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Die Straßen von Südafrika

Taxi-Trouble zur WM

Sammeltaxen in Südafrika Foto: Sebastian Viehmann 16 Bilder

In Südafrika ist der Kleinbus das wichtigste und auch das abenteuerlichste Verkehrsmittel. Vor der Fußball-WM 2010 gibt es nun mächtig Zoff: Die Polizei versucht Ordnung ins Verkehrschaos zu bringen, und es tobt ein erbitterter Streit zwischen Regierung und Taxifahrern.

08.07.2009

Für viele Taxifahrer in Johannesburg gilt nur eine Regel: Keine Regeln! Zeit ist Geld, rote Ampeln sind nur zur Zierde da, Blinken ist was für Weicheier und der TÜV ist kein Problem - es gibt nämlich keinen in Südafrika. Dementsprechend bleibt das wichtigste Verkehrsmittel am Kap, das Minibus-Taxi, ein echtes Abenteuer. Die Autos sind meist vom Typ Toyota Hi-Ace Siyaya, manche sehen mit ihren zahllosen Dellen und Beulen aus, als müssten sie mal gebügelt werden. Doch viele Busse sind zumindest optisch noch gut in Schuss und werden regelmäßig gewaschen, denn sie sind das wichtigste Kapital ihrer Fahrer.

Das Ziel wird per Handzeichen angegeben

Für Touristen sind die Sammeltaxen trotz der niedrigen Preise mit Vorsicht zu genießen. Denn man wird nicht wie bei einem normalen Taxi zu seiner Haustür gebracht, sondern muss sich Busse einer bestimmten Route aussuchen, die am Ziel ungefähr vorbeiführt. Einen Fahrplan gibt es aber nicht, und die Passagiere am Straßenrand müssen dem Fahrer mit bestimmten Handzeichen anzeigen, wo sie hinwollen. Der Bus wird dann ohne Rücksicht auf den Hintermann radikal abbremsen, um den Fahrgast an Bord zu nehmen.

Fahrgäste sollten eine gewisse Todesverachtung haben

Die Ortskenntnis der Taxi-Chauffeure sucht ihresgleichen, aber das Geflecht der unterschiedlichen Routen ist auf längeren Strecken nicht zu durchschauen. Und obwohl der Verkehr in Kapstadt oder Johannesburg im Vergleich zu Metropolen wie Delhi oder Shanghai noch halbwegs gesittet abläuft, sollten Reisende im Taxi mit ihren oft ungelernten Fahrern schon eine gewisse Todesverachtung mitbringen.

Festnahme statt Knöllchen bei Verkehrsverstößen
 
Die Polizei versucht mittlerweile hart durchzugreifen. "Reckless Drivers", die rote Ampeln überfahren oder durch sonstige Rücksichtslosigkeiten auffallen, werden nicht per Strafzettel verwarnt, sondern sofort festgenommen. Die Maßnahmen richten sich dabei nicht nur gegen Taxifahrer. In Zeitungsberichten beschweren sich bereits Geschäftsleute darüber, dass sie wegen einer Verkehrssünde stundenlang hinter Gittern gesessen hätten, bevor man sie wieder frei gelassen und ihnen gegen eine Gebühr das konfiszierte Auto zurück gegeben habe.

Ein neues Bus Rapid Transit System für die WM 2010

Doch Verkehrschaos und Unfälle sind nicht die einzigen Probleme. Das Reizwort für die Sammeltaxen-Piloten heißt "Rea Vaya". Das ist der Name für das neue Bus Rapid Transit System (BRT) in Johannesburg, Kapstadt und anderen Regionen. Große und moderne Busse sollen im 10-Minuten-Takt die Passagiere auf einer separaten Spur und auf festgelegten Routen transportieren und damit nicht zuletzt das Transportaufkommen während der Fußball-WM bewältigen. Die Taxi-Chauffeure fürchten nun um ihr Geschäft, es kam bereits zu Streiks mit gewaltsamen Ausschreitungen. Die Sorge ist groß, dass davon auch die WM betroffen sein wird. Bei der FIFA hofft man, dass Regierung und Taxi-Lobby eine Lösung am Verhandlungstisch finden. "Jeder soll sein Stück vom Kuchen abbekommen. Die Taxen sollen zum Beispiel auch die Bus-Spuren mitbenutzen dürfen", sagt Thierry Weil, Marketing-Direktor der FIFA. 

Die weißen Afrikaner fahren nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Wer es sich irgendwie leisten kann, verzichtet allerdings gerade in Johannesburg auf jede Art des öffentlichen Personennahverkehrs. Wohlhabende leben abseits der Zentren in geschützten Vierteln wie Rosebank, mauern sich in Häusern mit Stacheldraht und eigenem Security-Service ein. Dazu gehört auch der weiße Teil der Bevölkerung, der gerade einmal 10 Prozent ausmacht. Im Stadtzentrum sieht man nahezu ausschließlich Schwarze und Farbige. Wenn Weiße durch Downtown Johannesburg fahren, dann im eigenen Auto. Neben Land Rover stehen dabei vor allem deutsche Marken hoch im Kurs: Porsche Cayenne und Audi Q7, BMWs und Mercedes C-Klasse sind in "Joburg", wie die Einheimischen ihre Stadt nennen, weit verbreitet. Immer wieder sieht man auch gepanzerte Fahrzeuge.

Die Fußballspiele verlaufen ohne Prügeleien und Alkoholexzesse

Zur Fußball-WM will die Regierung 41.000 zusätzliche Polizisten auf die Straßen bringen. Dennoch bleibt Südafrika mit rund 50 Morden und zahllosen Gewaltverbrechen am Tag ein heißes Pflaster, auf dem man sich vorsichtig, nicht überall und vor allem niemals allein bewegen sollte. Die FIFA rechnet für die WM mit 500.000 bis 600.000 Besuchern von außerhalb Südafrikas. "Viele Besucher werden wir in Ressorts außerhalb der Städte bringen. An den Austragungsorten wollen wir Fanfeste mit Public Viewing für jeweils rund 40.000 Menschen organisieren", sagt Thierry Weil. Der Confed Cup als Generalprobe für die WM verlief bereits ohne große Zwischenfälle. Beim Finale Brasilien gegen die USA im Ellis Park-Stadion in Johannesburg zum Beispiel war die Atmosphäre ausgelassen und friedlich - deutlich entspannter als bei manchem deutschen Fußballspiel mit Prügeleien und Alkoholexzessen.

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