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Restaurierung

Risse in GFK-Karosserien reparieren

1206 Restaurierungslexikon GFK-Karosserien Foto: Götz von Sternenfels 11 Bilder

Blech knautscht,wenn es kracht. Kunststoffkarosserien dagegen reißen. Reparaturen sind nicht kompliziert, werden aber oft sorglos erledigt.

30.01.2007 Thomas Wirth Powered by

Einfaches Material mit vielen Vorzügen

Die Briten haben sie schon früh geliebt. Die Rede ist von Karosserien aus glasfaserverstärktem Kunststoff - kurz GFK. Sie rosten nicht, sind leicht und, besonders wichtig, generell ohne immense Investitionen in Maschinen zu fertigen.

Es ist ein simpler Werkstoff, der viel leistet. Seine Basis ist ein chemisch aushärtendes Harz, üblicherweise auf Polyesterbasis. Für die nötige Festigkeit sorgen Glasfasern, die in einer Matte eingebunden oder zu einem Gewebe verwoben sind. Mit einfachstem Werkzeug lassen sich diese beiden Komponenten unkompliziert und schnell verarbeiten.

Typische Fehler bei eigentlich einfacher Reparatur

Auch Reparaturen stellen deutlich geringere Ansprüche als Karosserien aus Blech oder gar Aluminium. "Doch immer wieder tauchen typische Fehler auf", sagt Ruedi Merz, Experte für GFK-Karosserien aus Oberrieden bei Zürich, "oft werden neue Laminatschichten ohne jede Vorbereitung aufgebracht." Da Öl und Schmutz als zuverlässige Trennmittel wirken, platzt die neue Schicht leicht ab, wenn man den Test mit einem Stechbeitel wagt.

Doch nicht nur sorgfältiges Reinigen und Entfetten werden gern vergessen. Auch die angewandte Methodik erweist sich oft als wenig tragfähig: Selbst Werkstätten schließen Risse nicht selten mit ein, zwei schnell auf die Innenseite aufgebrachten Laminatschichten. Von außen folgt ein Zug Spachtelmasse – fertig. Sogar komplette Karosserieteile wie Kotflügel oder Frontmasken werden teilweise so angebracht. Das kann nicht halten.

Richtige Materialwahl

Auch das Material wird oft falsch gewählt. Denn GFK-Matten und Polyesterharz verkauft jeder Baumarkt, ihre Qualität muss auch nicht in Zweifel gezogen werden. Doch meist sind diese Glasfasermatten so dick, dass sich mit ihnen zwar ein Schwimmbecken reparieren lässt, sie sich aber weniger für den Karosseriebau eignen, wo Formdetails und Oberflächenqualität zählen.

Auf Ober- und Unterseite laminieren

Wesentlich günstiger ist es, mehrere Schichten eines leichteren, dünnen Gewebes zu verarbeiten. "Gut eignen sich Flächengewichte von 150 Gramm pro Quadratmeter", sagt Ruedi Merz. Vier bis sechs Lagen können dann nass in nass auflaminiert werden, und zwar nicht nur auf der Ober-, sondern auch auf der Unterseite des Karosserieteils. Wenn die Kanten des Gewebes nicht geschnitten, sondern über ein Stahllinieal gerissen werden, fällt später das nötige Schleifen einfacher.

Das mit der passenden Menge Härter versehene Harz sollte die Matten gut sättigen. Beim Einsatz von zu wenig Harz werden die Glasfasern nicht richtig eingebunden, außerdem steigt die Gefahr von Lufteinschlüssen. Mit speziellen Rillenwalzen wird das Glasfasergewebe anschließend gut entlüftet. Das ist ein wichtiger Schritt: Weil sich Luft bei Erwärmung ausdehnt, könnten Blasen den Lack und das Laminat beschädigen.

Schrumpfung beachten

Oft vernachlässigt beim Umgang mit GFK wird der Faktor Schrumpfung. Das Harz verliert im Lauf der kompletten Aushärtung rund 8 % seines Volumens. Auch die auf die Reparaturstelle aufgebrachte Spachtelmasse schrumpft. Sie hat insbesondere die Aufgabe, die kleinen Krater zu füllen, die beim Laminieren an der Oberfläche entstehen.

Ruhepause vor Lackaufbau

"Es ist ideal", empfiehlt Ruedi Merz, "einer GFK-Reparatur mehrere Wochen Ruhepause vor dem Lackaufbau zu gönnen." Nur so kann man davon ausgehen, dass weder das Laminat weiter absackt noch sich Struktur oder Schleifrillen bis in den zu früh aufgetragenen Lack durchzeichnen werden. Besonders bei dunklen Farbtönen fällt das störend auf.

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