Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Restaurierung Mercedes Benz 280CE

Rot ist die Liebe

21 Bilder

Es war die Farbe, die Jörg Ewering lockte. Das leuchtende Brillantrot Metallic ist selten bei einem W 123-Coupé. Weil das Auto zu verkaufen war, griff er zu - ohne zu ahnen, dass er damit am Beginn einer Restaurierung stand.

13.06.2007 Thomas Wirth Powered by

Von einem Mercedes träumen viele Jungs. Auch Jörg Ewering ging es so, als sein Vater 1972 einen Strich-Acht anschaffte. Zwölf war er damals. Nur acht Jahre sollte es noch dauern, bis er seinen ersten eigenen Mercedes fuhr.

Keine schlechte Wahl: W123 als Einsteigerauto

Damals, Ende 1980, traf er eine Wahl, die für einen 20-Jährigen höchst ungewöhnlich war: Er entschied sich für einen W 123. Es war ein 200er, im Dezember 1976 gebaut und aus erster Hand. 13.000 Mark kostete er damals. Viel Geld und doch wieder nicht, angesichts der jahrelangen Lieferfristen, mit denen sich Mercedes- Kunden einst abzufinden hatten.

Die Entscheidung war vorausschauend, denn Jörg Ewering hat den Wagen heute noch. Irgendwann stellte er seinen 200 in eine trockene Halle, komplett konserviert nach den Vorgaben, die Mercedes-Benz für solche Fälle macht.

"Der W 123 sollte zu meinem ersten Klassiker reifen, wie eine Flasche guter Wein", sagt er heute. Später war noch ein 280 SE aus dem Jahr 1981 dazugekommen, und 2002 weckte ein W 123-Coupé seine Neugier, das bei einem Autoteilehändler in Hofheim parkte. Das leuchtende Metallic-Rot erschien ihm merkwürdig, über die Geschichte der Baureihe wusste er inzwischen eine Menge. Aber ein Coupé in Brillantrot? Doch der Farbcode im Motorraum wies tatsächlich darauf hin.

Brillantrote Versuchung - und leider ein Blender

Seine 174.000 Kilometer hatte das Coupé beim ersten und einzigen Besitzer abgespult, der das Auto vom 16. Februar 1979 bis zum 12. Oktober 2001 ohne Unterbrechung angemeldet hatte. Bis auf 1.100 Euro senkte der Verkäufer seinen Preis. Dann schlug Ewering ein: "Wer hätte da Nein sagen können?", fragt der 46-Jährige, der im Außendienst eines Zulieferers technische Kunststoffe vertreibt, insbesondere an die Auto-Industrie.

Eine kurze Zeit fuhr Ewering den Wagen. Doch die Bläschen am Radlauf wuchsen deutlich schneller, als zu Befürchten stand. Zusammen mit Jochen Kleiner, einem Bekannten, untersuchte er den 280 CE bis ins Detail. Je weiter er sich hier in die Tiefe vorarbeitete, desto schlimmer wurde seine Ahnung. Stümperhaft waren Bleche in die Radhäuser eingesetzt worden, und virtuos schien allein die Bearbeitung der alles kaschierenden Dichtmasse zu sein.

Die Löcher wurden immer größer. Besonders ausgeprägt zeigten sich die Probleme auf der Fahrerseite. Hier hatte sich vermutlich schon früh ein Loch in die Stirnwand gefressen, durch das Wasser seinen Weg hinter die Pedale und bis in den Fußraum fand. Über Jahre gammelte hier das Blech unter Teppich und Dichtmatten.

Papierdünn zeigte sich das Blech, und der Fahrersitz wäre vermutlich in Kürze Richtung Fahrbahn durchgebrochen. Als sich auch die vorderen Enden der beiden Schweller angegriffen zeigten, war Jörg Ewering kurz davor, sein Projekt W 123-Coupé zu beenden.

Der Wagen hatte sich als klassischer Blender erwiesen. "Aber ich hatte schon so viele Teile gekauft, und so sagte ich mir: weitermachen." Nun hat auch Mercedes, wie viele Hersteller in den siebziger Jahren, die Rostvorsorge nicht besonders ernst genommen. Immerhin können Besitzer heute noch benötigte Blechteile bei jedem Händler als Ersatzteil kaufen.

Immerhin: Keine Ersatzteil-Probleme

Auch Jörg Ewering bestellte für je rund 260 Euro zwei neue Kotflügel. Ebenfalls neu ist der Deckel des Kofferraums, gebraucht dagegen die Beifahrertür. Damit das sanierte Coupé eine dauerhafte Resistenz gegen neuen Rost aufbauen konnte, konservierten Ewering und Kleiner nicht nur alle Hohlräume mit Wachs, sondern sie behandelten auch jede Schweißstelle.

In alle Bereiche, in denen das Blech in mehreren Lagen aufeinander traf, ließen sie vor dem Wachsen stark verdünnte Farbe laufen. Von außen schliffen sie den Lack vom Coupé-Dach. Einige Farbschichten lagen hier bereits aufeinander, allerdings war nie ein anderer Ton als das orginale Brillantrot aufgetragen worden. Diese rare Farbe erhielt das Coupé erneut. Nur der Gepäckraum trägt innen das orginale Schwarz, so wie bei allen Kofferräumen von Mercedes.

Rund 3.000 Kilometer ist Jörg Ewering bisher mit seinem brillantroten Coupé gefahren, und überaus positiv sei die Resonanz. Oft gehen Daumen nach oben. Und in einer Mercedes-Werkstatt wunderten sich Jüngere, weil sie keine Schnittstelle für ihren Diagnosestecker fanden. "Das war noch Qualität", brummte ein alter Meister dazu langsam nickend. Er hat Recht, ein Stück weit. Denn dass 123er gern rosten, lässt diese brillantrote Coupé inzwischen allzu leicht vergessen.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige
3D Felgenkonfigurator
Anzeige