Sie sind der Horror jedes Autoherstellers - sind sie doch zum einen mit enormen Kosten und zum anderen mit einem großen Imageverlust verbunden. Die Rede ist von Rückrufaktionen, die im besten Falle nur Tausende, im schlimmsten Falle sogar mehrere Millionen Autofahrer mit ihrem Auto in die Werkstätten zwingen.
Rückrufe weit jenseits der Millionen
Das jüngste Beispiel aus der Reihe "Rückrufe weit jenseits der Millionenmarke" lieferte Ford in Nordamerika. Wegen eines Problems mit dem Geschwindigkeitsregler rief das Unternehmen im Oktober 2009 4,5 Millionen Fahrzeuge des Typs Windstar sowie Pickup-Modelle und Geländewagen der Marken Ford, Lincoln und Mercury in die Werkstätten. Das fehlerhafte 20 Euro-Teil kann im schlimmsten Fall einen Brand auslösen. Bereits zuvor waren andere Ford-Modelle von Rückrufaktionen wegen des gleichen Problems betroffen, so dass sich die Zahl der zurückbeorderten Fahrzeuge auf insgesamt 16 Millionen beläuft. Damit handelt es sich um die größte Rückrufaktion von Ford und wohl auch um den größten Rückruf aller Zeiten.
Aber auch die Produkte anderer Hersteller blieben in der Vergangenheit nicht von Fehlerteufeln verschont, die Millionen Autos zum unplanmäßigen Boxenstopp zwangen. Beispiele gefällig? Im März 2005 beorderte Mercedes weltweit 1,3 Millionen E-Klasse und Mercedes CLS in die Werkstätten, um die Elektronik sowie die Bremsen einer intensiven Prüfung zu unterziehen. Zuvor hatten sich zahlreiche E-Klasse- und CLS-Fahrer über Probleme mit der der Batterie und den Bremsen beschwert.
VW Fox: Gefahr für die Fingerkuppen
Auch VW musste in den sauren Rückrufapfel beissen. 2008 sahen sich die Wolfsburger dazu gezwungen, in Brasilien 477.000 Fahrzeuge des Kleinwagens VW Fox in die Werkstatt zu zitieren. Der Grund: Beim Umklappen der Rückbank sollen acht Brasilianer so üble Quetschungen davon getragen haben, dass sie ihre Fingerkuppen verloren.
Nissan musste im Jahr 2003 die bis dato größte Rückrufaktion in der Firmengeschichte einleiten. Weltweit wurden 2,56 Millionen Fahrzeuge, die zwischen April 1998 und Mai 2003 gebaut worden waren, in die Werkstätten beordert. Zwei fehlerhafte Motorsensoren waren damals der Grund. Die defekten Teile konnten im Fall der Fälle dazu führen, dass sich der Motor während der Fahrt plötzlich abschaltete oder erst gar nicht mehr starten ließ.
Mehr als 1,2 Millionen Chrysler Minivans mussten in die Werkstätten
Auch bei Chrysler weiß man das Lied des Rückrufs mitzusingen. Anno 2002 musste das US-Unternehmen, damals noch Daimler-Partner, in den USA 500.000 Minivans zu den Vertragshändlern bitten. Grund war ein falsch installiertes Elektroteil, welches dazu führen konnte, dass die Airbag-Warnlichter aufleuchteten sowie der Airbag auf der Fahrerseite, die Hupe und die Geschwindigkeitskontrolle versagten. Ein ähnliches Trauerspiel wiederholte sich im Jahr 2004, als weltweit 1,2 Millionen Minivans wegen Problemen mit dem Seitenairbag die Werkstatt aufsuchen mussten.
Im Jahr 2000 musste Ford in den USA sogar seine Fabriken für zwei Wochen schließen. Der Grund lag allerdings nicht bei Ford selbst, sondern war einem Problem von Reifenzulieferer Firestone geschuldet. Damals hatten schadhafte Reifen zu Unfällen geführt, bei denen es auch Tote zu beklagen gab. Im Rahmen der Rückrufaktion von insgesamt 6,5 Millionen Reifen wurden auch rund 70.000 Reifen ausgetauscht, die eigentlich auf Ford-Neuwagen hätten montiert werden sollen.
Die Liste der großen Rückrufaktionen der vergangenen Jahre ist lang. Außer den oben aufgezählten Beispielen reihen sich noch weitere Aktionen ein. Einen Überblick über die zahlenmäßig größten Rückrufe gibt unsere Tabelle.
| Marke | Modelle | Anzahl | Grund | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Chrysler | Minivans | 500.000 | Probleme mit Fahrerairbag, Hupe und Geschwindigkeitskontrolle | 2002 |
| Minivans | 1,2 Millionen | Problemem mit dem Seitenairbag | 2004 | |
| Firestone (Reifenhersteller) | 15-Zoll-Reifen | 6,5 Millionen Reifen | 2000 | |
| Ford | Minivan Windstar, Pickups, Geländewagen (Ford, Lincoln, Mercury) | insg. 16 Millionen | Tempomat-Schalter kann Brand auslösen | 2009 |
| Pickups und Geländewagen | 3,8 Millionen | fehlerhaftes Geschwindigkeits-Begrenzungssystem | 2005 | |
| Mercedes | E-Klasse und CLS | 1,3 Millionen | Probleme mit der Batterie und den Bremsen | 2005 |
| Nissan, Subaru, Mazda | Nissan March/ Micra, Cube/ Subaru Leone/ Mazda Familia | 2,56 Millionen | Fehlerhafte Motosensoren | 2003 |
| Toyota | Yaris, Belta, Ractis | 1,35 Millionen | mangelhafte Sicherheitsgurte und Abgasanlagen | 2009 |
| RAV4, Corolla, Matrix, Avalon, Camry, Highlander, Tundra und Sequoia (alle USA) | 2,3 Millionen | klemmendes Gaspedal | 2010 | |
| Corolla, Avensis, Prius | ca. 950.000 | Probleme mit der Lenkung | 2006 | |
| Camry, Avalon, Prius, Tacom, Lexus ES 350, Lexus Tundra, Lexus IS 250, Lexus IS 350 | 3,8 Millionen | Lose Fußmatten | 2009 | |
| VW | Fox (Brasilien) | 477.000 | Probleme mit dem Klappmechanismus der Rückbank | 2008 |


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