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Sachsen Classic 2012 - "Sachsenring-Etappe"

Flüssige Sonne und ein Schönling

Sachsen Classic 2012, Sachsenring-Etappe Foto: Kai Klauder 32 Bilder

"Zehn Minuten hat es immerhin nicht geregnet heute" - Thomas Frank sieht das Positive. Er ist in einem der offensten Autos bei der Sachsen Classic dabei ist, in einem Wanderer Stromlinie Spezial.

16.08.2012 Kai Klauder Powered by

Der Leiter der Traditionsabteilung von Audi genießt die Fahrt in dem Rennwagen, "der einfach hier zur Sachsen Classic gehört", wie Frank betont. "Der Wagen wurde in den letzten drei bis vier Jahren nicht eingesetzt, aber hier passt er einfach perfekt hin." Der Mischkonzern Wanderer baute bei Chemnitz neben Fahrrädern, Schreibmaschinen auch ab 1902 Motorräder und drei Jahre später mit dem Wanderermobil das erste Automobil. Bekannt wurde vor allem der Wanderer W 1, genannt "Puppchen". Später ging Wanderer gemeinsam mit DKW, Audi und Horch in der Auto Union auf, die 1932 gegründet wurde.

Nur drei Exemplare des Wanderer W25 Stromlinie Spezial wurden gebaut, um sie unter anderem bei dem Langstreckenrennen Lüttich-Rom-Lüttich einzusetzen. Das Unternehmen war von Erfolg gekrönt, die Auto Union Rennabteilung holte 1939 den Mannschaftspreis. Das Baujahr überrascht, wenn man sich die aerodynamisch optimierte Aluminiumkarosserie anschaut. So futuristisch, wie der Wanderer Stromlinie Spezial wirkt, mag man kaum glauben, dass die drei Fahrzeuge in den Jahren 1938 und 1939 entstanden.

Durchgeschüttelt und geduscht

Auf dem Sachsenring zeigt der 900 Kilogramm leichte Wanderer mit seinem 2,3-Liter-Sechszylinder seine Qualitäten. Doch der 70 PS-Vorkriegswagen ist nicht ganz einfach zu fahren: "Das ist ein reinrassiger Rennwagen, hinten sehr leicht, da sind wir in Kurven auf den nassen Straßen ganz leicht im Drift", erklärt Frank. Auf den Kopfsteinpflasterstraßen werden er und sein Co-Pilot Franz Rother ordentlich durchgeschüttelt, denn hart gefedert ist so ein Wanderer Rennwagen natürlich auch.

Dazu kommt noch die "flüssige Sonne Sachsens", wie Thomas Frank sagt, Doch damit haben die beiden keine Probleme. Man muss halt immer die richtige Kleidung haben, wissen die rheinischen Frohnaturen, die beide aus Köln stammen und sich daher "blind verstehen", wie Franz Rother die Zusammenarbeit im Cockpit beschreibt. "Wir hatten schon vor, Kamellen zu schmeißen", scherzt er.

Der britische Schönling

"Das ist ein Schönling", sagt Andreas Brasch zu dem Lagonda LG 45 Rapide, mit dem er und seine Beifahrerin Tabita Klaassen bei der Sachsen Classic mitfahren. "Die Strecken sind klasse, doch die geforderten Schnitte machen uns bei diesem Regen auf den rutschigen Straßen so manche Probleme", berichtet Brasch. Dabei ist das Problem nicht die schiere Größe des Vorkriegswagens von 1936: "Eigentlich lässt er sich ja ganz einfach fahren, aber auf den schlechten Straßen ist der Lagonda faktisch nicht zu gebrauchen."

Zum ersten Mal sind das Trio Falk-Gert und Monika Pasemann sowie Frieder Konrath vom TÜV Süd bei der Sachsen Classic am Start. Sie fahren in einem Citroen CV 11 B von 1940. In den letzten Jahren überprüfte Konrath die Klassiker auf ihre Verkehrstüchtigkeit, in diesem Jahr greift der frisch pensionierte Prüfingenieur aktiv ins Rallyegeschehen ein. "Das war heute wirklich anstrengend - und sehr schön. Zwar waren da noch ein paar Haken und Ösen dran, aber das spielt sich auch noch ein."

Bentley und hypnotisierte Kaninchen

"Bescheiden, aber nicht hoffnungslos" - so fasst Curt Bloss die erste Etappe zusammen. Er ist mit Georg Weidmann in einem bei unserem Bentley 4 ½ Litre von 1927 unterwegs - dem ältesten AUto im Feld. Neben dem Regen, den Wertungsprüfungen und den recht hohen Schnitten für Vorkriegsautos galt es auch technische Herausforderungen zu meistern. "Ein Mal hing das Gasgestänge, aber das gehört bei so einem alten Auto einfach dazu", erzählt Bloss, "neulich waren wir bei einer Rallye unterwegs und es regnete in Sturzbächen, da lief auf einmal die Zündung Amok. Aber das bekommt man alles wieder recht schnell in den Griff."

Sein Teamkollege Georg Weidmann ärgert sich noch ein bisschen über die Geheime Wertungsprüfung: "Die Geheime haben wir verpasst, als wir das grüne Schild sahen, haben wir geguckt wie hypnotisierte Kaninchen. Der Joker war damit schon nach der zweiten Wertungsprüfung weg. Das ist ein bissel doof, denn den behält man ja am liebsten so lange wie möglich."

Doch auf dem Sachsenring zeigen die beiden Schweizer ihr Können. Mit einer Abweichung von nur zwei Hundertstel Sekunden gewinnen sie die Königsprüfung der Sachsen Classic auf dem Sachsenring.

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