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Schumacher

"Natürlich leidet man"

Foto: Kräling 70 Bilder

Michael Schumacher hat von zuhause den Australien GP verfolgt und mit seinem Ferrari-Team mitgelitten. Im Interview mit auto-motor-und-sport.de spricht der siebenfache Weltmeister über die Gründe für den Fehlstart.

19.03.2008 Claus Mühlberger Powered by

Wo haben Sie den GP Australien angeschaut?
Schumacher: Zuhause.

Sie sind um fünf Uhr aufgestanden?
Schumacher: Das war ja wegen der späteren Startzeit in diesem Jahr nicht so schlimm. Ich bin bei allen Rennen mit dem Team per Datenleitung verbunden. Zudem habe ich auch einen Zeitenmonitor. Das ist aber nicht so wichtig wie die Kommunikation des Teams.

Wie sehr haben Sie am letzten Wochenende als Fernsehzuschauer beim GP Australien mit Ihrem Ferrari-Team gelitten?
Schumacher: Natürlich leidet man. Auf der anderen Seite ist dies der Rennsport. So hart wie es klingt, so etwas gehört dazu. Ich kann nur eines sagen: Es st mir lieber, wenn so etwas am Anfang der Saison passiert als am Ende des Jahres, wenn man dann dadurch die Meisterschaft verliert.

Glauben Sie, dass Ferrari auch 2008 Weltmeister wird?
Schumacher: Sowieso.

Sind die Ferrari-Fahrer in Australien nicht etwas übermotiviert zu Werke gegangen, man denke nur an den Dreher von Felipe Massa beim Start?
Schumacher: Felipe hatte den falschen Gang drin, aus einem Grund, den wir jetzt noch nicht wissen. Er hatte einen zu niedrigen Gang drin. Zusammen mit der fehlenden Traktionskontrolle und einem Haufen Leistung führt dies dazu, dass es dann ziemlich schwierig wird. Man bekommt Wheelspin und zusammen mit den relativ kalten Reifen wird das Auto sehr kritisch.

Für Felipe war das Rennen nach 200 Metern gelaufen.
Schumacher: Felipe ist danach eigentlich ein positives Rennen gefahren und er hat gut Boden gutgemacht. Die Safety-Car-Phasen kamen für beide Fahrer zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Wir konnten davon nicht profitieren. Aber es steht außer Frage, dass wir WM-Punkte hätten holen können.

Wie haben Sie Massa Rempler gegen Coulthard gesehen?
Schumacher: Das ging schon eher auf Felipes Kappe. Auf der anderen Seite möchte ich behaupten, dass David schon ein bisschen cleverer hätte mitfahren können. Er hätte die Chance gehabt, der Sache aus dem Weg zu gehen. Es ist aber keine Frage, dass Felipe der Verursacher war.

Kimi Räikkönen war gleich zweimal neben der Strecke. War er beim Bremsen zu optimistisch?
Schumacher: Ja, er war optimistisch. Der Ausrutscher ist aber nach einer Safety-Car-Phase passiert und zwar in der Kurve 3, der ersten Kurve, wo richtig gebremst wird. Das ist eine kritische Phase. Man muss erst wieder die Reifen aufwärmen. Kimi hatte alte Reifen drauf und die ließen sich wesentlich schwieriger wieder auf Temperatur bringen wie die Reifen auf dem Auto von Kovalainen. Der hatte ziemlich frische Reifen darauf. Bei Kimi haben sofort die Räder blockiert. In einer solchen Situation schießt man so übers Ziel hinaus, als hätte man 100 Meter zu spät gebremst. Dabei waren es nur fünf Meter. Im Normalfall könnte man so etwas noch ausgleichen.

Was halten Sie von den neuen Safety-Car-Regeln?
Schumacher: Ich finde es ziemlich schwachsinnig, die Boxengasse zu schließen, sobald das Safety-Car rausfährt. Da geht es nicht um unsere Team. Wenn ich sehe, dass zum Beispiel ein Kovalainen ein perfektes Rennen fährt und dann durch Pech eine Podiumsplatzierung verliert, weil das Safety-Car zu einem für ihn ungünstigen Moment auf die Strecke geht, dann ist das nicht gut.

Sie plädieren also für die Wiedereinführung der alten Safety-Car-Regeln.
Schumacher: Genau. Man will durch die neuen Regeln verhindern, dass die Fahrer mit Vollgas zum Boxenstopp fahren. Aber man könnte doch auch mit anderen Mitteln, zum Beispiel anhand der Sektorzeiten, feststellen, ob ein Fahrer zu schnell war. Das macht man ja auch so, wenn gelbe Flaggen gezeigt werden. Durch die neuen Regeln spielt für meinen Geschmack der Zufall eine zu große Rolle.

Könnte nicht genau dies der Grund dafür gewesen sein, dass die Regel eingeführt wurde?
Schumacher: Sie meinen, man wollte das Feld absichtlich durcheinander würfeln? Wenn dies so sein sollte, fände ich es schade. Es sollte nicht der Hintergrund für eine Regeländerung sein, diejenigen zu bestrafen, die hart gearbeitet haben und denjenigen Vorteil zu verschaffen, die nicht so hart gearbeitet haben.

Ferrari hat im Winter 14.000 Kilometer getestet. Wie ist es zu erklären, dass es in Australien trotzdem so große Problem mit der Standfestigkeit der Motoren gab?
Schumacher: Wir haben verstanden, woran es lag: Es handelte sich um Pfennigartikel. Das Problem ist bei den Testfahrten nicht aufgetreten. Es hat auch nichts mit der Standfestigkeit der Motoren selbst zu tun. Auf weitere Details möchte ich da nicht eingehen.

Man kann also davon ausgehen, dass sich das Motorenproblem von Australien am nächsten Wochenende in Malaysia nicht mehr auftritt?
Schumacher: Es war kein Motorenproblem sondern es lag am Umfeld der Motoren.

Wie werten Sie die Podiumsplatzierungen von Nick Heidfeld und Nico Rosberg?
Schumacher: Ich habe mich gefreut. Generell ist es schön zu sehen, dass mit BMW und Williams zwei Teams wesentlich näher an die Spitze herangerückt sind und dass diese Teams die Sache hier und da etwas spannender gestalten können. Es gibt aber immer noch eine Lücke zu den Topteams Ferrari und McLaren. Wie groß sie in Wahrheit ist, werden wir erst dann sehen, wenn alle Vollgas fahren. In Australien wurde das Ergebnis durch die Safety-Car-Phasen etwas verfälscht.

Der frühere Ferrari-Teamchef  Jean Todt kommt zum GP Malaysia. Waren Sie auch schon versucht, ihr Flugzeug volltanken zu lassen und ebenfalls zum GP am nächsten Wochenende zu reisen?
Schumacher: Ich hatte nie die Absicht, nach Malaysia zu reisen. Das hat sich auch nach dem Rennen von Australien nicht geändert. Jean hingegen hatte schon seit langem, seit zwei Monaten, geplant, nach Kuala Lumpur zu kommen. Irgendwie passt dies schön ins Bild: Jetzt in der großen Krise nach dem ersten Rennen kommt der Chef und prompt wird alles ganz anders. Das ist die klassische Story, die so in Wirklichkeit aber nie stattfindet.

Wie geht das Rennen in Malaysia aus?
Schumacher: Ich hoffe gut für uns, mit einem Sieg.

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