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Restaurierungslexikon (184)

Das Bad in der Menge

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Lack schützt. Doch er kann auch massiv stören, wenn es an die Sanierung des Blechs geht. Mit einer Tauchentlackung lässt er sich schonend entfernen.

17.10.2007 Thomas Wirth Powered by

Über manche Restaurierungsmethode wird gestritten, als ginge es um Lebensentwürfe. Zum Beispiel, wenn über die richtige Methode des Entlackens diskutiert wird. Auf den sanften Schliff von Hand schwört einer. Strahlen lässt der Nächste. Und der Dritte? Lässt seine Rohkarosse im Tauchbad vom Lack befreien.

Diese Methode ist mit Sicherheit eines: exotisch. Denn Becken in der Größe einer Autokarosserie sind selten, und so können nur wenige Betriebe diese Dienstleistung anbieten.

Vorurteile: Aggressiv und schädigend

Im Schussfeld der Bad-Kritiker steht die Flüssigkeit, in der die Bleche abtauchen. Aggressiv sei sie und schädigend, dazu verblieben Reste von ihr in den Hohlräumen und Falzen, wo sie in Folge üble Schäden anrichteten.

"Das stimmt nicht", sagt Volker Deller, Chef des Entlackungszentrums Zweibrücken. Er hat viele Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der professionellen Entlackung. "Die flüssigen Medien sind so beschaffen", sagt er, "dass sie zwar die Beschichtungen, aber nicht das Trägermaterial angreifen."

Meist verfügen die Hohlräume über Abläufe. Sollte dies von Haus aus nicht der Fall sein, werden nach Absprache mit dem Kunden entsprechende Löcher gebohrt, die später zugeschweißt werden müssen. Diese Bohrungen stellen sicher, dass auch Hohlräume gründlich geflutet werden und die Flüssigkeit problemlos ablaufen kann.

Vorteile: Alles wird entfernt, ohne die Oberfläche zu verändern

Beeindruckend sind die Vorteile, die eine Tauchentlackung bietet. Im Gegensatz zu Strahlen mit Sand, Korund oder sonstigen Medien werden selbst hartnäckiger Unterbodenschutz oder Pulverlacke entfernt, ohne die Oberflächenspannung oder die molekulare Struktur des Blechs zu verändern. Die Rautiefe verändert sich nicht, Beschädigungen sind ausgeschlossen.

Das Verfahren der Tauchentlackung baut auf zwei unterschiedliche Methoden. So gibt es zum einen auf rund 80 Grad geheizte Laugenbäder, die mit einem pH-Wert von über zwölf die Bindemittel des Lacks und des Spachtels angreifen und sie auf diese Weise unterwandern. Ein solcher Prozess dauert bis zu mehreren Tagen.

Ein zweiter Weg bietet die so genannte Softentlackung. Sie besteht aus speziellen Lösemitteln und eignet sich auch für Aluminium und verzinkte Bleche. In diesen Bädern beträgt die Temperatur rund 70 Grad. Auch für Stahlblech wären sie geeignet, allerdings haben sie einen gravierenden Nachteil: Sie sind rund dreimal so teuer wie Lauge. Für reines Stahlblech sind alkalische Bäder empfehlenswerter: Sie sparen viel Geld, ohne Schaden anzurichten.

Als Schlussbehandlung dient ein aufgesprühter Korrosionsschutz auf wässriger Basis. Er behält jedoch nur wenige Tage seine Wirkung. Eine Weiterbehandlung sollte deswegen rasch erfolgen, beispielsweise mit einer Grundierung.

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