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Route de Maîtres

Star-Ways to Heaven

Foto: Udo Schönewald 9 Bilder

Stars und Sternchen auf der Straße, Sterneköche im Keller des Park Hotels und himmlische Pfade rund um den Vierwaldstätter See: Die Route des Maîtres verspricht ein paradiesisches Oldtimer-Weekend.

14.07.2008 Malte Jürgens Powered by

Vor den Schwips haben die Götter den Schweiß gesetzt, daran ändert sich auch durch das Versprechen einer glorreichen Weinprobe im noblen Park Hotel Vitznau nichts. Bevor der kleine Rallye-Trupp auf der Route des Maîtres in die kulinarischen Tiefen der altehrwürdigen Residenz am Ufer des Vierwaldstätter Sees abtaucht, geht es noch über den Pass.

Über welchen, spielt hier keine Rolle. Ob Schallenberg, Glaubenberg oder Glaubenbüelen, Brünig, Susten oder Ibergeregg: Außerhalb der Autobahnen sind die Schweizer Nebenstrecken im bergigen Umland von Schwyz, Luzern und Interlaken eine unendliche Geschichte aus Serpentinen, Sätteln, Steigungen und Gefällen.

In Caracciolas Sonntagsauto unterwegs

Harry Niemann, Chef des Daimler-Konzernarchivs, hat dafür ein Automobil aus den Museumsgaragen rangiert, das immerhin dem Meisterfahrer Rudolf Caracciola als Repräsentationsfahrzeug diente: einen Mercedes-Benz 320 Cabriolet D. Rund zwei Tonnen von fein bearbeitetem Stahl, Holz, Aluminium und Leder, angetrieben von einem 3,4 Liter großen Sechszylinder mit stehenden Ventilen, der bei 4.000 Touren 78 PS mobilisiert. Kein Auto für die Berge? Weit gefehlt.

Der noble Viersitzer mit der Konstruktionsbezeichnung W 142 IV verlangt kaum einmal nach dem ersten Gang, der Zweite zieht die edle Last gemächlich gen Gipfel, und selbst das Gefälle hinter der Höhe vermag nicht zu schrecken: Die Trommelbremsen sprechen wunderbar gleichmäßig an. Bis an die 4.000er- Grenze will der Seitenventiler indes nur ungern gedreht werden; am wohlsten fühlt er sich zwischen 2.000 und 3.000 Touren.

Selbst die Schraubenspindel-Lenkung verleitet nicht zum Klagen. Präzise folgt der 320 seinem Dirigenten. Und geht es einmal eine Spur zu flott um die Ecke, wird er nicht automatisch zum Spott der Flur: Der im Grunde behäbige Mercedes lässt sich mit etwas Gegenlenken problemlos wieder einfangen.

Peter Kraus: Mit 150 km/h durch München

Davon wird beim Zwischenstopp im alten Raubritter-Restaurant auf der Insel Schwanau im Lauerzer See allerdings weniger geredet. Bei einer Platte auf den Punkt gebratener Egli-Filets hört die Tafelgesellschaft viel lieber den Erinnerungen des Peter Kraus zu. Führte doch sein Vater Fritz Kraus in den 50er Jahren das berühmte Bistro FK in München, ein Pflicht-Treff der damaligen Hautevolee aus Schauspiel, Schlager und Geschäft. "Da kamen die Jungs abends und brachten ihre neuesten Autos mit", erzählt der Rock-Star, "und dann wurde getestet. Wir sind da manchmal mit Tempo 150 mitten durch München gedonnert."

Der Oldtimersammler Kraus, bis heute höchst erfolgreich im Schlagergeschäft und begleitet von Ehefrau Ingrid, hat diesmal seinen AC Bristol gewählt. Das Feld der Tour ist ohnehin hochkarätig. Gleich drei Bugatti sind vertreten: ein 37 A mit Fritz Müller, ein 51 GP mit Rolf Geray und ein Typ 35 mit Hans-Albert Beller. Peter Reck aus Stuttgart lässt seinen Alfa Romeo 8C Monza von der Leine, und das Damenteam Maria Speck-Fernandez und Heidi Schäfer fährt im Austin Healey Sprite, dem roten Frogeye, so selbstverständlich wie die männlichen Teams: offen, selbst wenn im feuchten Nebel auf 1.000 Metern die Frisur vereist.

Auf den Bergstraßen ins Schlaraffenland der Sterne-Küchen

In zweiter Näherung beschreibt der Veranstalter die Tour als "Lifestyle-Rallye mit sympathischen Leuten, guten Hotels und angenehmer Küche". Das Konzept klingt erfreulich simpel: maximal 200 Kilometer am Tag, interessante Routen ohne Stress und Stoppuhr oder Zeitkontrollen, einen Tag die Runde um die Seen, zwei Tage Touren über die Pässe. Eleganter Nebeneffekt: Auf die Mühsal einer Siegerehrung wird keine Zeit verschwendet.

Wer Probleme mit dem Auto bekommt, kann sich auf die Unterstützer der Tour verlassen: Lexus stellt eine Hybrid-Flotte als Assistenz zur Verfügung, und auch die Clariden Leu Bank Zürich gibt als Sponsor auf dem gediegenen Parkett von Vitznau ordentlich Gas.

Der Mann hinter der Route des Maîtres ist dabei durchaus die harte Rallyewelt gewöhnt: Fritz Walter, in Stuttgart mit der Eventagentur Classique Events vertreten, brachte 1997 bei der Rallye Peking - Paris zusammen mit Walter Rothlauf das älteste Auto im Feld heim - einen Bugatti 40 von 1927. Die Zusammenarbeit mit der renommierten Oetker-Gruppe entspringt dem Gedanken, dass nicht alles Rallyefahren in der kalten Jahreszeit automatisch zum Eisbaden à la Le Jog gefrieren muss.

Im Preis von rund 2.000 Euro pro Team (ein Auto, zwei Personen) sind drei Nächte zu zweit in Schweizer Nobel-Hotels enthalten, alle Touren sowie die Verpflegung. Gebucht wird im Internet ( www.route-des-maitres.de ).

Klar, dass auch bei einer Lifestyle-Rallye zunächst gefahren wird. Aber wenn schon Sonderprüfung, dann bitte im Keller des Park Hotels. Dort lassen nämlich die Sterneköche ebenfalls warmlaufen: Platten und Töpfe, Herde und Pfannen und all das, was den Gaumen verführt. Die auf der Route abgehaltene Küchenparty ist ein Handlingskurs durch die Welt der Feinschmecker. Und was die bereithält, ist am besten durch Probieren zu studieren.

Die Rallye-Gäste nehmen die unzähligen Herde und ihre bekömmlichen Portionen, die daneben aufgetürmten Filets, Felchen und Feigen, die Pasta, die Gambas und das ganze weitere Drehmoment der gehobenen Küche wie Schikanen aus dem Schlaraffenland – mal volley, mal wird eingehalten. Über den kleinen Slalom durch die gut vergorene Welt der edlen Tropfen wollen wir hier schweigen. Nicht über jeden Hochgenuss sollte man öffentlich schreiben.

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