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Restaurierung Triumph Italia 2000

Triumph Italia 2000 Foto: Hardy Mutschler 18 Bilder

Auf die raue Basis des TR 3 montierte Vignale einst eine elegante Coupé-Karosserie. Ulrich Otth restaurierte einen von nur rund 300 gebauten Exemplaren des Triumph Italia 2000.

29.03.2007 Thomas Wirth Powered by

Aufgabe für den (Un-)Ruhestand

Er kennt, das gibt er zu, durchaus das Handwerk. Hat in den Sechzigern Automechaniker gelernt bei der AMAG, dem Schweizer Volkswagen-Importeur. "Doch das ist so lange her", sagt Ulrich Otth. Mit Autos wollte er seinerzeit beruflich nichts mehr zu tun haben. Sein Lebensweg war ein anderer.

Der Schweizer aus der Nähe von Zürich ging in die Werbung - wurde Kameramann, schließlich Redakteur und später Regisseur. "Ich wollte nicht, dass andere meine Geschichten erzählen", so die Rückschau. Heute ist er 65, und die letzten fünf Jahre waren seine ersten im Ruhestand. "Ich wollte in kein Loch fallen", sagt er und steht neben dem Objekt, das diese Gefahr nachhaltig zu unterbinden wusste: einem Triumph Italia, jenem Coupé, das Vignale auf Basis des TR 3 im Auftrag des italienischen Importeurs Salvatore Ruffino nur rund 300 Mal gebaut hatte.

Banale Technik in schöner Haut

Es heißt heute, Triumph selbst habe die italienische Schönheitsoffensive ausgebremst. Vielleicht, um den neuen TR 4 nicht zu torpedieren, der übrigens - wie der Italia - Giovanni Michelotti aus dem Zeichenstift geflossen ist. Ulrich Otth schätzt Triumph: "Die Technik ist natürlich banal. Doch ich mag den Vierzylinder. Sein Puls passt mir." Als Fingerübung hatte er, während er noch bei Live-Sendungen Regie für das Schweizer Fernsehen führte, bereits einen TR4 restauriert. Dann einen TR3. "Ich musste schließlich herausfinden", erinnert er sich, "ob ich ein solches Projekt über die Bühne bringe."

Es gelang ihm. Und er fand tatsächlich nicht nur Spaß am Restaurieren, sondern schließlich sogar eine Kleinanzeige, in der einer der raren Triumph Italia angeboten wurde. Das war im Jahr 2000, rund 19.000 Mark sollte der Überrest kosten. Ein klein wenig billiger wurde er noch, als der Spediteur beim Transport die Frontschürze verbeulte. "Von der wäre allerdings sowieso nicht viel zu retten gewesen", erzählt Otth.

Das ist letztlich kein Wunder. Von rund einem Dutzend Vorbesitzer berichten allein die italienischen Papiere, die Ulrich Otth vorliegen. Oder genauer: die nahezu unleserlichen Kopien der Kopien von Kopien, wie er sagt. "Sogar mit Hypotheken war der Wagen mal belastet." Fest steht: Vignale hat diesen Italia 1959 gebaut. Er trägt die Nummer 82 und zählt somit zu den Exemplaren, die noch auf dem TR 3A basieren.

Kleinstserien-Handarbeit

Alles ist frei geformte Handarbeit an diesem Wagen, wie Ulrich Otth schnell erfahren hat. Dabei passten schon bei einem Serien-Triumph jener Zeit die Karosserie- und Anbauteile oft nur mit viel gutem Willen zusammen. Doch erst Kleinstserien wie der Italia zeigen, was Karosseriehandwerk bedeutet. Simple Bandeisen halten den Kofferraumdeckel, und die gesamte Karosserie ließ Vignale von Hand klopfen. "Wie das genau geschah, weiß niemand", sagt Otth.

Klopfmodelle aus Holz jedenfalls sind nicht bekannt, und Kunden in den USA mussten beim Kauf sogar per Unterschrift anerkennen, dass der Hersteller für den Italia keine Teile liefern wird. Vignale griff zu relativ dickem Stahlblech. Die Karosserie, die auf das TR-Chassis gesetzt wurde, entsprach nahezu einer selbsttragenden Konstruktion, so steif war sie gehalten.

"Wenn Türen und Hauben ausgebaut sind", weiß Otth, "können vier Männer sie problemlos abheben." Entsprechend montierte er das steife Blechgerüst auf ein rollbares, solides Gestell, das ihm ein benachbarter Zimmermann aus Dachbalken gebaut hatte. Den Unterbodenschutz entfernte er mit heißer Luft, einem Spachtel und Geduld, weiter oben arbeitete sich ein Sandstrahlbetrieb vorsichtig durch Lack und Spachtel bis auf den Rost vor.

Modellierte Karosserie

Ulrich Otth achtete darauf, dass dabei nur die stabilen Randbereiche und Falze bearbeitet wurden - und nicht die sensiblen Außenflächen der Karosserie. "Verzug gab es keinen", so seine Bilanz. Nach dem unerbittlichen Sandstrahlen klafften Löcher im unteren Bereich der A-Säulen und entlang der Schweller. Hier und da zeugten mehrere Blechlagen von halbherzigen Reparaturansätzen.

Doch mehr wunderte sich Otth über eine andere Entdeckung: Die Menge an Spachtel, die das Blech trug. "Vignale muss allem Anschein nach die Karosserien mehr modelliert als gedengelt haben." Dennoch hatte er Glück. Große Teile des Italia-Aufbaus konnte er retten. Anfertigen und einschweißen ließ er bei einem Spengler jedoch neben neuen Schwellern auch einzelne Partien der Bodenbleche, Radläufe und Türen.

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