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Rolls-Royce-Sammlung

Berühmte Sammlung unter dem Hammer

Rolls-Royce-Sammlung Foto: press-inform / Sebastian Viehmann 24 Bilder

Das tut jedem Luxus-Fan in der Seele weh: Eine der berühmtesten Rolls-Royce-Sammlungen der Welt kommt unter den Hammer. Damit geht auch ein faszinierendes Museum mitten in Deutschland verloren.
 

05.09.2009

Wir schreiben das Jahr 1968. Die Welt ist im Aufruhr, die politische Landschaft wird durcheinander gewirbelt, freie Liebe ist das Ideal und das Establishment der böse Feind. Doch der 24-jährige Werkzeugmacher Hans-Günter Zach hat ein Schlüsselerlebnis ganz anderer Art. Er starrt ruhig und gebannt auf den Rolls-Royce Silver Shadow, den sein Chef gekauft hat.
 

Rolls-Royce-Sammler Hans-Günter Zach: Ein Selfmade-Millionär

"Ein Kühler wie ein Portal, wie ein klassischer Tempel geformt - Klassizismus in Reinform. Dieses Bild hat sich bei mir eingeprägt", erinnert sich Auto- und Architektur-Liebhaber Zach heute. "Ich habe mir damals gesagt: Du musst so hart arbeiten, dass du dir irgendwann auch einmal so einen Wagen leisten kannst", erzählt der Mann mit dem hessischen Akzent und dem ernsten Gesichtsausdruck. Hans-Günter Zach arbeitete hart, bildete sich weiter, baute einen Werkzeugmaschinenhandel auf und stieg ins Immobiliengeschäft ein. Es war der amerikanische Traum vom Selfmade-Millionär, nur dass er in einem kleinen Städtchen im Rhein-Main-Gebiet wahr wurde.

24 Rolls-Royce und drei Bentleys gehören zu der Sammlung

An Zachs 50. Geburtstag war es schließlich soweit: Der Unternehmer machte sich selbst ein Rolls-Royce Corniche II Cabrio zum Geschenk. Die schwarze Nobelkarosse mit den edlen Lederpolstern und dem auf Hochglanz polierten Armaturenbrett steht noch heute in seiner Sammlung. Von da an war Zach mit dem Sammel-Virus infiziert. Der Erlös seiner Immobiliengeschäfte brachte das nötige Kapital, und ein Rolls nach dem anderen fand den Weg in die Kollektion des Hessen. Vom Rolls-Royce Silver Ghost aus dem Jahre 1910 über Rolls-Royce Silver Clouds und Rolls-Royce Phantoms bis zum Rolls-Royce Corniche ist alles dabei, insgesamt 24 Modelle. Auch drei Bentleys dürfen sich zu den Rolls-Karossen gesellen.

"Stern von Indien" - das bekannteste Rolls-Royce-Sammlerstück

Jedes Auto hat seine eigene Geschichte. Etwa der grüne Rolls-Royce Phantom II von 1929, der für Seine Hoheit den Maharadscha von Rewa zum Jagdwagen umgerüstet wurde. Im Fond sind zwei doppelläufige Gewehre mit Lederriemen befestigt, und ein Tigerfell dient als Kopfstütze. Zachs berühmtestes Sammlerstück und wohl der bekannteste Rolls aller Zeiten ist der "Stern von Indien", ein Rolls-Royce Phantom II Continental Cabriolet von 1934. Benannt nach dem größten geschliffenen Sternsaphir der Welt, wurde das wuchtige Sechszylinder-Schiff für den Maharadscha von Raijkot angefertigt. Das safrangelb und ocker lackierte Gefährt diente als Staatslimousine und verfügte sogar über bewegliche Frontscheinwerfer - lange bevor die Autohersteller das Kurvenlicht als den neuesten Schrei feierten.

Das Ambiente in der Rolls-Royce-Sammlung ist das Besondere

Es ist jedoch nicht nur die Ansammlung von Raritäten und Einzelstücken, die die Faszination dieser Kollektion ausmacht. Selbst wenn man schon viele anderen Museen besichtigt hat, schleift in den Hallen von Hans-Günter Zach ständig die Kinnlade am Boden. Er hat die Fahrzeuge mit schönen Möbeln umgeben, drapiert auf Teppichen und mit zahllosen Schmuck- und Ausstellungsstückchen garniert. Reich verzierte Mahagoni-Schränke, eine mannshohe "Emily"-Kühlerfigur aus Holz und sogar ein alter Schaukelstuhl machen es sich zwischen den anmutigen Karossen bequem. Als Besucher fühlt man sich wie ein Kind, das im Haus der Großeltern einen geheimen Speicher mit alten Schätzen entdeckt hat.

Fast die komplette Rolls-Royce-Sammlung steht zum Verkauf

Wenn Zach Gäste und Gruppen durch sein privates Museum führt, kommt der Eintritt der Gesellschaft für Betroffene der Glasknochenkrankheit zugute. 2006 wurde der Unternehmer für sein Engagement in verschiedenen sozialen Projekten mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Auch wenn die einmalige Rolls-Sammlung verkauft wird, will Zach einen Teil davon spenden. Und hier beginnt der traurige Teil der Geschichte. "Der Countdown läuft", sagt Zach - die komplette Sammlung, bis auf den "Stern von Indien" steht bis Mitte September en bloque zum Verkauf, bald könnte es das weltweit einmalige Rolls Royce-Arrangement im Herzen Deutschlands nicht mehr geben. Der Mindestpreis liegt bei fünf Millionen Euro. Nun steht das Telefon nicht mehr still, Zach hat bereits Gebote aus aller Welt bekommen - aus Kanada, Saudi-Arabien und sogar aus Indien. Auf Wunsch verkauft Zach seine Möbel-Sammlung gleich mit. Zurzeit kann er sich nicht vorstellen, einen seiner seltenen Wagen zu behalten, obwohl sie ihm über die Jahre ans Herz gewachsen sind. "Wenn ich sie schon verkaufe, dann lieber alle", sagt Zach.

Die Arbeit um die Rolls-Royce-Sammlung wuchs Zach über den Kopf

Nicht Geldsorgen seien es, die Zach nach reiflicher Überlegung dazu bewogen haben, sich von seiner Sammlung zu trennen. "Vor etwa einem Jahr wurde es mir einfach zuviel", sagt Zach. Viele seiner Führungen fanden abends statt, immer wieder lotste er Enthusiasten und Besuchergruppen durch sein Rolls-Reich. "Ich hatte praktisch kein Wochenende mehr, das ganze Leben wurde von den Autos bestimmt", berichtet der Sammler. Die ganze Arbeit rund um das Museum sei letztlich an ihm hängen geblieben. Im Alltag und zum persönlichen Vergnügen hat Hans-Günter Zach seine "Schätzchen" eher selten bewegt, auch wenn bis auf ein Exemplar alle fahrbereit sind. Sie dienten als Hochzeitswagen oder tourten durch Ausstellungen. Mit dem "Stern von Indien" fuhr Zach sogar in der Parade zum 50. Thronjubiläum der Queen.

Vielleicht kann man sich auch an einem Rolls-Royce satt sehen

Privat bewegt Hans-Günter Zach heute eine Mercedes S-Klasse, nicht einmal das Topmodell - ein Sechszylinder reicht ihm. Der neue Rolls-Royce Phantom sei "sicher die beste Limousine der Welt", sagt Zach, doch es klingt mehr nach einer wissenschaftlichen Erkenntnis als nach einer hingebungsvollen Liebeserklärung. "Der Verkauf meiner Sammlung ist letztlich eine Vernunftentscheidung", sagt der Werkzeugmaschinen-Händler, der trotz seiner Traumauto-Sammlung bodenständig geblieben ist. Vielleicht hat man sich ja einfach irgendwann an jedem Auto satt gesehen - selbst an einem Rolls Royce.


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