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Restaurierung Porsche 924 Weltmeister (Martini)

Martini-Porsche neu aufgebaut

Porsche 924 Weltmeister, Martini, Heckansicht Foto: Fact 27 Bilder

Die Martini-Streifen haben es Dirk Ammann angetan. Kein Wunder, dass er mit Begeisterung einen aus den USA importierten Porsche 924 Weltmeister restaurierte.

30.10.2014 Bernd Woytal Powered by

"Mir haben schon immer die Martini-T-Shirts aus der Porsche Driver's Selection gefallen, denn ich finde das Streifen-Design klasse", gesteht Dirk Ammann. So wundert es nicht, dass bei einem Freundschaftsbesuch bei der Firma GT-Classic in Essen ein dort schon etliche Jahre eingelagerter spezieller Porsche seine Aufmerksamkeit erregte.

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Es handelte sich um einen 924, Sondermodell Weltmeister, meist Porsche 924 Martini genannt. Den passenden Wagen zum T-Shirt zu besitzen, erschien Dirk als reizvolle Vorstellung, und so entschloss er sich kurzerhand, diesen 924 zu kaufen.

Allerdings war das Auto nicht fahrbereit. Aufgrund einer defekten Zylinderkopfdichtung hatte sich Wasser in den Zylindern breitgemacht und für erhebliche Korrosionsschäden gesorgt, wie sich später herausstellen sollte. Dafür stammte der aus Texas importierte Porsche 924 Martini aus erster Hand und wies weder Unfall- noch auf den ersten Blick erkennbare Rostschäden auf.

Echtheitsprüfung

Besonders freute sich Dirk über die noch existierende Neuwagenrechnung mit dem Vermerk "World Championship Edition", weil sich damit die Echtheit des Porsche 924 Martini nachweisen lässt. "Denn von Porsche ist keine Geburtsurkunde erhältlich, mit der sich die Authentizität eines Martini belegen lässt, weil der Wagen bei Audi gebaut wurde und dort die entsprechende Dokumentation nicht vorliegt", erklärt der 47-Jährige.

Doch trotz aller Freude über die Rechnung stand er nun vor der Aufgabe, den Porsche 924 Martini wieder fahrbereit zu machen. Aber dem studierten Diplom-Betriebswirt bereitete das keine Sorgen. Schließlich blickt er auf viele Jahre Erfahrungen als Hobbyschrauber zurück. "Ich besitze sozusagen ein Ikea-Diplom", scherzt er. Schon als Jugendlicher schraubte er an Zweirädern, und im Alter von nur 19 Jahren richtete er sich mit Hilfe von Freunden einen 75er Porsche 911 her. Dieses rostige braune Targa-Modell hatte er sich von jenem Geld leisten können, das er während seiner Zeit beim Grenzschutz verdiente. "Da ich während der Ausbildung die meiste Zeit in der Kaserne verbrachte, bestand kaum Gelegenheit, den Sold auszugeben, und ich konnte ihn deshalb sparen", erklärt Dirk.

Auf jeden Fall war der Porsche 924 Martini nicht der erste Wagen, den er in der Mangel hatte. Die Restaurierung, sprich die Zerlegung des Porsche, startete er in der heimischen Doppelgarage. Die nötigen Arbeiten an der Karosserie erwiesen sich als überschaubar. Vorwiegend gab es kleine Beulen zu beseitigen, die der 924 während seiner Nutzung gesammelt hatte. Lediglich im Bereich der Batterie musste geschweißt werden.

Porsche-924-Martini-Streifen kommen aus Saalfeld

Allerdings gefiel Dirk die Optik dieses US-Modells mit den großen runden seitlichen Leuchten nicht. Diese entfernte er und ließ die Öffnungen zuschweißen. Dabei und bei manchen anderen Dingen halfen ihm die Schrauber der Firma Rudi Seher Motorsport in Riedlingen, in deren Räumen er auch später die Endmontage seines Wagens durchführen durfte. Speziell Herbert Burdak war ihm eine große Hilfe, mit dem er im Porsche 924 Martini an historischen Rallyes und Bergrennen teilnimmt.

Natürlich sollten die Stoßstangen und Stoßstangenhalter ebenfalls der Europa-Version des Porsche 924 Martini entsprechen. Die Lösung für dieses Problem ergab sich aus der Anschaffung eines Unfallwagens, der als Schlachtfahrzeug dienen konnte. Alle Vorarbeiten an der Karosserie führte Dirk übrigens selbst durch, lediglich das Lackieren überließ er einem Fachbetrieb.

Die Martini-Streifen bekam er von Sportwagentechnik & IT Consulting in Saalfeld, in der Szene meist in Anlehnung an die Webadresse kurz Werk924 genannt. Von dort konnte er auch Ersatz für die Porsche-924-Martini-typischen orangeroten Sitzbezüge bekommen, die durch die Sonneneinstrahlung stark an Farbe eingebüßt hatten.

Die Bodenteppiche und die Kofferraumauskleidung des Porsche 924 Martini gab es allerdings nicht zu kaufen. Hier half sich Dirk, indem er die Teppiche in mehreren Durchgängen penibel reinigte und entfettete und dann mit einer von einem Pelzhändler passend angemischten Farbe und der Sprühpistole nachfärbte – eine gute Idee.

Von Werk924 konnte er ferner ein sehr rares und üblicherweise mit Gold aufgewogenes Ersatzteil beziehen: ein nagelneues Armaturenbrett. Denn dieses neigt mit der Zeit zum Reißen, und nur bei ganz wenigen Porsche 924 Martini ist es noch intakt. Eine weitere Arbeit am Interieur bestand in der Umrüstung auf einen Kilometer-Tacho. Der kam ebenfalls aus dem Unfallwagen, musste aber vor dem Einbau instand gesetzt werden.

Porsche 924 Martini mit 124 PS

Das wichtigste aus dem Schlachtfahrzeug übernommene Teil war jedoch der Motor. Wie schon erwähnt, wies der eingebaute Vierzylinder im Porsche 924 Martini erhebliche Korrosionsschäden auf, und außerdem wollte sich Dirk nicht mit dessen schmächtigen 95 PS zufriedengeben. So hat er das Originaltriebwerk zwar aufgehoben, aber den 125 PS starken Europa-Motor eingebaut.

Allerdings musste die Maschine vor der Montage überholt werden. Zwecks appetitlicherer Optik wurde sie mit Glasperlen gestrahlt. Der Block wurde auf das erste Übermaß aufgebohrt, die Zylinder gehont. Dann tauchte das zweite größere Ersatzteilproblem bei der Restaurierung des Porsche 924 Martini neben der Beschaffung des Armaturenbretts auf: Die Kolben im ersten Übermaß waren nicht erhältlich. Dirk musste sie deshalb bei Kolben-Wahl anfertigen lassen, was nicht ganz billig war.

Unter Verwendung vieler Neuteile wie Thermostat, Zusatzluftschieber, Schläuche, Ventilführungen, Einspritzdüsen und -leitungen, Zündkabel und vielem mehr entstand ein frischer Motor für den Porsche 924 Martini, zu dessen eindrucksvollem Klang eine Edelstahlanlage von Friedrich Motorsport beitrug. Die musste allerdings modifiziert werden, weil Dirk statt eines ovalen ein rundes Endrohr wollte, wie es der Serie entsprach.

Porsche 924 Martini bekommt neuen Dämpfer

Im Verlauf der zweijährigen Restaurierung des Porsche 924 Martini schraubte Dirk seine Ansprüche immer weiter nach oben. Und so kam es, dass er viele Teile, die er anfangs als "noch gut" bewertet hatte, letztlich doch überholte.

Deshalb nahm er die Überholung des Fahrwerks entsprechend kompromisslos in Angriff. Radaufhängungsteile und den vorderen Achsträger entrostete er und ließ sie pulverbeschichten. Alle Buchsen und Gelenke wurden erneuert. Von Koni Classic besorgte er neue Dämpfer für den Porsche 924 Martini. Die Bremssättel entrostete er mit einer in die Bohrmaschine eingespannten Drahtbürste und revidierte sie mit einem Überholsatz. Die Bremsbeläge kamen ebenfalls neu.

Viel Mühe machte er sich mit der Aufarbeitung der vorderen Schraubenfedern. "Der Porsche 924 Martini hat ein Sportfahrwerk, das durch zwei rote Striche auf den Federwindungen gekennzeichnet ist", erklärt Dirk. Diese originalen Markierungen wollte er unbedingt erhalten, "und so habe ich um die Striche herumrestauriert", sagt er.

Verkauf nach Restaurierung

Die Endmontage verlief ebenso unproblematisch wie die gesamte Restaurierung. Die Frontscheibe sowie etliche Anbau- und Gummiteile kaufte Dirk neu, einige alte und noch intakte Gummiteile der Porsche-924-Martini-Karosserie konnte er durch längeres Einlegen in Weichspüler wieder geschmeidig machen.

Der eifrige Schrauber ist mit dem Resultat seiner Arbeit sehr zufrieden, dennoch überlegt er, den Wagen zu verkaufen. "Ich brauche wieder etwas zum Schrauben", erklärt er und deutet auf einen restaurierungsbedürftigen Porsche 924 Martini in seiner Garage – natürlich einer mit Martini-Streifen.

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