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Restaurierungslexikon (191)

Luftfederung

Foto: Götz von Sternenfels 12 Bilder

Bis heute gelten Luftfederungen als Inbegriff des Luxus. Wie aufwendig die Systeme sind, zeigen sie besonders im Alter: Reparaturen sind teuer.

16.05.2008 Thomas Wirth Powered by

Luft kocht nicht, Luft gefriert nicht. Volkswagen bewarb den Käfer einst mit den unschlagbaren Vorteilen des Mediums. Dass Luft dagegen federn kann, spielte für das Massenobjekt Käfer keine Rolle.

In der Oberklasse war das anders. Anfang der sechziger Jahre lockten neben dem noblen Borgward P 100 verschiedene Mercedes-Modelle mit einem aufwendigen Luftfederungssystem, für das der Zulieferer Bosch verantwortlich zeichnete. Und Citroën bewies mit einer eigenen Lösung in der legendären DS, dass sogar eine Umsetzung in der Mittelklasse funktionieren kann.

Image technologischer Avantgarde

Der Preis dafür war und ist ein erheblicher Mehraufwand, den Wartung und Reparatur im Vergleich zu konventionellen Stahl-Fahrwerken erfordern. Viele Komponenten sind selten geworden und nur revidiert verfügbar.

Zudem sind ihre Preise, selbst in Relation zum Fahrzeugwert gesetzt, deutlich gestiegen. So kostet ein simpler Luftfilter, wie man ihn an einem Benzin-Rasenmäher erwartet, für das Mercedes- System heute bereits über 500 Euro. Wer einen neuen Kompressor benötigt, muss neben mehreren tausend Euro zudem Glück bei der Suche mitbringen. Dabei ist die Ursache seines Ausfalls banal: Oft ist ein zugequollener Ölschlauch schuld.

Doch trotz der exorbitanten Preise gibt es für Besitzer eines luftgefederten Mercedes oder Borgward Hoffnung: Auf dem freien Markt bieten Experten wie der Münchner Helmut Schattenkirchner überholte oder nachgefertigte Teile zu deutlich günstigeren Tarifen an - einen überholten Luftfilter zum Beispiel für 60 Euro. "Preiswert ist das System allerdings nie", sagt er.

Fehlersuche: systematisches Vorgehen

Mit einem Manometer lässt sich ein Druckverlust lokalisieren. Tritt er an der Vorderachse auf, wie es häufig der Fall ist, müssen die beiden Regelventile einzeln geprüft werden. Hinten ist es einfacher - hier gibt es nur eines. Zum exakten Orten einer undichten Stelle hilft ein Lecksuchspray.

Im Inneren dieser Niveau-Regelventile finden sich je ein Ein- und ein Auslassventil sowie ein Steuerkolben. Heute gibt es diese filigranen Teile als Nachfertigung. Sie lassen sich jedoch nur mit Spezialwerkzeug montieren und einstellen. Das Justieren muss unter Druck geschehen, zudem ist der Toleranzbereich eng.

Ist ein Luftfederungssystem dicht, kann ein Fahrzeug über Monate stehen, ohne dass es absinkt. Das allerdings ist selten der Fall, und die Autos ducken sich dann tief auf die Straße. Abgesunkene Fahrzeuge sollten jedoch nicht transportiert werden - meist geht etwas kaputt: Reifen schleifen im Radkasten, auch der Auspuff kann abreißen. Wenn sich der Wagen nach dem Starten nicht automatisch hochpumpt, kann das System alternativ über ein Ventil befüllt werden.

Hierbei hilft ein neu konstruiertes Adapterstück enorm. Es erlaubt ein bequemes Aufpumpen über die seitlich im Motorraum sitzende Ventileinheit. Auch genügen hierbei, im Unterschied zu einer direkten Befüllung, bereits zehn bar Druck, um sogar einen Mercedes 600 anzuheben. Mehr steht in Werkstätten meist nicht zur Verfügung.

Wer wenig Erfahrung hat, sollte sich sein Engagement überlegen. "Die schwierigsten und teuersten Reparaturen sind immer die", sagt Helmut Schattenkirchner, "bei denen jemand ohne Sachkenntnis am System geschraubt hat."

Tipps & Adressen
Großartig, so eine Luftfederung - wenn sie funktioniert. Wenn nicht, was bei 40, 50 Jahre alten Systemen durchaus der Fall sein kann, empfiehlt sich folgender Plan: Ein gestrandetes Fahrzeug sollte erst dann abgeschleppt werden, wenn es aus seiner Tieflage befreit ist.

Zur mechanischen Fixierung dient ein spezieller Puffersatz. Auch anschließend ist es ratsam, Aktionismus zu vermeiden. Bevor teure Komponenten auf Verdacht getauscht werden, sollten der oder die Fehler lokalisiert werden. Und wer unter dem Auto arbeiten will, stützt die Karosserie mechanisch ab - es hat schon tödliche Unfälle gegeben. Kontakt: Helmut Schattenkirchner, Telefon 0 89/3 08 88 25.

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