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Risiko Landstraße

Foto: ams 5 Bilder

Auf Landstraßen passieren fünf Mal so viele tödliche Unfälle
wie auf Autobahnen. Doch nur zwei Bundesländer nutzen
konsequent alle Möglichkeiten, dort Unfallschwerpunkte zu
entschärfen.Wo sind Deutschlands gefährlichste Straßen?

13.04.2007 Brigitte Haschek

Es war ein schwarzer Tag auf der bayerischen Staatsstraße 2069: Um 06:26 Uhr prallt ein mit Arbeitern besetzter VW Transporter nach einem Überholmanöver kurz vor Unterbrunn frontal auf einen entgegenkommenden Müllwagen. Vier Menschen lassen bei dem Unfall ihr Leben, drei werden schwer verletzt. Nur vier Stunden später müssen die Rettungskräfte erneut ausrücken: Bei der Zufahrt auf die 2069 von der A 96-Anschlussstelle Gilching kollidiert ein Renault Clio mit einem VW Golf. Die Wucht des Aufpralls schleudert den Golf gegen einen herannahenden Lkw, der den Wagen 20 Meter weit in die Böschung katapultiert. Die Notärzte haben vor Ort zwei Schwerverletzte zu versorgen, für die Golf-Fahrerin kommt indes jede Hilfe zu spät.

Es kommt alles zusammen was riskant werden kann

Der nur drei Kilometer lange Streckenabschnitt der Staatsstraße 2069 zwischen der Autobahnausfahrt Gilching und Unterbrunn Richtung Starnberg ist berüchtigt. Binnen 36 Monaten allein im Zeitraum zwischen 2003 und 2006 ereigneten sich dort 14 Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, und 20 Karambolagen mit schwerem Sachschaden. Die Unfallkosten summierten sich auf fünf Millionen Euro. "Auf dieser Strecke kam eigentlich alles zusammen, was riskant werden kann", sagt Volker Spahn von der bayerischen Zentralstelle für Verkehrssicherheit der Straßenbauverwaltung in München.

Hohe Verkehrsbelastung, schmale Fahrbahn, enge Kurven, ausgefahrenes Bankett, wenig griffiger Belag und jede Menge Bäume links und rechts lesen sich in der Unfalltypen- Analyse so: Auf freier Strecke ereignen sich auffällig viele Unfälle beim Überholen oder weil die Fahrer - meist bei Nässe - von der Straße abkommen. Im Bereich des Autobahnanschlusses Gilching häufen sich dagegen Karambolagen, die beim Einbiegen oder Kreuzen passieren. Der Knotenpunkt, wie es im Straßenbauer-Jargon heißt, hat eine verwirrende Verkehrsführung und ist schlecht zu überblicken. Die Problemstrecke 2069 zählte zu jenen etwa 1.500 Unfallschwerpunkten auf bayerischen Landstraßen, die pro Jahr von der Zentralstelle für Verkehrssicherheit ermittelt werden.

Risikostrecken werden überwacht

Als Risikostrecke gilt ein Abschnitt, wenn dort binnen 36 Monaten drei Unfälle mit Toten oder Schwerverletzten passierten - die Polizei meldet die Daten im Monatstakt elektronisch direkt an die Zentralstelle. "Ist eine auffällige Strecke erkannt, gehen diese Informationen an die örtliche Unfallkommission", sagt Volker Spahn. Diese habe dann ein halbes Jahr Zeit, um das Unfallgeschehen zu analysieren und Gegenmaßnahmen vorzuschlagen und einzuleiten. Die Umsetzung wird von der Zentralstelle regelmäßig überprüft.

Gefahr erkannt, aber noch lange nicht gebannt: Als Sofortaktion wurde auf der Staatsstraße 2069 bereits vor vier Jahren Tempo 70 und Überholverbot angeordnet. Mittlerweile ist der Maßnahmen-Katalog der Unfallkommission abgearbeitet: Straßenbelag und Bankett auf der Hauptstrecke von der A 96 zum Starnberger See sind erneuert. Und die unfallträchtige Kreuzung am Autobahnanschluss Gilching ist zum Kreisverkehr umgebaut.

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