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Sachsenring Trabant 601 in der Service-Station

Gut und Billig?

Trabant 601, Frontansicht Foto: Fact 9 Bilder

Die meisten Trabant-Fahrer kennen ihr Auto in- und auswendig und reparieren alles selbst – eine kostengünstige Lösung. Doch mit welchen Ausgaben müssen angehende Trabi-Käufer rechnen, die für jede Reparatur in die Werkstatt müssen? Wir befragten dazu verschiedene Experten.

29.06.2013 Bernd Woytal Powered by

Spaßig, kultig, abgedreht - das Image eines Trabant hatte nach dem Mauerfall viele Seiten. Manche wollten grundsätzlich nichts mehr mit diesem Wagen zu tun haben. Andere wiederum lehnten ihn ab, weil ihnen die Duftnote missfiel, die der von einem Zweitakter angetriebene Kleinwagen beim Davonfahren hinterlässt.

Viele schrauben am Trabi selbst

Nachdem das Interesse am Trabant in den vergangenen Jahren mehr und mehr geschrumpft ist, blieben die Liebhaber bei der Stange und freuen sich nun über einen Aufwärtstrend durch Käufer, die den Trabant mit anderen Augen sehen. Michael Vondrovsky von Young Classics im Emmering bei München registriert, "dass immer mehr den Trabant als ernsthaften Oldtimer anerkennen", und Peter Nawrath von Autoland in Münster weiß, „dass etliche Ostdeutsche aus Nostalgiegründen auf der Suche nach einem gut erhaltenen Trabant sind“.

Nicht alle, die sich heute für solch einen Trabant interessieren, sind des Schraubens kundig. Rat und Tat liefert die lebendige Trabi-Szene, wo es zu jedem Problem detaillierte Auskünfte gibt. In dieser Service-Station gehen wir aus Platzgründen auf die wichtigsten Dinge der Technik ein, die ein Neuling wissen sollte. Im Mittelpunkt steht dabei das Modell 601 mit Zweitaktmotor.

In den Tank gehört 1:50-Gemisch

Dieses Triebwerk "kann Ursache für größere Investitionen sein", sagt Peter Nawrath. Laut damaligen Angaben des Herstellers Sachsenring könnten schon nach 60.000 Kilometern die Kolbenringe oder das Mittellager der Kurbelwelle verschlissen sein. Meist halten die Bauteile deutlich länger, "aber dies beeinflusst letzten Endes der Trabant-Fahrer", so Michael Vondrovsky. Lange Vollgastouren mag der Motor nicht," und mancher hat auch schon das Zweitaktöl vergessen", weiß Nawrath. Denn betankt wird der Motor mit einem Gemisch aus Öl und Kraftstoff - im Verhältnis 1:50 seit der Einführung von Kolbenbolzen mit Nadellagerung im Jahr 1974.

Die Zeiten, als man sich etwa im Falle eines Motorschadens einen Trabant für kleines Geld vom Schrott holte, nur um an ein neues Triebwerk zu kommen, sind laut Vondrovsky vorbei. Immerhin werden überholte Zweitaktmaschinen für um die 700 Euro angeboten, hinzu kommt dann noch der Einbau.

Ab und zu brennen die Zylinderkopfdichtungen durch, doch das Erneuern der Kopf- und Fußdichtungen sowie der Krümmerdichtungen fällt mit zirka 100 Euro relativ günstig aus. Um die Kühlung des Zweizylinders nicht zu gefährden, sollte man stets auf den Zustand des Keilriemens achten, der sich nicht ganz so flott wechseln lässt wie bei manchen anderen Autos – und auf das Lager des Axiallüfters. Gibt Letzteres plötzlich laute Geräusche von sich, besteht die Gefahr, dass es festfrisst. Das Ersetzen des Lüfters samt neuem Spannband kostet beim Trabant um die 90 Euro.

Ab 1985 gab's eine elektronische Zündanlage

Noch ein Wort zur Zündanlage. Der Trabant hat zwei Zündspulen und zwei Unterbrecherkontakte, also für jeden Zylinder einen. Bei den ab Ende 1985 produzierten Modellen kam eine elektronische Zündung zum Einsatz, was die Pflege, Einstellung oder das Ersetzen der Kontakte überflüssig macht.

Viele rüsten daher ihre alten Trabant auf eine elektronische Batteriezündanlage (EBZA) um, allerdings sollte das Bordnetz zwölf Volt aufweisen, weshalb die Elektrik der vor Oktober 1983 gebauten Wagen entsprechend umgerüstet werden muss. Zu beachten ist, dass sich nicht jede Zündspule für die EBZA eignet, „und wenn man die Zündung etwas länger einschaltet, ohne den Motor zu starten, kann das Steuerteil der Anlage durchbrennen, falls gerade Zündstrom fließt“, erklärt Vondrovsky einen kleinen Nachteil der Anlage.

Überschaubare Wartungskosten

Grundsätzlich kommt man aber beim Trabant mit einem überschaubaren Etat über die Runden, selbst wenn stets eine Werkstatt beauftragt werden muss. Selbst das Erneuern der Kupplung samt Ausrücklager reißt mit etwa 180 Euro kein allzu großes Loch in den Geldbeutel. Allerdings können die Preise in der Service-Tabelle oben überschritten werden, wenn zum Beispiel bei der Demontage Schrauben abreißen, denn "viele Trabant befinden sich nicht im Topzustand", sagt Vondrovsky.

Selten installiert ist im Trabant übrigens der Hycomat, eine elektrohydraulische Kupplungsbetätigung. Zu den damit verbundenen Service-Arbeiten zählen das Einstellen des Kupplungsspiels sowie ein Check der Schalthebelkontakte und des Hydrauliksystems sowie ein Wechsel des Hydrauliköls.

Kommen wir zum Trabant-Fahrwerk. Zu den wichtigsten Arbeiten in diesem Bereich zählt das Abschmieren. Zu schmieren sind die Lagerstellen der Federgabel, die unteren Lenkerlager, das Lenkgetriebe sowie die Scharniergelenke der bis 1984 verbauten Gelenkwellen. Ab dann wurden Gleichlaufgelenkwellen eingesetzt. Auch die Handbremsseile wollen geschmiert werden.

Entspannte Ersatzteillage

Zu den teuren Reparaturen am Trabant zählt das Erneuern von verschlissenen oder festgegangenen Traggelenken an der Vorderachse. Die Teile sind zwar sehr günstig, aber wegen des hohen Arbeitsaufwands können um 300 Euro oder mehr fällig sein. Ein weiteres Problem hat sich laut Vondrovsky erst in jüngster Zeit herauskristallisiert - "die hinteren Dreieckslenker." Nach 25 Jahren und mehr zeigt das quer zur Fahrtrichtung angeordnete Profilteil des Lenkers Durchrostungen. Ein neuer Dreieckslenker kostet rund 230 Euro ohne Einbau, weshalb diese Reparatur nicht ganz billig ausfällt.

Die Ersatzteillage für den Trabant ist derzeit gut. Es finden sich noch viele Teile aus Altbeständen, andererseits tauchen mittlerweile auch nachproduzierte Teile fragwürdiger Qualität auf dem Markt auf.

Wer nicht selbst an seinem Trabi schraubt, kann dabei auf die Erfahrung der Werkstatt bauen. Aber obwohl die Technik des Wagens nicht sehr kompliziert ist, und man kaum Spezialwerkzeug benötigt, ist es nicht immer ganz einfach, eine Werkstatt zu finden, die sich um einen Trabant kümmern kann oder will.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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