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Retro Classics 2015 Marktbericht

Die Highlights vom Marktplatz

Retro Classics 2015, Marktübersicht Foto: Kai Klauder 90 Bilder

Überraschung auf der Retro Classics 2015: Hier gibt es viele realistisch eingepreiste Klassiker zu kaufen. Wir haben uns mit Frank Wilke vom Marktbeobachter classic-analytics umgesehen.

26.03.2015 Kai Klauder Powered by

Ich treffe mich direkt zu Beginn des Retro Classics um 11.00 Uhr mit Frank Wilke, um einen ersten Überblick über das Angebot zu bekommen. Und Wilke kennt sich aus - er ist Geschäftsführer des Marktbeobachters classic-analytics liefert seit Jahren die Preisnotierungen für Oldtimer und Youngtimer.

Wir machen uns - ausgehend von Halle 3, in der der Motor Klassik- und der classic-analytics-Stand zu finden sind - auf den Weg und treffen gleich auf mehrere Autos, die deutlich zu hoch angesetzt sind. "Da haben wir die Messepreise. Die sind oft nach dem Motto: 'Da probier' ich es halt mal aus", sagt Wilke.

Einmal fühlen, wie Marty McFly

Doch keine 10 Meter weiter parkt ein auffälliger, weil selten anzutreffender Nash Metropolitan 2D Coupé von 1961. "Der ist in einem super Zustand", merkt Wilke schon nach wenigen Blicken, "doch der Preis von 23.950 Euro ist recht hoch, normal notiert der etwa bei 17.000 bis 18.000 Euro. Unrealistisch ist der Preis jedoch nicht. Da muss man halt jemanden finden, der so etwas mag. Es wird wohl niemand aufstehen und sagen: 'Ich geh heute zur Retro und kauf mir einen Nash." So ein Auto läuft einem zu - oder die Frau sagt: 'Ach Gott ist der süß, den will ich haben. Das ist genau wie mit dem De Lorean DMC-12, den kauft ja auch keiner, weil er so toll fährt, sondern weil er sich fühlen will, wie Marty McFly im Film:"

US-Autos sind salonfähig geworden

In Halle 3 parken viele US-Klassiker - und diese sind durchaus interessant für den Markt. "Amis sind salonfähig geworden, sagt Wilke, "die Zeiten, als es hieß 'viel Motor für wenig Geld' sind vorbei. Das schlechte Image haben die US-Autos abgelegt." Wir kommen zu einem Ford Thunderbird Landaulet mit gegenläufig öffnenden Türen und großem Faltdach. Der Wagen ist original, aus erster Hand mit 125.000 km und kommt aus der Schweiz.

Frank Wilke ist mit dem Ami zufrieden: "Das ist eine gute Kombination, denn die Schweizer haben eine ganz andere Pflegementalität, die kümmern sich besser um ihre Autos. Zudem ist der Schweizer MFK, das Äquivalent zum deutschen TÜV viel strenger. Die 13.900 Euro gehen voll in Ordnung."

Auch der nächste Thunderbird, ein seltener Roadster mit 6,4-Liter-V8 von 1966, ist realistisch eingepreist. 40.000 Euro soll er kosten. "Die Leute wollen zeigen, dass sie etwas besonderes haben - und bei diesem T-Bird trifft das voll zu", meint Wilke.

Die 4 Ausschlusskriterien der Cobra-Replica

Schwieriger ist das schon beim nächsten Kandidaten, einer Cobra-Replica von 1990 mit 344 PS starkem Corvette-V8 und 6-Gang-Schaltgetriebe. "Das Problem bei solchen Autos ist, dass der Erstbesitzer den Wagen nach seinen Vorstellungen und Wünschen gebaut hat - oder bauen hat lassen. Doch wer will das heute noch in dieser Kombination haben?", fragt Wilke. Die geforderten 56.900 Euro sind ihm deutlich zu hoch: "Bei Ende 30-Tausend muss Schluss sein."

Wilke nennt dann noch die vier Todeskriterien einer Cobra-Replica: "1. Automatik, 2. Chevy-Motor, 3. Rechtslenker und 4. GFK-Karosserie - sowas darf nie mehr als 30.000 Euro kosten und ist eher etwas für Einsteiger:"

Zwei Sonderfälle: E24 und W124

Der Preisexperte findet bei dem reichhaltigen Angebot zwei Sonderfälle. Zum einen ist das der 6er BMW der Baureihe E24. Normalerweise sind immer die älteren Exemplare auch die teureren, doch beim E24 ist das anders: "Da sind die späteren Modelle viel gesuchter - und auch meist teurer. Denn die Motoren und das Fahrwerk sind besser, die Karosserie ist bei den späteren Modellen deutlich besser gegen Rost geschützt. Die frühen Vergasermotoren sind nicht so prickelnd."

Zum anderen ist das das T-Modell des Mercedes 124: "Da gibt es den seltenen Fall, das Kombis teurer sind als die Coupés. Sogar die Limousinen sind oft teurer", erklärt Wilke. Die Kombis wurden oft in dritter oder vierter Hand als Arbeitstiere verheizt, gute Exemplare gibt es kaum noch - und gerade Luxus-Kombis wie der S124 sind heute stark angesagt."

Porsche-Preisexplosion

Kommen wir zur viel diskutierten Porsche-Preisexplosion. Wie etwa beim 911 RS 2.7, der innerhalb von 12 Monaten seine Preisnotierung von 290.000 Euro auf 552.000 Euro fast verdoppelte. "Also die Preisentwicklung bei einem Oldtimer ist nie gleichmäßig, das geht mal schnell nach oben, mal langsam. Und gerade der Preisverlauf bei Porsche ist in den letzten 7 Jahren sehr atypisch. Der RS ist gerade en vogue - und wenn schon der einfache Mensch auf der Straße weiß, dass so ein RS etwas Besonderes ist, kann es zu solchen Preissprüngen kommen."

Alfa Montreal auf gutem Weg

Wir kommen zu einem Alfa Montreal und jetzt ist etwas von Frank Wilke zu hören, was eher ungewöhnlich ist: "Da haben wir ein schönes Beispiel für ein Auto, dass endlich das kostet, was es wert ist. Lange war der Montreal viel zu niedrig gehandelt worden, jetzt liegen gute Exemplare bei rund 70.000 bis 80.000 Euro."

Doch die Schere zwischen der Zustandsnote 2 und 4 geht bei diesem Modell extrem weit auseinander. Viele Besitzer wollten ihren Wagen nicht für einen so niedrigen Preis wie in den letzten Jahren hergeben. Manche haben ihn einfach weggestellt, manche sind ihn einfach weitergefahren.

3 Klassiker von Morgen

Nun entdecken wir noch drei Autos, die das Potenzial für den Klassiker von Morgen haben: Zum einen ist das ein Artega GT. "Der nur rund 130 mal gebaute Wagen wurde als Alternative zum 911 angepriesen - und da ist auch etwas dran", schätzt Wilke, "die Technik samt V6 von Audi, in Deutschland konstruiert und gebaut." Auf der Retro Classics steht ein 2010er-Exemplar mit 27.000 km auf der Uhr aus 2. Hand für 57.900 Euro. "Der Preis wirkt realistisch", so Wilke.

In der Nachbarschaft parken zwei BMW Z8. "Diese Autos sind schon jetzt - rund 15 Jahre nach ihrem Erscheinen schon teurer als neu", weiß der Preisexperte. "Interessant ist übrigens, dass die Alpina-Modelle noch etwas höher notieren, obwohl sie weniger Leistung haben." Denn der Alpina Z8 leistet 381 statt 400 PS, kommt dafür aber mit einer Automatik und etlichen Detailänderungen. Die beiden BMW Z8 der Retro Classics haben deutlich weniger als 20.000 km auf der Uhr und kosten 179.000 sowie 189.000 Euro.

Wer sich noch etwas gedulden kann und bis dahin einen 420 PS-Sportler fahren möchte, sollte sich den Porsche 996 Turbo anschauen, der mit 101.000 km Laufleistung angeboten wird. Der USA-Import mit Vollausstattung bekam einen neuen Turbolader spendiert und soll 39.900 Euro kosten. Noch, muss man sagen, denn die Retro Classics geht noch bis zum Sonntag - und einige Preise werden noch fallen.

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