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Schloss Bensberg Classics 2012

Von Schlossherren und Oldtimern

Schloß Bensberg, Ferrari Dino 166P/206P, Seitenansicht Foto: Hardy Mutschler 44 Bilder

Auf Schloss Bensberg trafen sich 2012 mal wieder einzigartige Automobile und ihre Fan-Gemeinde zum vierten Classic Event.

09.10.2012 Bernd Ostmann

Obwohl sie in diesem Jahr erst zum vierten Mal stattfand, hat sich die Schloss Bensberg Classics längst einen wichtigen Platz im internationalen Oldtimer-Kalender erobert. An einem Wochenende im August durchstreiften knapp 90 Old- und Youngtimer mit ihren Besitzern das Bergische Land östlich von Köln und seine Schlossparks zwischen Bensberg und Lerbach, wo sie zur Mittagszeit vor einer Traumkulisse Aufstellung nahmen.

Für einige Teilnehmer waren die 190 Kilometer der Rallye am Samstag nur ein leichtes Warm-up, denn eigentlicher Höhepunkt der Veranstaltung ist stets der Concours dElégance am folgenden Tag. Als absolute Neulinge hatten Lothar Beier und Jürgen Hördt mit ihrem Porsche 356 Carrera 2 aus der Sammlung von Ex-Rennfahrer Reinhold Joest keine allzu hohen Erwartungen an ihre Platzierung, doch auch beim Concours mussten sich die beiden Ex-Rennmechaniker und ihr fein restaurierter Oldie einem Alfa Romeo Giulietta Sprint Zagato geschlagen geben.

Siegerehrung entspannt vom Liegestuhl aus verfolgen

Der kam in Bensberg groß raus: Zuerst pilotierte ihn das Duo Oliver Philip Kreyden und Alec Schärrer bei der Rallye auf den achten Gesamtrang, dann erhielten sie für ihr Auto in der Kategorie "Ästheten der Beschleunigung/Nachkriegs-Sportwagen" vom aktuellen Chef der Designschmiede Andrea Zagato persönlich einen Pokal. Neben zwei weiteren Designern – Fabrizio Giugiaro und Stefan Sielaff – gehörten Christian Philippsen, Wim Oude Weernink, Jürgen Lewandowski, Franz-Josef Paefgen, Jacky Ickx und der Autor zur Jury.

Wer nur an der Rallye teilnahm, konnte die Siegerehrung am Sonntag entspannt von einem Liegestuhl verfolgen und die Sieger des Concours an sich vorbeiflanieren lassen. In der ersten Reihe saßen Schauspieler Erol Sander und seine Kollegen Herbert Knaup, Jürgen Prochnow und Helmut Zierl, dazu TV-Größen wie RTL-Frontmann Wolfram Kons. Der Moderator des Spendenmarathons fuhr zusammen mit Renn-Legende Jacky Ickx – und flachste im Ziel: "Der Veranstalter hat sich sicher gefragt: Wie können wir Ickx davon abhalten, hier zu gewinnen? Gebt ihm Wolfram Kons – und es wird gelingen." Mit Rang 21 landete das Duo im vorderen Mittelfeld.

Hans-Joachim Stuck hatte sich für die Bensberg-Rallye mehr vorgenommen. Er steuerte ein Porsche 356 Hardtop-Coupé und gestand, dass ihm Oldtimer-Rallyes mittlerweile "tollen Spaß" machen. In der Mittagspause verhandelte Striezel, wie ihn seine Freunde nennen, bereits über einen Start bei der nächsten Mille Miglia 2013. "Ich bin richtig angefixt", sagte der lange Bayer, der sich für den Applaus beim Publikum mit einem Jodler bedankte. Sein erklärtes Ziel für die Mille Miglia 2013: "Ein Platz unter den ersten 50."

In Bensberg kam Stuck immerhin auf Rang fünf – und ließ sich von seinen Porsche-Rennkollegen aus früheren Zeiten gratulieren. Denn während er mit dem 956 und 962 in den achtziger Jahren erfolgreich war, hat das Quintett auf der Bühne bereits seit den Fünfzigern für Ruhm und Rennerfolge der Zuffenhausener gesorgt: Hans Herrmann, Le Mans-Sieger im 917, Herbert Linge, dessen Copilot bei der Mille Miglia im 550 Spyder, Kurt Ahrens, der den ersten Sieg für den 917 errang, Willi Kauhsen und Jochen Neerpasch.

Hans Herrmann erzählt von Triumphen und Schrecken

Sie erzählten von ihren Triumphen und Schrecken. Hans Herrmann beispielsweise von der Mille Miglia, als er mit Vollgas um eine schnelle Links kam und sich plötzlich mit einer Bahnschranke konfrontiert sah: "Bremsen ging nicht mehr, also hab ich dem Herbert auf den Sturzhelm geschlagen. Und dann sind wir unter der sich schließenden Schranke durchgerauscht."

Gut in Erinnerung blieb auch die Zeit, als das spätere Siegerauto noch "unfahrbar" war. Kurt Ahrens erinnerte sich: "Ich durfte den 917 zuerst fahren. Herr Piëch wollte das so." Und Kauhsen erklärte: "Wir hatten damals noch keinen Physiotherapeuten. Herr Piëch sagte uns, wo es langgeht." Und: "Frau Piëch kochte für uns." Dass es Ahrens bereits nach zwei Runden im 917 auf dem Nürburgring schlecht wurde, lag aber wohl nicht am abenteuerlichen Fahrverhalten des Rennwagens, sondern an den "Spiegeleiern, die mir Frau Piëch gemacht hatte".

Und es gab auch Überraschungen: Willi Kauhsen gewann 1970 zusammen mit Gérard Larrousse in Le Mans die so genannte Index-Wertung, "die viel höher dotiert war als der Gesamtsieg", wie sich der Gesamtzweite erinnert. "Plötzlich hatten wir einen Scheck über 300.000 Franc in den Händen", erzählt Kauhsen. "Wir also am nächsten Morgen zur Bank. Aber die hatten nicht so viel da. Als wir endlich zu unserem Geld kamen, haben Gérard und ich im Flugzeug geteilt — unrasiert, mit dem vielen Geld. Die Stewardess war so erschrocken, als sie uns mit den vielen Scheinen sah, dass sie uns nicht mehr bedient hat. Die dachte, wir seien Bankräuber."

In Bensberg ging es nicht ums große Preisgeld

In Bensberg ging es nicht ums große Preisgeld, dafür aber um Automobile, die heute für Millionen gehandelt werden. Etwa um den Jaguar E-Type Lightweight, in dem Peter Lindner in Montlhéry 1964 tödlich verunglückte. Mittlerweile wurde das Wrack so originalgetreu wieder aufgebaut, dass es den Sonderpreis für das Auto im besten restaurierten Zustand erhielt.

Oder ein Mercedes 300 Sc Roadster: Er gewann nicht allein die Kategorie "Könige des Komforts/Nachkriegs-Luxuswagen", sondern bekam auch noch den Sonderpreis des Publikums. Kein Wunder, dass der Klassiker mittlerweile "für eine Million Euro gehandelt wird", wie Restaurator Klaus Kienle verriet. Der Sonderpreis zu Ehren des kürzlich mit 100 Jahren verstorbenen Ex-Rennfahrers und Motor Presse-Gründers Paul Pietsch für den "Bedeutendsten Sportwagen" ging an einen Ferrari 250 GTO.

Erinnerungen an den Beginn seiner Karriere wurden wach, als VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg seinen Bugatti 35 T aus dem Jahr 1926 startete, mit dem Pietsch seine ersten Rennen gewonnen hat. Besonders nach heutigen Maßstäben ist es kein einfach zu fahrendes Auto, schon weil es für normale Schuhe im Fußraum keinen Platz gibt. Auch die Startprozedur fordert Kennerschaft und Konzentration: Benzinhahn auf, Benzindruck per Hand aufbauen, Zündung auf früh stellen, Vergaser fluten, Standgas hoch, Zündung an. Damit nicht genug, denn dann braucht es noch einen kräftigen, unerschrockenen Mann vorn an der Handkurbel. Doch wenn der Achtzylinder loslegt, taugt er immer noch für Spitzenplätze. Hackenberg gewann mit seiner Frau Thresia sogar zwei Sonderprüfungen und sicherte sich den Klassensieg.

Auch der Gesamtsieg blieb im Konzern. Wie so oft ließen sich die mehrfachen Deutsche Rallyemeister Matthias Kahle und Peter Göbel im Skoda 130 RS als Erstplatzierte feiern. Es war der erfolgreichste, aber nicht der schönste Skoda im Feld. Den pilotierten Pressesprecher Peik von Bestenbostel mit Gattin: einen Popular Monte Carlo 909 aus dem Jahr 1937.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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