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Restaurierung Mercedes Benz 250 Automatik

Eine Mercedes-Restaurierung in Raten

Mercedes Benz 250 Foto: Hardy Mutschler 19 Bilder

Die Mercedes-Baureihe W 123 in all ihren Varianten prägte die Jugend des autobegeisterten Steffen Kappler. Besonders ein Exemplar blieb ihm in Erinnerung, ein grüner 250 Automatik. Klar, dass er so einen haben musste.

15.07.2009 Bernd Woytal Powered by

Eine Partnervermittlung wäre mit Steffen Kapplers Vorgaben überfordert gewesen. Geburtsort Stuttgart-Untertürkheim, geboren zwischen 1976 und 1985, so jemand ließe sich zwar finden. Aber einen Kandidaten in Grün, der beim Erklimmen von Steigungen faszinierende Geräusche von sich gibt, hat sicherlich keine Agentur in der Kartei.

Daher musste Kappler bei der Suche nach seiner Jugendliebe andere Wege gehen. Denn ihm ging es nicht um eine Dame, sondern um ein Auto. Fahrzeuge begeistern ihn, so lange er denken kann: "Schon als Knirps erkannte ich jedes in den Hof fahrende Auto am Motorgeräusch." Schaukel und Rutschbahn ließen ihn damals kalt. Sein Spielplatz in einem kleinen Nachbarort von Karlsruhe bestand aus einem stillgelegten MAN Haubenkipper und einem ausrangierten Opel Kadett B, hinter dessen Lenkrad er imaginäre Ausflüge in alle Welt unternahm. Doch ein Wagen hatte es ihm ganz besonders angetan: ein Mercedes-Benz 250 der Baureihe W 123.

Früh war klar, dass ein Mercedes W 123 her muss

Von seinem Sandkasten aus beobachtete er fast täglich, wie eine nickelgrüne Limousine dieses Typs von einer Kreuzung aus mit Schwung einen Anstieg meisterte, dabei das Automatikgetriebe herunterschaltete und der Motor unter Volllast ein Geräusch von sich gab "das mir durch Mark und Bein ging", erinnert sich Kappler. Da auch einige Verwandte, der Metzger und andere wichtige Persönlichkeiten des Ortes, W 123 fuhren, war für ihn bald klar: "So etwas will ich auch mal haben." Aber bis dahin vergingen noch einige Jahre. Nach bestandener Führerscheinprüfung reichte das Geld zunächst nicht zum Kauf eines der damals noch teuren gebrauchten 123er.

Die Aussichten besserten sich, als er vom Großvater einen Audi 80 übernehmen durfte. Nach einem halben Jahr konnte er den Audi zu einem guten Preis losschlagen - kurz danach stand ein Mercedes W 123 vor seiner Tür, zwar nicht in Grün und ohne Automatik, aber immerhin ein 250er. Im Bekanntenkreis stieß die Neuerwerbung auf wenig Gegenliebe. Von Rentnerkarre war die Rede, die Farbe Hellelfenbein fanden alle ebenso unmöglich wie den als Spritfresser verrufenen Motor. "Der spinnt", lautete die einhellige Meinung.

Die Sammlung wurde um E-Klasse, S-Klasse, Audi 100 etc. erweitert

Doch von nun an arbeitete Kappler, der nach dem Abitur bei Mercedes eine Lehre als KFZ-Mechaniker begonnen hatte, eifrig an der Erweiterung seines Fuhrparks. Es folgten weitere 123er, E-Klasse, S-Klasse - aber auch VW Scirocco GTI, Audi 100, Audi 90, VW Bus mit Campingausrüstung. Sein stets mehrere Exemplare umfassender Bestand wechselte wie der eines geschäftstüchtigen Gebrauchtwagenhändlers. Dann kam das Jahr 1999. Kappler, mittlerweile Mitglied im Mercedes-Benz W 123 Club, fuhr nach Heidelberg. Ein Bekannter aus Bayern hatte ihn gebeten, mit ihm zusammen einen dort zum Verkauf stehenden, angeblich rostfreien 250er von 1976 anzuschauen. Entgegen aller Erfahrungen erwies sich der 150.000 Kilometer gelaufene Wagen tatsächlich als rostfrei. Doch wegen der zahlreichen technischen Mängel und der total vergammelten Innenausstattung war es nicht das passende Objekt für einen Einsteiger - dafür schlug Kappler zu. 250, Nickelgrün, Automatik - genau wie seine Jugendliebe. Gekauft.

Am Mercedes 250 Automatik waren einige Reparaturen fällig

Mit viel Mühe gelang es Kappler, den Motor zum Leben zu erwecken. Die Heimfahrt ist ihm noch gut im Gedächtnis: "Die frisch getankten 25 Liter Sprit waren nach 50 Kilometern fast aufgebraucht, und die einseitig gebrochenen Federn des Fahrersitzes zwangen zu einer etwas unentspannten Haltung." Zu Hause musste er erst einmal zur Werkzeugkiste greifen, um das Öl und Rauch speiende Triebwerk in den Griff zu bekommen. Er demontierte den Zylinderkopf, reinigte die Ventile und ersetzte die Ventilschaftdichtungen. Anschließend lief der Motor, aber nur kurz, dann spuckte er erneut Rauch und Öl. Doch diesmal hatte nur eine verrutschte Ventilschaftdichtung Schuld.

Mit der Zeit trübten einige dunkle Wolken die Beziehung zu seiner Jugendliebe. "Entweder sprang der Wagen nicht an oder er ertrank während der Fahrt in Benzin", erinnert sich der Karlsruher, dessen Nerven durch das oftmals exerzierte Abschleppen und Vergasereinstellen damals blank lagen. Nach und nach versuchte Kappler, den Wagen mit guten Teilen aus anderen Fahrzeugen aufzufrischen. Dabei kam er auch dem Phänomen des an seinem Auto ungewöhnlich geringen Rostbefalls auf die Spur. Als er nämlich Teile aus einem anderen 123er einbauen wollte, entdeckte er diverse Unterschiede, etwa bei den Türzierleisten, den Wagenheberaufnahmen oder den hinteren Gurtbefestigungen. Obwohl sein grüner 250er Baujahr 1976 war, wies er Merkmale der Karosserie aus der zweiten Serie auf.

Der Mercedes 250 hatte eine Austauschkarosserie bekommen

Ein genaues Studium des Kraftfahrzeugbriefs lieferte schließlich die Auflösung: Sein Wagen war im Jahr 1983 in den Genuss einer Austauschkarosserie gekommen. Das ließ auf einen Unfall schließen, und tatsächlich fand er Hinweise auf einen damaligen Frontschaden: Ein Ansaugrohr im Luftfilterkasten war noch verbogen, und offensichtlich wurden seinerzeit die Lenkung und alle vorderen Fahrwerksteile erneuert. Ein 76er W 123 mit so guter Basis musste natürlich unbedingt erhalten werden. So begann eine Restaurierung in Raten. Nachdem Kappler mit viel Zeitaufwand den Schiebedachrahmen saniert hatte, rückte endlich eine Lösung des Vergaserproblems in Sicht. Über den Bosch- Dienst Küppers in Linnich im Kreis Düren kam er zu einer nagelneuen Gemischfabrik. Damit lief der Sechszylinder wie ein Uhrwerk, bei erträglichem Verbrauch. Mit der Zeit reparierte Kappler die komplette Technik des Autos. 

Manches nach Plan, wie zum Beispiel die Überholung der Vorderachse, anderes zwangsläufig wie etwa den beim Anhalten an einer Kreuzung plötzlich ausgefallenen Hauptbremszylinder. Mit einer zufällig entdeckten, pergamentfarbenen und neuwertigen Innenausstattung machte der Wagen dann schon einen properen Eindruck. Nur die weißen Wolken in der grünen Außenfarbe ließen sich nicht wegpolieren. Kappler entschied sich zu einer Neulackierung. Er demontierte den Wagen, ersetzte zwei Kotflügel und zwei Türen und beseitigte drei kleinere Roststellen. Der im neuen Glanz erstrahlten Limousine spendierte er außerdem einige Neuteile wie Auspuff, Kraftstoffpumpe, Zündkabel, Kühler und eine Überholung des Ansaug-Auspuffkrümmers mit der anfälligen Vorwärmklappen-Mechanik.

Getriebe des Mercedes 250 Automatik war ein schwieriger Fall

Im nächsten Schritt wurde der marode Anlasserkranz erneuert, was er bei AI-Motors in Stutensee in Auftrag gab. Als ein Drama erwies sich die Überholung des Getriebes. Bei zwei Firmen fragte er an. Der erste Betrieb zeigte sich wenig begeistert. In Kapplers Mercedes ist das ältere Automatikgetriebe des Typs 722.1 montiert, was sich offenbar nicht so einfach überholen lässt wie das danach verwendete Bauteil. Die zweite beauftragte Firma sah zunächst keine Probleme, schaffte es dann aber erst im zweiten Anlauf, ein halbwegs zufriedenstellendes Ergebnis zu liefern. Das Getriebe schaltete nun so, wie man es in einem Mercedes erwartet. Doch ein Manko blieb - der zum Glück nur selten benötigte erste Gang des vierstufigen Planetengetriebes ließ sich nicht mehr einlegen.

Der Monteur konnte das Rätsel nicht lösen, weder eine sehr temperamentvolle Probefahrt noch langes Herumprobieren brachten ihn weiter. Nach vier Wochen gab er entnervt auf und gewährte notgedrungen einen ordentlichen Rabatt. Im Rahmen des Getriebewechsels hatte Kappler übrigens auch die hintere Kurbelwellendichtung des Motors erneuern müssen. Als nämlich die Motor-/Getriebeeinheit beim Ausbau schräg am Kran hing, plätscherte plötzlich Motoröl wie ein kleiner Wasserfall zu Boden. Als Leckstelle wurde die Kurbelwellendichtung ausgemacht, deren Austausch Kappler etliche Schrauberstunden bescherte. Dazu drehte er das ausgebaute Triebwerk auf den Kopf. Er demontierte alle an der Unterseite vorhandenen Anbauteile, nahm beide Ölwannen ab, baute Ölpumpe, Kurbelwellen-Riemenscheibe und Steuerkettenspanner aus, öffnete die Steuerkette und entfernte Pleuellager- sowie Hauptlagerdeckel.

Jetzt konnte er die Kurbelwelle herausnehmen und hatte endlich Zugang zum hinteren Kurbelwellendichtring. Beim späteren Zusammenbau gönnte er vorsorglich dem Motor noch einen neuen Anlasser und eine neue Wasserpumpe - man weiß ja nie. Die mehrjährige Restaurierung und die diversen Pannen sieht Kappler heute als einen Gewinn an Erfahrung: "Ich habe Dinge wie das Einstellen der Unterbrecherkontakte und des Zündzeitpunkts, die Fehlersuche am Vergaser sowie die Hintergründe der Abgasdiagnose und vieles mehr gelernt. Alles, was meiner Generation in der KFZ-Mechaniker-Lehre leider nicht mehr beigebracht wurde." Kein Wunder, dass ihm das Auto nun noch enger ans Herz gewachsen ist. Immer, wenn er damit einen Anstieg hinaufbraust, sieht er sich als Kind im Sandkasten sitzen und gespannt den grünen Mercedes verfolgen. Seiner frühen Liebe wird er wohl ewig die Treue halten.

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