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Rückblick

Jahr, was war denn das?

Foto: ams 168 Bilder

Das Pfeifen aus dem (Schiri)-Wald dringt schrill ans Ohr und auch mit den 1.001 PS des Bugatti Veyron kann man der Erkenntnis nicht entfliehen. Deutschland steuert Richtung Banana-Republik, vorneweg galoppieren die Spesenritter aus Wolfsburg. Nicht nur deshalb war 2005 ein etwas merkwürdiges Jahr, findet Frank Volk.

20.12.2005

Es gibt Dinge, die laufen mit ziemlicher Sicherheit schief. Zum Beispiel dann, wenn sich das einzige Argument für wirtschaftliche Besserung auf die Erwartung reduziert, dass es schon deshalb besser werden muss, weil es schlimmer eh nicht mehr kommen kann. So waren die meisten Befunde vor ziemlich genau einem Jahr, als auf das abgelaufene Automobiljahr zurück geschielt wurde.

Besser werden konnte also 2005 nach 2004 nur, weil die Spritpreise begleitet vom öffentlichen Wehklagen in nie erreichte Höhe gerauscht waren, den Rabattschlachten ein baldiges Ende prophezeit wurde, weil mehr nun wirklich nicht gehe und das Ende der Käuferzurückhaltung schon dadurch nur logisch sei, weil die Durchschnittshaltedauer von 7,8 Jahre als der führenden Autonation unwürdig diagnostiziert wurde.

Und, wie schaut es jetzt, ein Jahr später aus: Die Rekordmarke von 1,06 Euro für den Liter Diesel aus dem Sommer 2004 würde heute angesichts eines Preises von 1,18 für nämliches Gebräu (übrigens Anfang September) als Preisentspannung bejubelt. Die Rabattangebote treiben immer tollere Blüten, und der Auto-Altersdurchschnitt? Über den Running-Gag der Aufschwungs-Optimisten lachen nicht mal die Autofunktionäre beim VDA.

Was 2004 schon mies war, lief 2005 noch mieser, manche Themen sind einen Schritt weiter.

Immerhin. Opel gibt es noch. Was wurde verbal Trauerflor gebunden im Gedenken an die Rüsselsheimer. Nun ist der Geldbeutel des Opelaners schmaler, die Brust aber breiter, die Autos properer und 2006, ungefähr auf halber Strecke, soll Gewinn gemacht werden. "Opel bleibt“ hatten die protestierenden Beschäftigten dem Standbild des Gründers vor einem Jahr plakativ um den Hals gehängt. Das "Basta“ kann man mittlerweile unterstreichen.

Aber bleibt auch General Motors? Bis Anfang der 90er Jahre kannten die Lenker des weltgrößten Autobauers, der unter seinem Dach Marken wie Chevrolet, Buick, Saturn, Opel, Daewoo oder Saab vereint, das Wort "rote Zahlen“ nur von bösen Geschichten der Konkurrenz. Irgendwann war aber der Zauber der wundersamen Geldvermehrung dahin, es herrscht Blues Downtown Detroit. Kontroller, Finanziers und Sparkommissare kochten und quetschen die Marken bis nur mehr automobiler Einheitsbrei blieb. Die Suppe auslöffeln dürfen die Beschäftigten.

25.000 Jobs sollen weg, verkündete GM-Boss Rick Wagoner am 7. Juni. Weil Ford, die Nummer zwei unter den US-Autobauern, in der Hitliste der Kreditunwürdigkeit nur unwesentlich besser da steht, als die des unter Schrott ("Junk“) gelisteten Kontrahenten von General Motors, hat inzwischen ein fast absurdes Rennen um die Pole-Position der Job-Killer eingesetzt: 30.000 weg bei GM, 30.000 weg bei Ford, dazu noch 400 Manager, 25.000 bei Delphi, halbes Gehalt obendrauf. Wer bietet mehr, wer hat noch nicht?

Aber wer wird schon Richtung USA höhnen, ...

Aber wer wird schon Richtung USA höhnen, wo es hierzulande Volkswagen gibt. Bis vor dem 25. Juni dachte unsereiner, dass der VW Samba-Bus die einzige Querspange der Achse Wolfsburg/Rio darstellt. Aber weit gefehlt. Als damals die Korruptionsaffäre um den einstigen Skoda-Personalchef Helmut Schuster hochspülte, waren wir alle vielleicht Papst, in Wolfsburg aber immer weniger heilig. Viagra statt Volksmobile beherrschte die Schlagzeilen und die Gesamtstimmungslage um Deutschlands letzten volkseigenen Betrieb ist, seit die lustigen Reisen von Hartz, Schuster, Volkert & Co für Rotlichtalarm sorgen, komplett unter die Gürtellinie tiefergelegt.

Dabei, der Einwand sei gestattet, hätte man den Fall anders bewerten können, als die moralinsauren Zeterer mit ihrem Gejammere von wegen Korruption, Begünstigung, Sexskandal.

War es denn nicht einmal Endziel aller sozialen Utopisten, dass Arbeiter und Chefs auf einer Stufe stehen? Was kann Ausdruck höherer Demokratieform sein als dass Arbeitgeber und Gewerkschafter Seit´ an Seit` als Samba-Ritter durch die Betten fegen? Brüder zur Sonne, zur Geilheit. Aber es kam anders, was bleibt ist der Tango corrupti.

Nicht nur bei VW. Bei BMW wird geschmiert, bei Mercedes ebenso. Ach, überhaupt Mercedes. Keine Viagra-Fälle dort, aber reichlich angeregter Blutdruck. Jürgen Schrempp, der Welt AG-Erschaffer. Weg vom Fenster ohne Ruhm, die Ehre gibt´s gratis zum Jahresfinale.

Hinweg auch der Herr Cordes. Nachdem Wolfgang Bernhardt erst gar nicht durfte, mochte Cordes nicht mehr den Mercedes-Chef geben, weil der Aufsichtsrat der Welt AG ihn nicht als Schrempp-Nachfolger wollte, sondern Chrysler-Sanierer Dieter Zetsche zurückholte. Was folgte war unsereinem als Konfliktbewältigungsstrategie bislang allenfalls aus der Kindergartengruppe bekannt, nicht aber aus der Beletage eines Autogranden: Beleidigt warf der einst treue Eckhard dem Vernehmen nach erst mit Bürogegenständen um sich und dann seinen Job hin. Inzwischen gibt er den Haniel Düsentrieb beim Duisburger Gemischtwarenkonzern, was ihm schon dehalb gegönnt sei, weil er damit der Autoindustrie bis auf weiteres erspart bleibt.

Wie auch der Herr Schröder. Sie erinnern sich, der Ex-Bundeskanzler, der nächstens am Gashahn dreht. Bundeskanzlerin Merkel ist schon Wort des Jahres. Ob mehr draus` wird?

Aber klar doch, bis zum nächsten Rückblick: Deutsche Wirtschaft boomt, Spritpreise fallen auf Fünf-Jahrestief, Rabattschlacht beendet, Porsches heiliger Wendelin rettet VW und Deutschland wird Fußballweltmeister. 5:0 gegen Brasilien.

Splitter

Die Dauerbrenner: Wendelin Wiedeking. Einst Porsche gerettet, Dauerbeglücker der Investorenwelt und jetzt auch noch Schutzpatron über VW. Der BMW-Erfolg. Keine Panik im Panke-Orcherster. Wie die das bloß machen?

Die Wiederkehrer: Opel, der Schnauzer bei Mercedes, ach und der Herr Bernhard (VW), der Piëch Ferdl, aber der war eigentlich nie weg.

Die Abgetauchten: Welt-Ade-Chef Jürgen Schrempp. Nach einem Fläschchen Rotwein sieht die Bilanz gar nicht so übel aus. Peter Hartz und seine Spesenritter.

Trotzdem noch da: GM-Boss Rick Wagoner. Wer hat eigentlich vergessen, den rauszuschmeißen?

Die Sorgenkinder: General Motors, Ford. Ja doch, VW auch ein bisschen. Ganz generell: Arbeitsplätze in der Autoindustrie.

Leberwurst des Jahres: Eckhard Cordes, peinlicher geht´s sonst nur in der Fußball-Bundesliga zu.

Es gibt ihn tatsächlich: Der Bugatti Veyron, das schnellste Versprechen der jüngeren Autogeschichte.

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