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Kathodische Tauchlackierung

Korrosionsschutz aus der Industrie

Foto: Götz von Sternenfels 11 Bilder

Wer restauriert, will von seinen Mühen meist möglichst lange profitieren. Methoden aus der Industrie können beim Korrosionsschutz helfen.

25.06.2008 Thomas Wirth Powered by

Das komme überhaupt nicht in Frage. Niemals werde er sie an seinem Klassiker akzeptieren – diese moderne Methode des industriellen Tauchlackierens. Das Thema der Diskussion, das auf der Techno Classica jenen Verfechter der Originalität zum feurigen Plädoyer rief, ist nicht neu: Welche Beschichtungen sind als Korrosionsschutz für Oldtimer- Bauteile geeignet?

Originalität versus Dauerhaftigkeit

Und exakt damit kann die kathodische Tauchlackierung, kurz KTL genannt, enorm punkten. So neu, wie es gern vermutet wird, ist sie nicht. Das Verfahren kam bereits in den sechziger Jahren in den USA zum Serieneinsatz. Ford nutzte es, um Grundierungen auf Fahrzeugkarosserien aufzubringen.

Die Idee dahinter ist relativ simpel. Statt auf die komplexen Blechstrukturen einer Karosserie die Lacke zu spritzen, wie man es bereits seit Jahrzehnten gewohnt war, wurde die erste Schicht nun in einem elektrochemischen Tauchbad aufgebracht.

Voraussetzung dafür ist, dass Lack wie Werkstück elektrisch leitfähig sind. Dabei funktionieren die zu beschichtenden Teile als Kathode, also als Minuspol. Der Pluspol, die Anode, ist das Becken selbst oder ein am Beckenrand eingebrachtes Blech.

Wenn zwischen beiden nun eine Gleichspannung angelegt wird, geschieht knapp ausgedrückt Folgendes: Die wasserlöslichen Bindemittel des KTL-Lacks wandeln sich durch einen chemischen Prozess in positiv geladene Teilchen und wandern als solche zum Minuspol, wo sie sich an der Oberfläche anlagern und hier einen homogenen Lackfilm bilden, der exzellent haftet.

KTL - Vorteile: Einfach, effizient, umweltfreundlich und auch für Hohlräume

Die Anwendung ist anspruchsvoll, da sie nur im industriellen Maßstab zuverlässig funktioniert, bietet allerdings eine Reihe von Vorteilen, besonders im Vergleich zu anderen, üblichen Verfahren.

So finden weder Pulverlacke noch galvanische Verfahren eine Möglichkeit, Oberflächen in Hohlräumen vernünftig zu beschichten. Für die kathodische Tauchlackierung ist diese Aufgabe jedoch kein Problem. Nur Zu- und Ablauflöcher müssen vorhanden sein, durch die der Lack fließen kann.

Das war einer der Hauptgründe für die Automobilindustrie, dieses Verfahren für Karosserien und Bauteile flächendeckend einzusetzen - seit den siebziger Jahren auch zunehmend in Europa. Dank der KTL-Beschichtung haben die Durchrostungen von innen nach außen zunehmend ihren Schrecken verloren.

Sie gilt bis heute nicht nur als ideale Grundierung, sondern dient bei modernen Fahrzeugen - beispielsweise bei Fahrwerksteilen - sogar als dauerhafte Endbeschichtung. Ihre gute Haftung und zähe Härte verspricht einen so guten Schutz, dass sie die aktuellen Normen der Automobilhersteller erfüllt.

Einen Nachteil gibt es auch, er ist aber leicht zu beheben

Einen Nachteil gibt es dennoch: die schwarzen KTL-Lacke sind nicht dauerhaft beständig gegen UV-Einstrahlung. Mit den Jahren vergrauen die Oberflächen. Jedoch gelingt das übliche Spritzlackieren eines KTL-beschichteten Teils bestens. Ein Schleifen ist kaum nötig, schließlich kennt das Verfahren weder Tropfen noch Läufer, sondern nur gleichmäßige Schichtdicken von maximal 40 µ - und zwar selbst an Ecken und Kanten. Wer die Oberfläche vor dem Lackieren aufraut, sollte darauf achten, die schützende Schicht nicht durchzuschleifen.

Geeignet für eine KTL-Behandlung sind prinzipiell alle Teile. Voraussetzung ist nur ihre elektrische Leitfähigkeit.

Dass die KTL-Beschichtung funktioniert, beweist die Rostresistenz moderner Autos. Wer ihr nun beim Einsatz im Klassiker mangelnde Authentizität ankreidet, mag Recht haben. Nur kommt jetzt die Gegenfrage: Wie steht es dann um Hohlraumwachs? Auch das gab es schließlich ab Werk nicht.

Tipps & Adressen

Die kathodische Tauchlackierung kennt keine kleinen Stückzahlen. Bei der Firma Ebbinghaus, die sich auf diese Technologie spezialisiert hat, laufen am Tag problemlos 100.000 Einzelteile durch die Tauchanlagen. Umso erfreulicher, wenn es trotz dieser hoch automatisierten Prozesse die Möglichkeit gibt, Einzelstücke in Auftrag zu geben.

Über die Preise einer KTL-Beschichtung lässt sich pauschal nur wenig sagen. Die Größenordnung klingt aber durchaus interessant: Für ein beispielhaft zusammengestelltes Paket aus vier Dreieckslenkern und zwei Achsträgern würde Ebbinghaus rund 200 € in Rechnung stellen. In jedem Fall macht es Sinn, sich einen Kostenvoranschlag erstellen zu lassen.

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