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Schnelllade-Probleme

Anschluss gesucht

Schnelllade-Probleme, Ladestation, Alexander Bloch Foto: Hans-Dieter Seufert 37 Bilder

Hurra! Tesla baut auf eigene Faust ein deutschlandweites Super-Schnellladesystem. Wie doof, dass es aber nur die eigenen Edel-Stromer lädt, meint Alexander Bloch.

05.12.2013 Alexander Bloch

Elon Musk lässt wieder die Muskeln spielen, und deutsche Elektroauto-Fans müssten darüber eigentlich jubeln. Der Tesla-Chef kündigte just einen extrem zügigen Aufbau von Schnellladestationen vor allem entlang den deutschen Autobahnen an.

Tesla Model S, Display
Multifunktionsdisplay im Tesla Model S 3:34 Min.

Deutschland hätte ein umfangreiches Schnellladernetz

So sollen schon bis Ende März 2014 rund 50 Prozent Deutschlands dank der Aufladung an so genannten Superchargern für das Tesla Model S erreichbar sein. Ende des Jahres soll das Netz - immer statistisch gesehen - sogar lückenlos sein. Damit würde Deutschland innerhalb eines Jahres zum pro Kopf bestversorgten Land der Welt, was Schnelllader betrifft. Was Politik und deutsche Wirtschaft nicht hinbekommen, richtet Wunderkind Elon im Alleingang. Zur Erinnerung: Bisher gibt es in der EU gerade mal sechs Supercharger-Stationen - und die stehen im Elektroauto-Paradies Norwegen.

Die Daten lesen sich dabei verführerisch: Schon jetzt feuern diese Gleichstromsäulen mit ihrem integrierten Inverter (Wechselstrom-zu-Gleichstrom-Wandler) 120 Kilowatt Ladeleistung in den Akku. Was bei 85 kWh Kapazität und 381 Kilometer Reichweite bedeutet, dass der Tesla-Fahrer schon nach einer knappen dreiviertel Stunde wieder 80 Prozent des Energieinhalts oder 300 Kilometer Reichweite im Akku lagert. In Zukunft sind sogar 135 Kilowatt Ladeleistung geplant. Damit werden in zehn Minuten 100 Kilometer Reichweite nachgeladen. An 230-Volt-Steckdosen würde dieser Akt rund sieben Stunden dauern.

Und weil es die bei Tesla äußerst ernst mit der Elektromobilität meinen, gibt es den Strom sogar kostenfrei - für Tesla-Kunden wohlgemerkt. Während die anderen hauptsächlich noch reden, handeln die kalifornischen Strom-Guys in atemberaubender Geschwindigkeit. Die Reichweiten-Nachteile des E-Autos werden damit immer mehr zur Makulatur. Selbst wenn man berücksichtigt, dass solche extremen Schnellladungen den Akku immens stressen und nicht zum Alltag werden sollten. Beim Thema Batterie-haltbarkeit spielen die ersten Kunden da in gewisser Weise noch Beta-Tester.

Kein Anschluss für BMW i3 oder Nissan Leaf

Aber: Sie fahren einen BMW i3 oder Nissan Leaf? Dann finden Sie bei diesen Säulen keinen Anschluss. Das Tesla-System ist derzeit nur mit eigenem Stecker und Ladeprotokoll nutzbar. Anstatt die Elektromobilität mit gemeinsamen, weltweiten Standards nach vorne zu bringen, kocht Tesla sein eigenes egoistisches Schnelllade-Süppchen.

Zwar verspricht Elon Musk, dass jedes Modell, das mit 135 kW zurechtkommt, auch an den Supercharger-Stationen laden könnte, doch technisch ist das derzeit unmöglich. Ganz im Gegenteil: Japanische Tesla-Kunden werden nicht an den wenigen Superchargern laden, sondern an den dort schon sehr verbreiteten Säulen des Chademo-Systems, wie es etwa Nissan für den Leaf nutzt. Mit 50 kW ist es kaum halb so schnell, jedoch besteht laut Nissan in naher Zukunft die Option auf ein 100-kW-Upgrade.

Fakt ist: Kaum ist der Pulvernebel beim egozentrischen Kampf der Hersteller und Länder um die normalen Ladestecker verpufft, haben wir wieder drei verschiedene, zum Teil inkompatible Gleichstrom-Schnellladesysteme auf dem Markt. Das deutsch-amerikanische CCS (Combined Charging System) mit bis zu 100 kW ist das Dritte im Bunde. Ein BMW i3 oder VW E-Up laden daran mit maximal 50 kW. Immerhin: Der Schweizer Konzern ABB baut eine Kombi-Ladesäule, an der sowohl per Chademo wie CCS geladen werden kann.

Siemens steigt aus

In den Niederlanden soll damit über die Firma Fastned ein Ladenetz mit nur 50 Kilometer großen Maschen auf der Autobahn entstehen. In Deutschland kündigte Siemens dagegen erst im September seinen Ausstieg aus dem Ladesäulen-Geschäft an. Das Elektroauto-Geschäft entwickle sich zu langsam, so die Begründung. Dafür verlangen Parkhäuser hierzulande zum Teil horrende Ladegebühren (wir berichteten darüber in Heft 20/2013).

Zum Vergleich: Der österreichische Energieanbieter Kelag lässt an seinen 400-Volt-Säulen kostenlos laden. Bei der derzeitig dürftigen Ladeinfrastruktur in Deutschland kann man nur hoffen, dass nicht zu schnell viele E-Autos verkauft werden. Schon jetzt sind die wenigen Ladeplätze entweder von Stromern oder ahnungslosen beziehungsweise ignoranten Verbrennungsautos-Besitzern besetzt.

Wenn alle - die Deutschen, aber auch Tesla - den Erfolg des E-Autos wirklich wollen, dann ist es an der Zeit, sich zusammenzusetzen und gemeinsam ein Schnellladenetz aufzubauen. Denn was derzeit passiert, ist schlicht noch Musk - pardon Murks.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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