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Schlag um Schlag

Foto: Götz von Sternenfels 10 Bilder

Oft passen nachgefertigte Zierleisten oder Stoßstangen schlecht. Originale sind meist die bessere Wahl, selbst wenn sie erst gerichtet werden müssen.

13.01.2007 Thomas Wirth Powered by

Nur Bruchteile einer Sekunde braucht es, um eine Stoßstange kalt zu verformen. In die eine Richtung. Der Rückweg, also alles ungeschehen zu machen, dauert dagegen Stunden. Wenn man es kann.

Es lässt einen immer wieder staunen, was sich mit Blech alles anstellen lässt. Das vermeintlich simple Hämmern setzt eine große Portion Gefühl und Verständnis voraus. Zum Beispiel für das Material: Wie wird es reagieren? Jeder Schlag beeinflusst die Spannung, streckt das Blech oder staucht es. Mit jedem Schlag ändern sich die Kraftverhältnisse im Material.

Besonders Edelstahl, der bei Stoßstangen oft zum Einsatz kam, ist wegen seiner Zähigkeit und Härte schwer zu bearbeiten. Wesentlich einfacher gelingt es, das weichere Stahlblech zu richten, allerdings muss es anschließend aufwändig verchromt werden. So besitzt jedes Material seine Eigenheiten – genau wie jede Beule.

Harte Knicke sind tückisch

Besonders tückisch zu bearbeiten sind Beulen, die harte Knicke aufweisen. Es fordert Kraft und Gefühl zugleich, sie zu eliminieren. Nur ein vorsichtiges Herantasten an die Rückverformung kann Erfolg bringen. Wer ungeduldig loshämmert, wird den Schaden dagegen kaum beseitigen, sondern eher das Gegenteil erreichen. Besser ist es, sich im Detail und in Zeitlupe vorzustellen, in welcher Abfolge ein Schaden entstanden ist.

Grundsätzlich gilt es, eine direkte Verformung von Folgeverformungen zu unterscheiden. Wenn der Primärschaden zurückverformt wird, folgen die Sekundärschäden oft von selbst: "Man kann Beulen lesen", sagt Blech-Spezialist Uwe Graf aus Berlin, "und es ist wichtig, die Schritte in der richtigen Reihenfolge durchzuführen. "

Das ist eine Frage der Erfahrung. Wie auch die Auswahl des Werkzeugs: So gibt es Hämmer mit Köpfen aus Aluminium, Kupfer, Polyamid, Hartholz oder sogar gewickeltem Leder, die besonders weich arbeiten. Zu harte Köpfe dagegen, aus Stahl zum Beispiel, hinterlassen mit jedem Schlag Marken auf der Oberfläche, die später mühsam herausgeschliffen werden müssen.

Sehr hilfreich sind maßgefertigte Werkzeuge in Form von Stempeln, deren Profil dem der Stoßstange angepasst ist. Als Materialien bieten sich Polyamid und Hartholz an: Sie lassen sich gut bearbeiten, sind hart genug, um den Stahl zu verformen, zudem aber auch noch so weich, dass sie keine Spuren hinterlassen. Das Werkzeug muss, je nach Tiefe der Beule, meist nach und nach angepasst werden – es wächst förmlich mit.

Auf Stahl streckt sich das Metall

Wichtig ist zudem der Untergrund: Auf hartem Material wie Stahl streckt sich das Metall, während mit Bleischrot, Sand oder anderen Stoffen gefüllte Lederkissen einen Teil der Schlagenergie dosiert aufnehmen. Doch auch sie reagieren sehr unterschiedlich: So bremst Sand stark, Blei dagegen fließt wie Wachs. Diese Eigenschaften geben die Auswahl vor.

Erst wenn das Teil seine Form wieder angenommen hat, folgt das Schleifen. Schritt für Schritt sollte man dabei die Körnung steigern und der Versuchung widerstehen, einzelne, jetzt erst erkennbare hohe Stellen herunterzuschleifen. Das kostet viel Materialsubstanz, und so ist Feinrichten in jedem Fall die bessere Methode. Zu vermeiden sind zu viel Druck und Drehzahl: Hitze schadet beim Schleifen, während sie beim anschließenden Polieren umso erwünschter ist.

Das Ergebnis verblüfft in seiner Perfektion. Nicht nur verbeulte Stoßstangen lassen sich retten: Selbst Zierleisten können auf diese Weise weiterleben. Kraft braucht es dafür allerdings kaum – nur jede Menge Gefühl.

Tipps

Es ist ein guter Ansatz, beschädigte Originale nicht wegzuwerfen, sondern zu richten. Ob es sich finanziell lohnt, hängt von den Preisen für einen adäquaten Ersatz ab: Rund 450 Euro würde zum Beispiel eine komplette Sanierung der gezeigten Peugeot 404-Stoßstange kosten. Die Arbeiten an der Zierleiste addieren sich auf etwa 120 Euro, jeweils inklusive kompletter Politur. Weiterhelfen können spezialisierte Karosseriebauer.

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