Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Saab-Chef Jonsson

"Wir werden immer exklusiv bleiben - auch beim Volumen"

Foto: GM

Saab-Chef Jan-Ake Jonsson spricht mit auto-motor-und-sport.de über die zukünftigen Modellportfolios und das Werk Trollhättan sowie über die Positionierung der Marke.

29.07.2008 Harald Hamprecht

Herr Jonsson, im vergangenen Jahr ist Ihr weltweiter Absatz von 133.000 auf 125.000 Einheiten leicht gesunken. Was peilen Sie dieses Jahr an?
Jonsson: Wir wollen dieses Jahr weltweit 110.000 Einheiten verkaufen. Kommendes Jahr sollten es ähnlich viele werden, vielleicht sogar etwas mehr, denn unsere beiden wichtigen Modellneuheiten, der Saab 95-Nachfolger und der völlig neue Crossover Saab 9-4X kommen noch vor Jahresende.

Der Saab 9-3 wird ab Anfang kommender Dekade auch in Ihrem Stammwerk Trollhättan von Band laufen. Gilt das auch für die Cabriovariante?
Jonsson: Es gibt noch keine finale Produktfreigabe für einen Nachfolger des Saab 9-3-Cabrios. Wenn diese erfolgen sollte, werden wir nach der kosteneffizientesten Produktion suchen und dabei auch eine externe Fertigung bei einem westeuropäischen Auftragsfertiger in Erwägung ziehen. Wir sind heute sehr zufrieden mit der Arbeit von Magna Steyr, aber es gibt ja noch einige Auftragsfertiger mehr, die die gleiche Qualität vielleicht zu besseren Preisen liefern können und Kapazitäten für uns frei hätten.

Wird Ihr Stammwerk Trollhättan die aktuelle GM-Krise überstehen?
Jonsson: Solange es die Marke Saab gibt, wird es auch das Werk Trollhättan geben. Bis die Produktion des Saab 9-3-Nachfolgers beginnt, sind wir ja noch mit dem Saab 9-3 und dem Cadillac BLS - jeweils als Kombi und Limousine – gut ausgelastet.

Ist demnach kein weiterer Personalabbau geplant?
Jonsson: Nein, wir beschäftigen derzeit 4.300 Mitarbeiter in Trollhättan, davon die Hälfte in der Produktion, und diese Belegschaftsgröße brauchen wir für unsere Zukunftspläne.

Welche Fertigungskapazität bleibt Ihnen in Schweden?
Jonsson: Im vergangenen Jahr haben wir in Trollhättan rund 100.000 Einheiten des 9-3 und 9-5 - jeweils als Limousine und Kombi - produziert. Diese Größenordnung wollen wir auch mit den zukünftigen Modellen nicht unterschreiten.

Welches Volumen planen Sie für Ihr geplantes Einstiegsmodell, den Saab 9-1?
Jonsson: Auch für ein Modell unterhalb des 9-3 gibt es noch keine endgültige Produktfreigabe, die Studien laufen hier noch. Je früher wir diese Entscheidung treffen, desto besser. Denn wir brauchen dieses Modell, um in dieses spannende Kundensegment vorzudringen.

Und welche Rolle wird der Crossover 9-4X spielen, den Sie ab 2009 im mexikanischen GM Werk Ramos Arizpe fertigen lassen werden?
Jonsson: Der 9-4X wird unser Modellportfolio verbreiten und uns pro Jahr ein zusätzliches Absatzvolumen von 35.000 bis 40.000 Einheiten bringen. Zudem wird dieses erste Saab-Modell aus nordamerikanischer Produktion uns bilanziell gesehen sehr helfen - im Sinne eines natürlichen Währungsabsicherung - denn die USA sind unser größter Einzelmarkt mit zuletzt etwa 25 Prozent unseres Gesamtabsatzes, dicht gefolgt von Schweden und Großbritannien mit jeweils 20 Prozent.

Für den US-Markt haben Sie den - ohne Erfolg - den SUV 9-7X auf Basis des Chevrolet Trailblazer ins Leben gerufen. Werden Sie dieses Modell wieder eliminieren, wenn der kompaktere 9-4X auf den Markt kommt?
Jonsson: Nein, wir werden den 9-7X im Portfolio behalten. Er war für uns kein Fehlschlag, den 40 Prozent aller Saab-Kunden in den USA haben auch einen SUV in der Garage. Damit haben wir unseren Händlern neue Kundenkreise eröffnet. Der 9-7X bringt uns rund 5.000 Einheiten im Jahr in einem Segment, das wir ansonsten nicht abdecken.

Die Studie Aero X gab einen Ausblick auf einen möglichen Roadster der Marke. Bleibt eine solche Image-Lokomotive ein Traum?
Jonsson: Bis auf weiteres ja, wir haben andere Prioritäten.

Ist Ihr Händlernetz auf die neuen Modelle vorbereitet?
Jonsson: Weltweit haben wir heute rund 2.000 Händler. Und das ist eine vernünftige Größe. Hier wird es keine dramatischen Änderungen geben. Wir bereiten unser Vertriebsnetz schon heute qualitativ auf das Absatzwachstum vor.

In Deutschland haben Sie 2007 nur noch kümmerliche 4.200 Neuzulassungen verbucht - ein Minus von 21 Prozent. Wohin geht die Reise hier?
Jonsson: Unser Fokus liegt darauf, das Vertriebsnetz für das anstehende Wachstum vorzubereiten. Wo wir beim Absatz landen werden, muss sich zeigen.

Weltweit sind Sie in 60 Märkten vertreten. Zählen die Wachstumsmärkte der Zukunft auch schon dazu?
Jonsson: Absolut. In China haben wir vergangenes Jahr mit zwölf Händlern 700 Saab verkauft. Dieses Jahr wollen wir unser Netz auf 18 Standorte ausweiten und beim Absatz die 1.000er Marke erreichen. Viel weiter wollen wir den Export nach China allerdings nicht steigern, denn die Zölle sind viel zu hoch.

Wie sind Sie in Russland aufgestellt?
Jonsson: Die Größenordnung ähneln dort sehr stark denen in China. Dieses Jahr wollen wir unsere Verkäufe von 750 auf 1.000 Einheiten steigern.

Was ist mit Indien und Brasilien?
Jonsson: Nein, hier ist kurzfristig kein Vertrieb geplant.

Von Zukunftsmärkten zu Antrieben der Zukunft: Wie sind Sie hier gerüstet?
Jonsson: In Schweden bestreiten wir bereits 80 Prozent unseres Absatzes mit Bio-Power-Modellen, die E-85-Ethanol nutzen, statt fossiler Treibstoffe. Unsere 30-jährige Erfahrung mit Turbo-Technologie hilft uns massiv beim aktuellen Trend zum Downsizing der Motoren, um somit rechtliche Abgasbestimmungen zu erfüllen, ohne Performance opfern zu müssen. Künftig können Sie bei uns auch Hybrid-Motoren erwarten. Zudem haben wir - dank der Zugehörigkeit zum GM-Konzern - Zugang zu  Elektroantrieben, wie dem E-Flex-System, allerdings ist ein kurzfristiger Einsatz hier noch nicht geplant.

Wofür steht die Marke Saab in der Zukunft?
Jonsson: Saab will immer eine exklusive Marke bleiben - vom Volumen und vom Image her. Wir bauen weiter auf unserem Markenerbe auf, sprich auf Werten wie Innovation, unabhängigen Denken, skandinavischen Werten wie Design, Leistung, Umweltfreundlichkeit und Sicherheit. Unsere letzten Konzeptautos, wie der Aero X und der 9-X BioHybrid, zeigen genau, was ich meine. Außerdem haben wir von unseren Fehlern gelernt.

Inwiefern?
Jonsson: Wir haben immer darunter gelitten, dass unser Modellportfolio limitiert war, unsere Produktstrategie und auch die Ausführung inkonsistent, und unsere Abhängigkeit vom US-Markt zu groß, dafür dass wir dort keine eigene Produktion hatten. Wir glauben, dass wir inzwischen die richtige Strategie haben, um eine sehr erfolgreiche Premium-Marke zu werden. Sie können beobachten, wie für kontinuierlich unseren Markenwert aufbauen und unser Produktportfolio ausbauen, ohne Me-Too-Modelle anzubieten, die andere Premium-Marken zu imitieren versuchen.

Mehr über:
Saab

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige