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Uhren-Extra

Rolex Milgauss

Rolex und der Rennsport Foto: Imago 5 Bilder

Extremisten sind oft Exoten. Die Rolex Milgauss, die sogar extremen Magnetfeldern widersteht, galt eher als Ladenhüter. Doch seit ihrem Comeback ist die „Rolex für Ingenieure“ zum Bestseller avanciert.

30.03.2011 Martin Häußermann

Es gibt Dinge im Leben, die sollte man nicht ändern. Eine Rolex trägt zwingend eine Krone auf dem Zifferblatt. Und bei einer Milgauss ersetzt ein rotierender Blitz den klassischen Sekundenzeiger. Das war schon 1956 so, als die Genfer die erste Milgauss
präsentierten. Der Blitz steht für eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Magnet-feldern – ebenso wie die Typbezeichnung, die sich aus der französischen Abkürzung für Tausend (mil) und dem Nachnamen des deutschen Physikers Carl Friedrich Gauß zusammensetzt.

Die Modellbezeichnung ist aber nicht nur schöner Schein, sondern handfest belegt. Am 10. August 1970 bestätigte das European Centre for Nuclear Research (Cern) die Sicherheit der Uhr gegenüber Magnetfeldern von bis zu 1000 Gauß. In einen Kernspintomografen sollte man sich mit der Uhr nicht unbedingt legen, aber alles andere hält sie aus – von Zündspulen bis Radnabenmotoren. Und das ist gut so. Schließlich sind Magnetfelder in der Lage, den Gang einer Uhr zu beeinflussen.

Die Magnetisierung insbesondere der Hemmungspartie – also Unruh, Spirale, Ankerrad und Anker – verursacht Gangabweichungen, im Extremfall bis zum vollständigen Stillstand des Uhrwerks. Aus diesem Grund spendierte Rolex der Milgauss ein antimagnetisches Innengehäuse aus Weicheisen, das das Automatikkaliber 1065M (später Kaliber 1066M und 1080M, alle abgeleitet vom Basiskaliber 1030) gegen Magnetfelder abschirmt und durch einige Uhrwerkskomponenten aus amagnetischen Materialien ergänzt wird.

 Entsprechend definiert Rolex auch die Zielgruppe:  Naturwissenschaftler,Tech- niker und Ingenieure, die bei ihrer Arbeit immer wieder mit starken Stromerzeugern und Magnetfeldern zu tun haben.

Äußerlich zeigt die erste Milgauss ihre Verwandtschaft zur Submariner – unter anderem durch eine Drehlünette und die Gehäuseform. Sie ist jedoch größer, weil der Weicheisen-container noch untergebracht werden muss. Mitdem Modellwechsel im Jahr 1963 verliert die Milgauss nicht nur den Drehring ums Glas, der durch eine schlichte polierte Lünette ersetzt wird, sondern mit der Referenz 1019 mit dem Chronometer-Automatikwerk 1580 fehlt vor allem der charakteristische Blitzzeiger und damit auch das sichtbare Zeichen, warum man für diese Uhr mehr Geld ausgeben muss als für andere Rolex-Oyster-Modelle. Weil sich das vielen Menschen nicht erschloss, wurde die Milgauss fortan in für Rolex eher homöopathischen Stückzahlen verkauft und 1988 schließlich ganz eingestellt.
Das freut den Sammler von heute, dessen Schätzchen im Wert gewaltig kletterten. So erzielte ein erstklassig erhaltenes Exemplar aus dem Jahr 1967 inklusive Original-verpackung und Papiere (siehe Foto auf dieser Seite) beim Mannheimer Auktionshaus Dr. Crott vor wenigen Jahren einen Verkaufspreis von rund 37 000 Euro, das Ur-Modell Referenz 6541 mit Drehring brachte gar 50 000 Euro.

 Dieser neue Sammlerkult um die einst wenig beliebte Milgauss  bestärkte wohl die Verantwortlichen, es noch einmal mit diesem Modell zu versuchen. Und zwar in aller Konsequenz. So konstruierte Rolex für die Referenz 11640, die 2008 herauskam, einen Weicheisencontainer mit verschraubtem Innendeckel, der genau zwei Öffnungen auf- weist – für die Aufzugs- und Zeigerwellen. Auf ein Datumsfenster wurde wegen optimaler Abschirmung verzichtet. Zudem erhielt das chronometergeprüfte Automatik-kaliber 3131 ein paramagnetisches Hemmungsrad sowie die rolexeigene blaue Parachrom-Spirale. Und schließlich bekam sie wieder einen Blitzzeiger – das alte Zeichen für den neuen Publikumsmagneten.

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