic, eine Zweigangautomatik, die seinerzeit 189 Dollar Aufpreis kostete.

Selbst geübte Schrauber lassen von solchen Arbeiten lieber die Finger, doch nicht Norbert Wagner. Die vielen Kügelchen und Federn im Innern faszinierten ihn eher, als dass sie ihn abschreckten. Bis auf einen abgebrochenen Hebel, der nachgefertigt werden musste, bekam er sogar alle benötigten Teile.

Neue Verkabelung dank Kabelbrand

Hatte Wagner bisher fast alles in Eigenregie beziehungsweise mit Hilfe seine Bruders Hans-Dieter erledigt, kam er doch in einigen Fällen nicht ohne fremde Hilfe aus. Dazu zählten zum Beispiel die Sattlerarbeiten. Auch das Verchromen diverser Anbauteile und die Lackierung in Jadeglint Green Metallic und Snow White gab er außer Haus.

Die gesamte Restaurierung verlief ohne nennenswerte Pannen ab, bis auf eine Ausnahme: Bevor die Montagearbeiten begannen, gab es plötzlich einen Kabelbrand. Deshalb wurde der Edsel auch noch neu verkabelt.

Zum Glück hatte der Wagen kein Feuer gefangen, das passierte hingegen seinem Besitzer. Als er neulich mit seinem längst fertig gestellten Schmuckstück beim Tanken war, schaute von der Zapfsäule nebenan neugierig eine junge Dame herüber. Sie trat näher, betrachtete den Edsel und dann seinen Fahrer. Sofort begann es zu knistern.

Seitdem geht Norbert Wagner gemeinsam mit Barbara Katharina im Edsel auf Tour – und passend dazu singen Gnarls Barkley im Radio ein lang gezogenes "crääääiiisiiii".

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