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Schumacher

"Sebastian kann ein ganz Großer werden"

Foto: Red Bull 56 Bilder

Ferrari-Berater Michael Schumacher über Sebastian Vettels Sensationssieg in Monza, die aktuelle Verfassung von Weltmeister Kimi Räikkönen und die Baustellen im Ferrari-Team.

24.09.2008 Claus Mühlberger Powered by

Ist Sebastian Vettel der neue Schumi?
Schumacher: Nein, Sebastian ist der neue Vettel. Ich mochte nie die Vergleiche die mit mir angestellt wurden. Warum sollte ich das jetzt mit dem Sebastian tun? Er hat seinen Weg auf seine Art und Weise gemacht. Er hat die Dinge kontinuierlich und konsequent durchgezogen. Da kann man nur sagen: genial!

Die beiden Ferrari-Fahrer haben in Monza nicht besonders gut abgeschnitten. Haben Sie das Rennen trotzdem, wegen Vettel, mit einem gewissen Vergnügen gesehen?
Schumacher: Ich habe nicht allzu viel von Sebastian gesehen. Er war ja auch nicht so oft im Fernsehen, weil er schön einsam seine Runden gedreht hat. Aber für uns war es sehr wichtig zu sehen, welche Entscheidungen er traf. Welche Reifen macht er drauf? Halten die Reifen noch? Ist es richtig, wieder auf Regenreifen zu wechseln? Da standen ja auch schon Intermediates zur Diskussion. Als ich sah, dass Sebastian auf Regenreifen immer noch gut unterwegs war, dachte ich: Mensch, wow, der Junge führt nicht nur, sondern er kann den anderen auch noch wegfahren.

Auch ein Verdienst des Ferrari-Motors?
Schumacher: Da wird ein bisschen viel hinein interpretiert. Klar, der Ferrari-Motor ist ein guter Motor. Es lag aber sicherlich nicht nur am Motor, dass Sebastian so gut war.

Hatten Sie Bedenken, dass Sebastian doch noch Angst vor der eigenen Courage bekommt und kurz vor Schluss noch einen gravierenden Fehler macht?
Schumacher: Ich hatte eher Bedenken, ob das Auto bis zum Schluss durchhält. Ab und zu bleibt ein Formel 1-Auto schon mal stehen.

Mit kaputtem Ferrari-Motor?
Schumacher: Warum?

Es gab ja in diesem Jahr schon einige defekte Triebwerke. Im Gegensatz zu Mercedes zum Beispiel.
Schumacher: Ich dachte da eigentlich weniger an Motor. Klar, wir hatten da zwei Dinger. Aber der Toro Rosso ist je vielleicht nicht ganz so zuverlässig wie unser Auto.

Ist Sebastian Vettel jetzt in der absoluten Spitze angekommen oder sehen Sie bei ihm in irgendwelchen Bereichen noch Defizite?
Schumacher: Sebastian hat das Zeug ein ganz Großer zu werden. Ich möchte seinen Erfolg nicht schmälern, aber auf der anderen Seite ist es noch ein ganz schöner Weg bis dahin. Nicht nur was seine Fähigkeiten angeht sondern auch was seine Entscheidungen angeht. Wo geht er hin? Was wird er machen. Wie kann er sich so zeigen wie er wirklich ist. Es ist ein ganz wichtiger Punkt, zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Auto zu sitzen. Da ist manchmal auch Fügung und Glück dabei. Man muss einfach mal abwarten wie sich die Dinge entwickeln.

Gesetzt den Fall, Räikkönen und Massa wären nicht bis Ende 2010 bei Ferrari fix. Wäre Vettel eine Option für Ferrari gewesen?
Schumacher: Die Frage stellt sich nicht für die Zeitspanne, in denen wir unsere Fahrer unter Vertrag haben.

Ferrari holte in Monza nur drei WM-Punkte. Wo ist die größte Baustelle? Oder sind die Baustellen gar nicht so groß wie es das Ergebnis widerspiegelt?
Schumacher: Wir haben schon Baustellen. Das hatten wir aber immer. Das Ende vom Lied ist aber: Wir sind mit einem Auto vor Hamilton ins Ziel gekommen, und zwar mit dem wichtigen. Das war für das Wichtigste. Es wäre schöner gewesen, wenn wir den Vorsprung noch ein bisschen hätten ausbauen können. Ging halt nicht. Der erste Satz Reifen bei Felipe hat super funktioniert. Er fuhr zu diesem Zeitpunkt die schnellste Rundenzeit. Mit dem zweiten Satz ist Felipe dann nicht mehr voran gekommen. Bei Kimi haben die beiden ersten Reifensätze nicht funktioniert. Erst die Intermediates im Schlussturn haben dann richtig gearbeitet. Die wiederum haben bei Felipe nicht hundertprozentig funktioniert. Das sind Dinge, die nicht immer ganz so leicht zu verstehen sind und vorauszuahnen sind, so dass man erst gar nicht in die Problematik hineinrutscht. Was Warum und Weshalb ist zum Teil geklärt, aber vielleicht noch nicht zu 100 Prozent.

Nach seinen fünf Drehern im Regen von Silverstone wurde Massa von vielen ausgelacht. Hat er sich in Monza richtig rehabilitiert?
Schumacher: Bei solchen Sachen wird immer gerne über einen Kamm geschert und die Beispiele, die für ihn sprechen würden, werden oft nicht benutzt. Schauen Sie doch Monte Carlo an: Da hat Felipe im Regen einen hervorragenden Job gemacht. Er hatte zwar auch einen Ausrutscher und ist in der Sainte Devote-Schikane geradeaus gefahren. Aber so etwas hatten alle. Man kann also nicht sagen, dass Felipe ein Regenproblem hat.

Dennoch: In Silverstone lief es wirklich schlecht für Felipe.
Schumacher: Aber Silverstone fand doch nach Monte Carlo statt.

In der Formel 1 wird schnell vergessen.
Schumacher: Eben. Und oft redet man dann auch nur über das Schlechte anstatt fair auszubalancieren. Vielleicht hatte es ja einen Grund, dass es mal ging und ein anderes Mal eben nicht. Die Jungs haben doch das Fahren nicht verlernt. Das gilt auch für Kimi.

Apropos vergessen: Viele haben schon vergessen, wann Räikkönen zum letzten Mal gewonnen hat, weil dies schon so lange zurückliegt.
Schumacher: Diese Leute haben auch vergessen, dass Kimi letztes Jahr Weltmeister wurde.

Was dieses Jahr schwierig wird.
Schumacher: Sehr schwierig sogar.

Sehen Sie bei Räikkönen Anzeichen dafür, dass er an sich zweifelt oder sogar verzweifelt?
Schumacher: So etwas dichtet man ihm ja gerne an. Bei Kimi sehe ich das aber am allerwenigsten.

Räikkönen ist also psychisch stabil gebaut?
Schumacher: Stimmt. Den bekommt man nicht aus der Ruhe wenn er gewinnt und du kriegst ihn auch nicht aus der Ruhe wenn er mal verliert. Um Kimis Psyche braucht man sich keine Sorgen machen.

Bei den letzten Rennen fiel auf, dass es sehr lange dauert bis der Ferrari bei kühlen Temperaturen die Reifen optimal zum Arbeiten bringt. Woran liegt das? Geht der Ferrari zu zart mit den Reifen um?
Schumacher: Ich will da nicht in die Details gehen. Aber es gibt Autos, die haben eben bestimmte Charaktere. Autos von anderen Teams haben eine andere Charakteristik.

Für Ferrari kann es nicht heiß genug sein?
Schumacher: Ich will nicht behaupten, dass es nur damit zusammenhängt. Diese Analyse ist sehr oberflächlich. Sie trifft in gewissen Fällen vielleicht zu, ist aber nicht detailliert genug.

Sie gehören einer Kommission des Weltverbands FIA an, die darüber entscheidet, wie die 100 Millionen Dollar aus der McLaren-Strafe verwendet werden. Gibt es schon konkrete Vorhaben?
Schumacher: Das Geld wird zur Verbesserung der Sicherheit genutzt. Und dafür, den Motorsport in Ländern zu etablieren, wo er noch nicht Fuß gefasst hat. Da soll Infrastruktur geschaffen werden. Die Basissitzung gab es in Monaco und im November gibt es die nächste Sitzung.

100 Millionen Dollar sind eine gewaltige Summe.
Schumacher: Es ist viel Geld, aber gleichzeitig auch wieder wenig, wenn man all das machen will was wir versuchen zu tun. Man muss aufpassen, sich nicht zu verzetteln.

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