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Schrauber, Sharer oder Käufer

5 junge Fahrer und ihre Mobilität

Junge Mobilität, Berenice Schneider Foto: Dino Eisele 21 Bilder

Junge Menschen interessieren sich nicht mehr für Autos? Von wegen! Vom Schrauber bis zum Carsharing-Nutzer: Fünf junge Fahrer erklären, wie sie ans Steuer kommen.

10.07.2014 Luca Leicht, Bérénice Schneider, Philipp Julius Schwab

Der typische Student steht nachmittags um vier auf und fährt, wenn überhaupt, eine klapprige alte Rostlaube – so ein gängiges Klischee. Aber gilt das auch heute noch? Sind der Führerschein und das erste eigene Auto immer noch das große Ziel beim Erwachsenwerden? Stefan Joos beantwortet diese Frage mit entschiedenem Ja. Und mehr noch: Der angehende Ingenieur entspricht auch in einem anderen Punkt dem einst typischen Studenten. Denn er fährt ein altes Auto.

Aber nicht weil er müsste, sondern weil er will. Klapprig ist sein Ford Escort GL auch nicht. Für Stefan bedeutet sein Auto persönliche Flexibilität. Und da fangen die Unterschiede schon an: Während in der Stadt der öffentliche Nahverkehr mobil macht und Parkplatznot gegen das eigene Auto spricht, sorgt in ländlichen Regionen allein das eigene Fahrzeug für die lang ersehnte individuelle Freiheit.

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auto motor und sport 13/2014
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Schrauben aus Leidenschaft

Stefan ist ein leidenschaftlicher Hobbyschrauber. Zudem kann er entspannt darüber hinwegsehen, wenn die Kiste mal nicht anspringt und ein Wochenende in der Werkstatt und nicht auf Partys stattfindet.

Auch seine Kosten halten sich in Grenzen. Zu den 1.500 Euro Kaufpreis für den Escort kamen in den letzten anderthalb Jahren rund 2.500 Euro für Ersatzteile. Die Reparaturen erledigt Stefan überwiegend in Eigenarbeit. Dafür eignet sich allerdings nicht jedes Auto. Bei neueren Fahrzeugen bereitet vor allem der zunehmende Elektronikanteil Probleme. Bei älteren Modellen lohnt ein Blick auf die Ersatzteillage. Für Klassiker wie VW Golf, BMW 3er oder Opel Calibra und Corsa ist das Angebot meist gut. Tipps dazu liefern Internetforen, Youngtimer-Messen, Fantreffen und Gespräche auf Schrottplätzen. Gute Kontakte sind in jedem Fall hilfreich, denn nicht jede Reparatur lässt sich in der heimischen Garage erledigen. Wer nicht auf Freunde mit Werkstatt oder Hebebühne zurückgreifen kann, findet in Mietwerkstätten alles Nötige. Allerdings ist nicht jedem das Talent zum Schrauben in die Wiege gelegt und nicht jeder möchte seine Freizeit in einer Werkstatt verbringen.

Sparen für den großen Traum

Aber wie sieht es mit der Zuverlässigkeit aus? Bei alten Autos nicht selten schlecht. Für Duc Nguyen lag deshalb das Augenmerk auf einem jungen Gebrauchten. Besonders Jahreswagen oder Leasingrückläufer sind oft günstig zu haben. Auch wer auf ABS, Airbags und ESP Wert legt, wird bei älteren Modellen kaum fündig. Dieser Komfort hat eben seinen Preis. Wenn nicht gerade Eltern oder Verwandte das Budget aufbessern, kann die Wartezeit lang und voller Entbehrungen sein. Duc war es das wert. Er muss sich weder über Beschränkungen in Umweltzonen noch über Vertragsklauseln, Kilometerbegrenzungen oder Ähnliches Gedanken machen. Außerdem darf der Auszubildende an seinem Mercedes verändern, wonach ihm der Sinn steht.

Teilen und flexibel bleiben

Bei Philipp Schwab steht dagegen ein eigenes Auto weit unten auf der Wunschliste. Nicht, weil er kein Interesse an einem Auto hätte. Er braucht einfach keins. Philipp ist Carsharer.

In immer mehr Städten kann man Pkw für kurze Zeit ausleihen. Je nach Anbieter stehen vom Smart bis zum kleinen Transporter verschiedenste Fahrzeugkategorien zur Verfügung. Die Kosten werden kilometer- oder minutengenau abgerechnet und der Sprit ist dabei häufig inklusive. Ein eigenes Auto bedeutet für Philipp dagegen nur unnötigen Stress, denn beim Carsharing kümmern ihn weder Steuer und Versicherung. Inspektionen, Reifenwechsel oder Reparaturen erledigt der Anbieter.

Probleme gibt es ab und an bei der Verfügbarkeit. Nicht immer steht dort ein Auto, wo er es braucht, denn die Flottengröße ist noch überschaubar. Auch spielt die Art des Carsharings eine wichtige Rolle. Während die Anbieter car2go und DriveNow ihre Fahrzeuge frei im Geschäftsgebiet verteilen, sind viele andere stationsgebunden. Per Internet, Telefon oder per App kann der Nutzer abrufen, wo das nächste Auto steht, und es in einigen Fällen direkt reservieren. Wichtig ist vorher ein Blick in den Rahmenvertrag. Zum Einen variiert die Höhe der Selbstbeteiligung im Versicherungsfall zwischen den Anbietern teilweise erheblich. Zum Anderen wird ein Mindestalter oder eine bestimmte Zeit des Führerscheinbesitzes verlangt. Übrigens: Carsharing könnte bald auch in ländlichen Gegenden oder für Leute mit eigenem Auto interessant werden. Start-ups wie Autonetzer beginnen, deutschlandweit Pkw zwischen Privatpersonen zu vermitteln. Für große Reisen taugt das Konzept Carsharing zurzeit bedingt, da die Anzahl der Freikilometer gering und das Geschäftsgebiet klein ist.

Mieten statt kaufen

Für Luca Leicht ist mieten die beste Alternative. Ähnlich wie beim Carsharing bezahlt er nur für ein Auto, wenn er wirklich fährt, und muss sich um laufende Kosten oder Reparaturen keine Gedanken machen. Außerdem wählt er immer genau die Art von Auto, die er gerade braucht. Das muss nicht teuer sein. So sind am Wochenende oder in Studententarifen einige Fahrzeugtypen günstiger zu haben. Auch Automobilclubmitglieder können sparen. Sie bekommen bei Vermietungen Freikilometer oder Rabatte.

Wer zusätzlich noch Freunde mitnimmt, kann die Kosten aufteilen. Allerdings setzen manche Anbieter ein Mindestalter von 21 oder 23 Jahren zum Mieten voraus. Die Spontaneität im Vergleich zum eigenen Auto sinkt deutlich. Denn nur mit rechtzeitiger Planung halten sich die Kosten in Grenzen. Das aber liegt nicht jedem und ist auch nicht immer möglich. Wer noch dazu in einer ländlichen Region wohnt, hat nicht unbedingt eine Vermietstation in der Nähe. Gerade dort kann oder möchten viele nicht auf ein eigenes Auto verzichten, wenn Busse und Bahnen nicht regelmäßig fahren.

Planungssicherheit beim Leasing

Für junge Menschen und Fahranfänger stellt beim eigenen Auto die Versicherung ein großes finanzielles Problem dar. Selbst für einen Polo werden dafür im Jahr schnell 1.000 Euro fällig. Für Lea Rupp war das, addiert zum Kaufpreis, zu viel. Deswegen leasen ihre Eltern für 200 Euro monatlich einen Mini – ohne Anzahlung, inklusive Steuern und Versicherung. Beides ist allerdings nicht der Regelfall, sondern hängt individuell von der jeweiligen Bank ab. Diese vergibt normalerweise auch keine Verträge an Schüler oder Studenten ohne festes Einkommen, hier müssen die Eltern unterstützen. Bei der Rückgabe nach Ende der Vertragslaufzeit können jedoch Zusatzkosten entstehen, wenn Freikilometer überschritten wurden oder Reparaturen nötig waren. Eines wird jedoch auch in Zukunft gelten: Junge Menschen wollen flexibel sein. Maschinenbaustudent Stefan schraubt daher bereits an seinem nächsten Projekt – einem Ford Granada Turnier mit Sechszylinder-Diesel.

Der Schrauber - Stefan Joos, 21, Student: Ich mache alles selbst!

Als Maschinenbaustudent habe ich nicht nur während der Uni ständig mit Autos zu tun. Da ich zu den Vorlesungen pendle und auf meinen Ford Escort GL angewiesen bin, schraube ich in einer alten Scheune, wenn etwas kaputt ist. Das ist nicht immer einfach. Zum Beispiel als ich das Getriebe tauschen musste und keinen Werkstattkran hatte. Da musste ich das Fahrzeug auf Böcken abstellen und den Motor samt Getriebe auf Kartonagen lagern. Ein solcher Eingriff ist aber keinesfalls zu teuer und aufwendig. Wenn man weiß, wo man fragen muss, können Ersatzteile einfach, schnell und günstig organisiert werden. Das geht dann über den erweiterten Freundes- und Schrauberkreis, bei Autotreffen oder spezifischen Foren im Internet. Was den Verbrauch angeht, komme ich im Schnitt mit neun Litern Super aus. Auf der Autobahn sind es sieben und in der Stadt eher elf Liter. Trotz Hohlraumversiegelung hat mein Auto ab und an Rostprobleme. Muss die Zündung eingestellt werden, gehe ich in eine freie Werkstatt. Ansonsten werden alle Arbeiten wie an den Bremsen, der Kupplung oder ein einfacher Ölwechsel stets in Eigenregie abgewickelt. 

Der Sparer - Duc Nguyen, 21, Auszubildender: Ich will unabhängig sein!

Seit ich zwölf war, habe ich auf mein eigenes Auto gespart. Mit Mercedes bin ich groß geworden – mein Vater fährt eine C-Klasse und ist sehr zufrieden mit dem Auto. Also habe ich mir vor zwei Jahren auch eine gesucht. Ich fand eine Limousine, Baujahr 2010, mit 16.000 Kilometern auf dem Tacho und inklusive umfangreicher Gebrauchtwagengarantien vom Vertragshändler. Mir war sehr wichtig, dass es ein möglichst junger Wagen mit wenigen Kilometern war, denn ich wohne unter der Woche in Stuttgart und fahre am Wochenende weit, um meine Freunde und Familie zu besuchen. Da brauche ich die Sicherheit, dass mit dem Wagen immer alles in Ordnung ist, und den zusätzlichen Komfort, den eine C-Klasse mit sich bringt. Warum ich den Wagen nicht geleast habe? Ich wusste, dass ich nach meiner Ausbildung noch eine Weiterbildung zum Maschinenbautechniker machen wollte. Die zusätzliche finanzielle Belastung durch die Leasingraten kann ich mir da nicht leisten. Außerdem musst du mehr auf das geleaste Auto aufpassen und kannst keine Veränderungen daran vornehmen – und das wollte ich unbedingt. Inzwischen hat der Wagen getönte Scheiben und einen lackierten Grill, als Nächstes lasse ich ihn tieferlegen. 

Der Sharer - Philipp Schwab, 26, Student: Ich zahle nur, wenn ich fahre!

Carsharing ist für mich die optimale Alternative zum eigenen Auto und zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich bestimme selbst, wann ich losfahre, und selbstverständlich auch, wo ich hinmöchte. Für meine Zwecke bietet car2go die beste Lösung. Die Kosten für die Anmeldung liegen bei einmaligen 19 Euro. Jede gefahrene Minute kostet mich 29 Cent. Im Elektro-Smart kann ich noch eine Person zusätzlich mitnehmen, und für alle gängigen Einkäufe bietet der Kofferraum ausreichend Platz. Die Fahrzeuge sind im gesamten Stadtgebiet verteilt. Ich nehme mir da, wo ich gerade stehe, ein Auto mit und stelle es an meinem Ziel einfach ab – ideal. Eine Fahrt ins Zentrum kostet mich knappe drei Euro. Das zahle ich auch für den öffentlichen Nahverkehr. Mit laufenden Kosten wie Kraftfahrzeugsteuer oder -versicherung habe ich nichts zu tun. Ebenso wenig wie mit anfallenden Parkkosten. Da die Fahrzeuge regelmäßig von innen und außen gesäubert werden, habe ich durchweg ein sauberes und zuverlässiges Fortbewegungsmittel.

Der Mieter - Luca Leicht, 25, Volontär Ich will Abwechslung!

Immer ein und dasselbe Auto fahren, das ist mir zu langweilig. Ich will Abwechslung. Am liebsten die volle Bandbreite an Herstellern und Fahrzeugtypen. Da ich mir aber nicht alle Autos kaufen kann, miete ich sie einfach. Zum Skiurlaub mit Freunden buche ich einen Zafira mit sieben Sitzen und Dachbox, zum Kurztrip mit der Freundin ein schickes Cabrio und zum Umzug den großen Sprinter. Für jeden Zweck den passenden Wagen. Besonders auf weiten Reisen von Stadt zu Stadt lohnt sich das. Bezahlen muss ich nur dann, wenn ich das Auto auch brauche. Sobald ich am Ziel bin, gebe ich den Wagen bei einer der Vermietstationen ab und hole es erst wieder für den Heimweg. Damit es nicht zu teuer wird, versuche ich früh zu buchen. Drei Wochen Vorlauf genügen aber meist. Mit etwas Glück bekomme ich dann für 150 Euro pro Tag einen Siebensitzer. Bei voller Besetzung macht das pro Kopf nur etwas mehr als 20 Euro plus Spritgeld — und falls ich einen Platz frei habe, setze ich die Fahrt ganz einfach bei einem der Online-Portale wie BlaBlaCar oder Mitfahrzentrale ins Internet und suche dort nach Mitfahrern.  

Die Leaserin - Lea Rupp, 18, Schülerin: Ich will sorglos mobil sein!

Morgens muss ich in die Schule, nachmittags möchte ich in den Reitstall und am Wochenende zu Freunden. Die Busse fahren bei uns in der Kleinstadt aber nur tagsüber und nicht überallhin. Und mit meinem gedrosselten Roller war ich zum Teil ewig unterwegs. Um endlich mobil und unabhängig zu sein, wollte ich unbedingt ein eigenes Auto. Für einen Gebrauchten hatte ich schon Geld gespart. Die Versicherung wäre für mich als Fahranfängerin aber extrem teuer gewesen. Ich habe mich deswegen über andere Möglichkeiten informiert und nachgerechnet. Jetzt leasen meine Eltern für mich einen Mini. Für 200 Euro im Monat ist die Versicherung mit drin. Pro Jahr darf ich 10.000 Kilometer fahren und um TÜV und Inspektionen muss ich mich nicht kümmern. Den Sprit zahle ich selbst und die Leasingrate teile ich mir mit meinen Eltern. Dafür habe ich ein modernes Auto mit Sitzheizung, Klimaanlage und guter Sicherheitsausstattung. Zwar muss ich den Wagen nach drei Jahren abgeben, aber ich weiß sowieso nicht genau, ob ich ihn dann noch brauche. Vielleicht ziehe ich zum Studium in eine Großstadt und komme dort ganz ohne Auto aus.

Für jeden Typ gibt es eine Lösung

Der Schrauber frönt seinem Hobby, der Leaser geht auf Nummer sicher und der Käufer nennt das Auto sein Eigen. Dank der vielen Möglichkeiten müssen junge Fahrer heute für ein Auto nicht unbedingt jahrelang das Sparschwein füttern. Manchmal genügt schon handwerkliches Geschick – oder einfach ein Carsharing-Ausweis.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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