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Rover Streetwise & VW Golf Country

Die SUV-Vorreiter

Foto: press-inform 18 Bilder

Auch wenn der Gegenwind härter wird. Der SUV-Trend hält an, weil es für viele Kunden nun auch ein paar Klassen kleiner geht. Erst Jahre später sieht man, wie visionär VW Golf Country und der Rover Streetwise seinerzeit waren.

14.03.2009 Powered by

Als der längst torkelnde britische Autobauer MG Rover im Jahre 2003 einen kunststoff-beplankten Pseudo-Allradler des Uralt-RF mit Honda-Genen auf die Breitreifen stellten, rümpften viele britischen Rover-Fans endgültig die Nase. Nicht das Rover den wenig überzeugenden 25 sowieso hätte längst ablösen müssen. Jetzt versuchte die Konzernführung nach dem schmerzhaften BMW-Ausstieg auch noch, ihn bei mit zweifelhaften Design-Verunglimpfungen am Leben zu erhalten.

MG Rover Streetwise: Ein Vorreiter-Modell


Doch heute, mehr als fünf Jahre nach der Vorstellung und mehr als drei Jahre nach dem Untergang von MG Rover, präsentiert sich die Idee des Rover Streetwise als zeitgemäßer denn je.

Modelle wie Cross Golf oder Cross Polo von Volkswagen oder ein Citroen Berlingo im Offroadlook finden seit Jahren immer mehr dankbare Käufer. Vielen Kunden reicht es eben so zu tun, als hätte man ein Auto mit dem man sich jederzeit auch ins Gelände stürzen könnte. Dass die Fahrzeuge in den meisten Fällen weder Allradantrieb noch weiteres Geländepotenzial haben, interessiert viele nicht. Hauptsache individuell sein und mit Rammschutz, Kunststoffschweller und Co. einen auf dicke Hose machen. Immerhin sieht es nicht so aus, als würde man nur einen langweiligen Renault Kangoo oder einen VW Golf fahren.

So störte es die wenigen Kunden der Rover Streetwise auch nicht, dass unter dem in die Jahre gekommenen Blechkleid die damals schon betagte Ur-Alt-Technik der 1995 vorgestellten RF-Serie schlummerte.

Optische und technische Beleidigungen

Optische und haptische Beleidigungen wie Lenkstockhebel im Spindelformat oder Drucktasten aus dem Playmobil-Baukasten konnten die vorwiegend brit-affinen Kunden angesichts des feschen Offroad-Outfits oder knalliger Farben ebenso wenig schocken. Auch die wenig elastischen Benziner mit 1,4 bis 1,8 Litern Hubraum oder der lautstarke Zweiliter-Diesel waren im harten Wettbewerberumfeld kaum konkurrenzfähig.

Mit 16.000 Euro wäre der Streetwise heute ein Erfolg

Doch der nicht einmal vier Meter lange Rover Streetwise fiel auf - und zwar bei Preisen ab 16.000 Euro vielen potenziellen Kunden alles andere als unangenehm. Heutzutage hätte ein derart kompaktes Trendmobil mit sparsamen Triebwerken wohl beste Marktchancen - insbesondere zu einem günstigen Preis. Erkannt hat das 2003 kaum jemand.

Doch der in den letzten Monaten immer deutlicher aufkommende Trend zu einer kompakten Symbiose aus Geländemobil und Alltagsauto wurde bereits deutlich früher erkannt - und umgesetzt - bei Volkswagen. Was wurde nicht gespottet und gelächelt, als VW im Jahre 1990 den Golf Country in die Verkaufsräume brachte.

VW Tiguan: Spät aber gewaltig

Kaum jemand hätte ahnen könne, dass der Möchtegern-Crossover einen SUV-Trend nach Europa tragen würde. Rund 17 Jahre später brachten die Wolfsburger mit dem Tiguan den lang ersehnten Nachfolger heraus. Es war wie so oft. Die Niedersachsen kamen spät, aber gewaltig.

Das zeigten zuletzt Touareg, Touran und Eos. Alle Spätstarter kamen von null auf eins. Beim Tiguan war das im vergangenen Jahr nicht anders, obschon Volkswagen bereits 1990 mit einem auf dem Golf II basierenden Country ein neues Automobilzeitalter einläutete.

Aus Montana wurde Country

Viele Besucher des prestigeträchtigen Genfer Salons wollten im Frühjahr 1989 ihren Augen kaum trauen. Der seit langen Jahren überaus erfolgreiche Golf II war hier erstmals als Geländewagenstudie zu bestaunen. Aus dem ehemals geplanten Golf Montana wurde bei der offiziellen IAA-Premiere des Serienfahrzeugs ein halbes Jahr später schließlich der Country.

Der stelzig-hochbeinige Kletter-Golf basierte auf dem viertürigen Golf Syncro, war nach seinem Umbau beim Grazer Allrad- und Geländewagenspezialist Steyr-Daimler-Puch jedoch kaum mehr wieder zu erkennen. Dabei war es nicht der lieblos anmutende Rammschutzbügel an der Front, abgedunkelte Rückleuchten und das fast schon wild ans Heck gebohrte Ersatzrad. Vielmehr wurde die gesamte Karosserie durch einen martialisch anmutenden Hilfsrahmen nach oben gesetzt, um dem Wolfsburg-Grazer-Gemeinschaftsprojekt durch 18 Zentimeter Beinfreiheit, Unterfahrschutz und dem bekannten Allradantrieb reale Chancen für einen Offroadeinsatz zu geben.

Die Krone der Golf-Kunst

Der 4,26 Meter lange Country war aus Konzernsicht seinerzeit die Krone der Golf-Kunst. Bei der Motorisierung hatte man zumindest offiziell keine Wahl. Der bekannte und bewährte Vierzylinder mit 1,8 Litern Hubraum, 98 PS und manuellem Fünfganggetriebe war alles andere als ein Kraftprotz. Doch der dezente Einspritzer mit geregeltem G-Kat passte zum kantigen aufkeimenden 4x4-Charme des Kletter-Golfs. Wie alle Golf-Syncro-Modelle verfügte der Country über einen Allradantrieb mit Viscokupplung, die Kraft bei durchdrehenden Antriebsrädern nach hinten verteilte und im unwegsamen Geläuf handlungsfähig machte. Auf der Straße war der höher gelegte Klassenprimus ein recht träger Geselle. Der Vierzylinder läuft leise, sanft und vergleichsweise Durchzugsschwach.

Killerargument: 34.000 DM für den VW Golf Country

Eine Höchstgeschwindigkeit noch nicht einmal 160 km/h war ebenso wenig beeindruckend wie sein Spurtpotenzial von Null auf Tempo 100 in 12,3 Sekunden. Inoffiziell soll es auch einige Country-Modelle mit den 107 PS beziehungsweise den 139 PS starken GTI-Motoren und sogar eine handvoll Dieselversionen gegeben haben. Doch das Problem des 1,3 Tonnen schweren Allradlers waren weniger die Motorleistung oder das gewöhnungsbedürftige Aussehen. Vielmehr war der Einstiegspreis von 34.000 DM für viele VW-Kunden Abschreckung genug und die SUV-Welle noch nicht einmal eine sanfte Woge. So wurden durch den Country kaum Kunden von teureren Fremdmarken in die blau-weiß getünchten VW-Autohäuser gespült. Im Sommer 1990 schob Volkswagen eine abgespeckte Basisversion zu Preisen ab rund 31.000 DM nach. Er sollte mit einer dünnen, praxisgerechten Ausstattung insbesondere Jäger und Freizeitsportler locken.

Bereits Anfang der 90er Jahre war der Begriff Lifestyle in aller Munde. So gab es neben dem preiswerten Einstiegsmodell Allround auch einen edlen Ableger. Mit schwarzem oder grünem Metalliclack und heller Lederausstattung, elektrischen Fensterhebern und weiteren Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, elektrischen Spiegeln und 205er-Breitreifen lag er bei über 40.000 DM. Heutzutage eine absolute Rarität. Am Misserfolg konnte das jedoch auch nichts mehr ändern. Ende 1991 war es vorbei mit dem ersten Lifestyle-SUV aus dem Hause Volkswagen. Nach nicht einmal 8.000 verkauften Fahrzeugen wurde die Produktion eingestellt und der Crossover verschwand ebenso von der Straße wie der Rover Streetwise, der 13 Jahre später den nächsten untauglichen Versuch unternahm.

Mittlerweile gehören Allradler in jeder Fahrzeugklasse zum Straßenbild. Und so bekam auch der Golf Country mit Cross Golf und Tiguan gleich zwei erfolgreiche Nachfolger.

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