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Restaurierung Lotus Esprit

So baut man sich ein Bond-Auto

Lotus Esprit S2.2 optisch auf S1 umgerüstet, Baujahr 1981 Foto: Hardy Mutschler 16 Bilder

Den weißen Lotus Esprit des Geheimagenten James Bond fand Hansi Zweigle schon immer faszinierend. Nun hat er sich ein solches Auto auf Basis eines Lotus Esprit S2.2 aufgebaut - mit einigen bondigen Extras wie einer Harpunenabschussluke und dem 007-Pistolenset.

26.10.2011 Bernd Woytal Powered by

"Ich suche einen Gummifisch." Für den Verkäufer des im Schwäbischen angesiedelten Ladens für Anglerzubehör war dies kein ungewöhnlicher Wunsch. Um ihn erfüllen zu können, benötigte er weitere Informationen. Dass es sich bei dem Kunden um einen Lotus Esprit-Fan handelt konnte er zu Beginn des Gesprächs noch nicht wissen.

Lotus Esprit- und James Bond-Fan seit den 60er Jahren

"Was genau möchten Sie angeln? Welche Rute benutzen Sie? Mit Nachläuferdrilling und Schwanzrassel?" "Ich möchte den Fisch nur aus dem Auto hinaushalten", antwortete Hansi Zweigle und rief damit einen neugierig gewordenen zweiten Verkäufer auf den Plan. Beide befürchteten wohl das Schlimmste. Doch Zweigle konnte die Situation klären. Er berichtete von seinem Lotus Esprit, den er nach Muster des von James Bond gefahrenen Exemplars im Film "Der Spion der mich liebte" aufgebaut hatte.

Und nun suche er so einen Fisch, wie ihn 007 alias Roger Moore aus dem Seitenfenster des Lotus Esprit fallen ließ, als er den Lotus Esprit nach einem Unterwassereinsatz direkt aus dem Meer an den Strand fuhr. Die Verkäufer bewiesen detaillierte Film- und Fachkenntnis. Ganz klar, dieser Kunde benötigte eine Goldbrasse, und sie forschten mit Ausdauer, bis sie das Gesuchte fanden. Mit diesem Gummifisch hielt Zweigle nun das i-Tüpfelchen seiner monatelangen Arbeit in Händen.

Die Wurzeln dieser Geschichte reichen zurück in die 60er Jahre. Damals bekam Zweigle als sechsjähriger das Modell eines 007-Aston-Martin geschenkt, woraus sich ein Faible für die Abenteuer und die Fahrzeuge des Geheimagenten seiner Majestät entwickelte. Mit 16 Jahren erlebte er seinen ersten aktuellen Bond-Film im Kino. Es lief der bereits erwähnte "Der Spion der mich liebte".

Schon zuvor hatte er im Fernsehen mit Begeisterung einige Ausschnitte verfolgt, in denen ein ganz besonderer Lotus Esprit in haarsträubenden Situationen gezeigt wurde, und nach dem Kinobesuch ließ ihn dieses Wunderauto nicht mehr los. Rund 30 Jahre später kam es zu einem unverhofften Wiedersehen mit dem Lotus Esprit. Zweigle war gemeinsam mit seiner Frau nach Monaco zum Formel-1-Grand-Prix gefahren. Und genau in jenem Parkhaus, das sie ansteuerten, stand einer der Lotus Esprit-Schwimm-Dummies, die im Bond-Film für Unterwasseraufnahmen zum Einsatz gekommen waren.

Dürftiges Angebot des britischen Keils

Der Lotus Esprit sollte bei der Coys-Auktion in Monaco versteigert werden. "Ich war kaum noch aus dem Parkhaus rauszubekommen", lacht der Bond-Fan. Aber dann fiel die alles entscheidende Frage seiner Gattin: "Warum kaufst Du Dir nicht einfach einen Lotus Esprit und baust ihn um?" Zweigle war zunächst perplex, aber dann erschien ihm der Gedanke gar nicht mal so abwegig.

Wieder zurück in seiner Heimatstadt Esslingen begann er mit der Suche nach einem Lotus Esprit der Serie eins oder zwei, doch das Angebot bei Händlern und im Internet war mehr als dürftig. Über eine Geschichte in einer älteren Motor Klassik-Ausgabe stieß er dann auf den etwa 40 Kilometer entfernt wohnenden Lotus Esprit-Experten Ralf Burk.

Tauschgeschäft: Lotus Esprit gegen Ferrari Mondial

Als er diesem von seinem geplanten 007-Lotus Esprit berichtete, meinte der nur: "Ach, schon wieder einer." Doch Zweigle machte ihm klar, dass er es ernst meinte und bat Burk, sich nach einem passenden Lotus Esprit umzuschauen. Und tatsächlich, gut drei Monate später meldete dieser den Fund eines Lotus Esprit 2.2 in Belgien. Der Besitzer wolle den Lotus Esprit gegen einen Ferrari Mondial tauschen. "Aber ich habe doch keinen Mondial", entgegnete Zweigle. Darauf Burk: "Aber ich." Und so kam Zweigle in den Besitz eines silberfarbenen Lotus Esprit.

Der Plan sah nun vor, den Lotus Esprit zunächst einmal durch den Tüv zu bringen. Es lief zwar, aber viele Teile der Technik mussten überholt oder ersetzt werden. So zum Beispiel die noch originale Zylinderkopfdichtung, die laut Burks Erfahrung mit der Zeit von selbst undicht wird. Die Demontage des Lotus Esprit-Zylinderkopfs bestätigte dies dann auch.

Ferner wurden der Zahnriemen des Lotus Esprit erneuert, die Wasserpumpe, der Auslasskrümmer, die Auspuffanlage, alle Wasserrohre, der Lüftermotor sowie die Vergaser neu eingestellt. Wegen des defekten Krümmers war ein Motor-Gummilager verschmort, und so mussten diese ebenfalls alle ersetzt werden. Auch die komplette Lotus Esprit-Bremsanlage und das Fahrwerk des Lotus Esprit wurden revidiert. All das geschah bei Ralf Burk in der Werkstatt, wohin Zweigle am Wochenende immer pendelte.

Nachdem der Lotus Esprit die Hauptuntersuchung bestanden hatte, begann die eigentliche Arbeit. Dazu holte Zweigle den Lotus Esprit in die heimische Garage und begann mit der Demontage. Dabei halfen ihm seine Schrauberkenntnisse, die er sich in seiner Zeit als Ford Capri-Fahrer angeeignet hatte. Da der Lotus Esprit optisch der Serie eins entsprechen sollte, waren etliche Änderungen nötig. Dazu gehörte das Anpassen der Rückleuchten, die es aber noch zu beschaff en galt.

Teilebeschaffung wird zum Geduldsspiel

Während im S2 Leuchten vom Rover SD1 verbaut sind, stammen sie im Lotus Esprit S1 vom Fiat X 1/9. Der X 1/9 Club war es dann auch, der die Rücklichter besorgen konnte. Jetzt fehlten noch die Rahmen dazu, doch die ließen sich einfach nicht auftreiben. Zweigle erfuhr, dass Lotus die Formen zur Herstellung einst an einen Händler in Texas verkauft hatte. Mit Hilfe von Burk stöberte er ihn auf, und der fertigte dann welche nach. Allerdings dauerte das vier Monate. "Das war keine Ausnahme, die Teilebeschaffung für den Lotus Esprit war stets ein Geduldsspiel", so Zweigle. Nicht gefunden hat er bis heute die zum S1 gehörenden Wolfrace-Felgen. 

Das Aufarbeiten der noch recht gut erhaltenen Kunststoff-Karosserie seines Lotus Esprit überließ er der Lackiererei, das Anfertigen eines neuen Dachhimmels und einiger Innenverkleidungen einem Sattler. Er selbst verbrachte viel Zeit mit der Realisierung der Bond-Extras für den Lotus Esprit. Mit der Mittelkonsole unterm Arm fahndete er in Elektrogroßmärkten nach einem Monitor, der exakt in die Aussparung für das Radio passte. In England organisierte er sich die originalgetreuen Kennzeichen.

Sogar die Raketen-Abschussluke baut der Fan nach

Die vordere Abschussluke baute er zunächst als Muster aus Karton, dann verwirklichte sie ein Schreiner aus Kunststoff-Pressplatten. Die Bewaffnung entstand aus Alu-Rohren, Abschlussecken von Vorhangstangen und Armbrustpfeilspitzen. Nur eines kann der Lotus Esprit noch nicht: Tauchen. Obwohl Passanten das durchaus für möglich halten. Als er neulich zwei Männer fragte, was sie unter seinem Auto suchen, antworteten sie: "Die Flossen."

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