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Top 10 Nürburgring-Kurven von Walter Röhrl

Röhrls Lieblingskurven auf der Nordschleife

Walter Röhrl, Portrait Foto: Archiv 11 Bilder

Walter Röhrl weiß nicht, wie viele Runden er auf der Nürburgring-Nordschleife gefahren ist, aber auch nach Hunderten von Umläufen wird dem zweimaligen Rallye-Weltmeister der 21 Kilometer lange Eifelkurs nicht langweilig. Hier enthüllt Walter Röhrl seine persönlichen Top-Ten-Kurven auf der Strecke, die auch ein Rallye-Crack als Herausforderung empfindet.

17.06.2013 Markus Stier Powered by

Platz 10 - Antoniusbuche: „Furcht Einflößend“

Die schnelle Links nach der Döttinger Höhe ist nicht schön zu fahren, aber Furcht einflößend. Mit den neuen Autos ist die Passage immer spannend. Im Porsche 918 fährst du da mit Tempo 311 durch. Der Rekord im Porsche GT2 RS liegt bei 315 km/h. Im Prinzip geht der Abschnitt voll, aber die Anfahrt ist ziemlich wellig. Wenn das Fahrwerk nicht optimal ist, geht’s nicht. Du musst erst 80 Meter vor der Kurve einlenken, aber du bereitest dich schon einen Kilometer vorher vor und redest mit dir selbst: „Nein, du lupfst nicht. Du lässt stehen.“


Platz 9 - Schwalbenschwanz: „Hier spürst du die Balance“

Wenn ich vom Schwalbenschwanz rede, meine ich nicht das kleine Karussell, sondern den Beginn der Passage. Es ist nicht so leicht, den richtigen Einlenkpunkt zu finden, weil du den Scheitelpunkt nicht sehen kannst. In der Rechts-Links-Kombination fühlst du sehr gut die Balance eines Autos – wie es einlenkt, wie viel Grip es hat. In der Rechts musst du möglichst weit innen bleiben, damit du die Links optimal erwischt. Wenn nicht, rasselst du ins Kiesbett. Du weißt immer erst am Schluss, ob die Linie gepasst hat. Das ist der Reiz an dieser Ecke.

Platz 8 - Aremberg: „Schneller als gedacht“

Wenn ich früher über die Kuppe vom Schwedenkreuz kam, bin ich immer weit rechts gefahren. Doch seit die Strecke links nicht mehr so wellig ist wie früher, kann man ganz normal auf der linken Seite bremsen. Die folgende Rechtskurve von Aremberg sieht eng und langsam aus, geht aber trotzdem im dritten Gang. Du musst früh auf dem Gas sein, um den Schwung in die Fuchsröhre mitzunehmen. Wenn es geht, bleibe ich vom äußeren Randstein weg, weil er so steil ist. Wenn dir allerdings am Ausgang die Straße auszugehen droht, kannst du dich dort anlehnen.


Platz 7 - Wehrseifen: „Nicht ungefährlich“

Die Dreifach-Rechts vor der engen Wehrseifen-Kurve ist eine heikle Passage, weil du erst in der dritten Kurve weißt, ob du auf der richtigen Linie warst. Die Ecke ist schnell und nicht ungefährlich, aber es ist nicht die Gefahr, die den Reiz ausmacht. Die Straße hängt ein bisschen nach außen. In der ersten Rechts musst du weit weg vom Innenrand bleiben, wenn du vor der dritten Kurve schon innen bist, geht dir am Ausgang die Straße aus. Du merkst erst ganz spät, ob die Linie perfekt war, und du freust dich jedes Mal aufs Neue, wenn es klappt.

Platz 6 - Flugplatz: „Eine heiße Stelle“

Du kommst mit hohem Tempo über die Kuppe nach der Quiddelbacher Höhe, und die folgende Doppelrechts am Flugplatz lässt sich in einem Radius fahren. Der Ausgang ist beim Einlenken nicht zu sehen, das verleitet manche, zu früh einzulenken, doch dabei wird das Auto schnell unruhig – dann wird’s gefährlich. Der Flugplatz ist eine wirklich heiße Stelle. Wenn du da schnell durchfährst, geht das Auto auf dem Weg zum Schwedenkreuz richtig ab. Du kannst am Tacho ablesen, ob du sie optimal erwischt hast – im GT3 hast du dann am Schwedenkreuz Tempo 290 auf der Uhr.


Platz 5 - Adenauer Forst: „Etwas für Insider“

Die Stelle ist tricky, wenn man sie nicht kennt. Du versuchst die Links nach der Fuchsröhre von außen in einem langen Bogen zu fahren, um mit viel Schwung durch die steile Rechts zu kommen. Ich halte auf die Links-Rechts-Kombination auf der Kuppe möglichst gerade zu und fahre sie eher eckig an. Es gibt dort mehrere Linien. Wenn du die abschließende Passage optimal erwischt, brauchst du den äußeren Randstein nicht. Weil du bei der Anfahrt eigentlich nichts sehen kannst, fühlst du dich wie ein absoluter Insider, wenn alles gepasst hat.


Platz 4 - Pflanzgarten 2: „Große Herausforderung“

Du darfst dich in der Linkskurve auf der Anfahrt nicht nach außen tragen lassen, denn du musst den zweiten Teil des Pflanzgartens von ganz links außen anfahren. Denn hinter der großen Kuppe fällt die Straße nach rechts, dann wieder nach links und wieder rechts. Die Passage ist ziemlich schnell, du stürzt dich mit Tempo 200 über die Kante, dabei weißt du vor der Kuppe gar nicht, wo es eigentlich hingeht. Das ist schon eine große Herausforderung. Der Sprung selbst gibt mir nicht so viel, da war ich als Rallyefahrer schon anderes gewöhnt.

Platz 3 - Hatzenbach: „Sehr exakt zu fahren“

Die Hatzenbach-Passage ist nicht besonders schnell, aber dennoch sehr anspruchsvoll und interessant zu fahren, weil hier gleich vier Kurven miteinander verbunden sind. Davor geht es schnell bergab – es ist zunächst wichtig, den Eingang für diese Rechts-Links-Rechts-Links-Kombination richtig zu erwischen. Der schwierige Teil liegt darin, dass man im Hatzenbach sehr exakt fahren und sein Tempo gut dosieren muss. Wenn du zu schnell bist oder einfach die Linie zu Beginn nicht stimmt, bist du in jeder folgenden Kurve mit dem Einlenken zu spät dran – damit verlierst du immer mehr Zeit und Schwung. Das Problem ist: Zwischen den Kurven existiert keine noch so kurze Gerade, wo du deine Linie korrigieren könntest.


Platz 2 - Ex-Mühle: „Das Auto Muss rutschen“

Eine sehr spezielle Ecke, in die du möglichst schnell reinmusst, sonst verhungerst du an dem steilen Bergaufstück. Wenn du schnell genug aus dem Linksbogen über der Breitscheider Brücke kommst, fängt das Auto beim Einlenken nach rechts an zu driften. Kommst du am Berg in die Kompression, hört das Rutschen auf und du kommst mit dem optimalen Schwung über die Kuppe. Wenn es nicht klappt, verlierst du bis zum Bergwerk.

Platz 1 - Pflanzgarten: „Da tobt das Volk“

Wenn du von oben mit Vollgas da runterkommst und am Pflanzgarten all die Leute stehen siehst, das ist schon toll. Wenn es regnet, geht das Auto oben in der Eiskurve quer, da siehst du schon von Weitem, wie das Volk tobt. Das macht so einen Spaß. Knifflig ist die Kuppe vor dem Einlenkpunkt. Du musst 30 bis 40 Meter zuvor bremsen. Dann die Bremse lösen, wenn das Auto leicht wird und noch einmal kurz bremsen, bevor du einlenkst. Du fährst im dritten Gang durch die Rechtskurve, und wenn alles passt zügig in den Vierten und Fünften – alles Vollgas. Da geht einem jedes Mal das Herz auf.

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