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Schutzfahrzeuge

Panzerlimos liegen voll im Trend

Panzerfahrzeug Foto: press-inform 29 Bilder

Zu früheren Zeiten ließen sich nur Präsidenten, Regierungschefs und Topmanager mit gepanzerten Fahrzeugen durch die Welt chauffieren. Doch die Nachfrage nach Schutzfahrzeugen wächst von Tag zu Tag. Die Panzerlimousinen sind beliebter als je zuvor und von außen kaum zu erkennen.

22.01.2009

Immer mehr Privatkunden

Insbesondere für die deutschen Premiumhersteller wie Audi , BMW und Mercedes ist das ganze ein ebenso einträgliches wie wichtiges Geschäft. Mittlerweile geht es nicht nur um imageträchtige Regierungsaufträge, sondern auch immer mehr Privatpersonen wollen sich gegen Angriffe von außen schützen.

In Deutschland werden die meisten gepanzerten Fahrzeuge nach wie vor von BKA, LKA,  Personenschutz und Polizei gefahren. Doch in Regionen wie Südeuropa, Russland und Südamerika hat sich die Gewaltbereitschaft in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt. Angriffe im Straßenverkehr sind in bestimmten Gegenden an der Tagesordnung. Hier sorgen bereits die Fahrzeuge mit einer leichten Panzerung der so genannten B4/VR4-Klasse für ausreichende Sicherheit. Schließlich halten die leichten Panzer auch Carjacker und Kidnapper nachhaltig ab. Daher entscheiden sich zunehmend auch immer mehr Juweliere oder Rechtsanwälte für ein Plus an Sicherheit. In Ländern wie Mexiko, Brasilien oder Russland darf es bei immer mehr Kunden die neue Schutzklasse B4 Plus sein, die die Insassen ebenfalls vor modernen Hightech-Projektilen schützt.

Auch Mittelklassemodelle mit Panzerung

Früher waren zumeist nur die Fahrzeuge der Luxusklasse – allen voran Mercedes S-Klasse und 7er BMW – mit Panzerungen zu bekommen. "Wenn ich an die ersten 7er Anfang der 80er Jahre denke", so ein Personenschützer im Ruhestand, "wenn man mit denen schnell um die Kurven gefahren ist, konnte man fast durch die Türspalte schauen." In der Zeit der Rote-Armee-Fraktion Mitte der 70er Jahre boomten die Panzerfahrzeuge. Rund 25 Jahre später legte Volkswagen mit dem Phaeton, der seinerzeit noch unter der internen Bezeichnung VW D1 lief, eine Sonderedition aus dem Hause Trasco auf, die den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder sicher durch die Welt begleitete. Doch die Nachfrage an armierten Phaeton-Versionen war noch geringer, als die am ungepanzerten Luxusmodell. So bietet Volkswagen derzeit offiziell nur den Passat mit leichter B4-Panzerung als Schutzfahrzeug für BKA und LKA an.

Längst sind nicht nur schwere Panzer auf dem Markt. Audi, Mercedes und BMW bieten mit Leichtpanzerungen ebenfalls A6 , E-Klasse und 5er an. Die leichte Panzerung wiegt beim BMW 550i beispielsweise nur rund 300 Kilogramm. Knapp die Hälfte des Gewichts macht das zentimeterdicke Sicherheitsglas mit Polycarbonatschicht aus. Von außen kann man kaum erkennen, dass 5er BMW oder Audi A6 gepanzert sind.

Komplette Sicherheit von außen unsichtbar

Ulrich Gut leitet zusammen mit Carlos Wieda das kleine BMW-Werk in Toluca. Hier produzieren rund 50 Arbeiter die Panzerversionen von BMW 5er und X5. "Die Fahrzeuge werden aus Deutschland und Spartanburg hierher angeliefert und dann mit den spezifischen Panzerkomponenten versehen. Hierzu müssen die Fahrzeuge völlig auseinandergebaut werden, ehe die Schutzteile aus Kevlar, Aramid oder Stahl verbaut werden können." Der Umbau eines normalen BMW X5 zu einem Leichtpanzer der Schutzklasse B4 / VR4 dauert bis zu 250 Stunden. "Die Hauptmärkte für Security Fahrzeuge sind Länder vor allem in Mittel- und Südamerika, Teile von Südostasien, im Nahen Osten sowie einige Statten der ehemaligen Sowjetunion", so Andreas Lampka, bei BMW zuständig für die Sicherheitsfahrzeuge, "aber auch in Europa steigt die Nachfrage nach Security Fahrzeugen bei Privatpersonen aufgrund zunehmender Gewalt."

Obwohl von außen kaum etwas zu erkennen ist, haben die Fahrzeuge der Beschussklasse vier weitreichende Veränderungen im Vergleich zum Serienmodell. Besonders schwer ist es für die Hersteller, die Spalten gegen Beschuss durch Pistolen und Gewehre zu sichern. Wer einen Wagen mit einer B4-Panzerung angreift, wird jedoch überrascht sein. Fahrzeug und Glas halten einem Beschuss mit einer 44er Magnum problemlos stand. Der große Vorteil der vergleichsweise leichten Fahrzeuge besteht in deren Wendigkeit. "Diese Fahrzeuge werden oft auch als Begleitfahrzeuge eingesetzt", so BMW-Panzerexperte Michael Gall, "das wichtigste ist jedoch, dass das Fahrzeug schnell aus der Gefahrensituation kommt. Irgendwann versagt schließlich die beste Panzerung."

Mobiler Schutz für Politiker und Promis

Bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik setzen seit Jahrzehnten auf Sicherheitslimousinen. Politiker wie Angela Merkel oder Horst Köhler werden durch Personenschützer und Schutzfahrzeuge ebenso abgesichert wie die Chefs von Großkonzernen oder gefährdete Promis. Und nicht jeder bekommt übrigens eine gepanzerte Limousine. Die Hersteller lassen Kaufinteressenten vorher gründlich durchchecken. Wenn Personen besonders geschützt werden müssen, hilft nur eine Panzerung B6/B7. In solchen Fahrzeugen sind zum Beispiel Präsidenten, Könige und Bundesminister unterwegs. Es geht hierbei um einen Personenkreis, der ständig um Leib oder Leben fürchten muss. Ihre Armierung hält sogar Gewehrprojektile aus dem militärischen Bereich auf.

Zudem bieten die Modelle mit B6/B7 Schutz gegen Splitter von Handgranaten und anderen Sprengsätzen. Zusätzliche Sicherheits-Features sind beispielsweise Reifen mit Notlaufeigenschaften oder ein selbst dichtender Tank und ein Gefährdeten-Alarm-System. Gerade diese Fahrzeuge haben in den vergangenen 30 Jahren technisch gesehen wahre Quantensprünge vollbracht. Doch das Alltagsgeschäft von Luxuslimousinen wie 7er BMW, Audi A8 oder Mercedes S-Klasse ist hart. Die Fahrzeuge werden trotz eines Gewichts von zum Teil deutlich über drei Tonnen Tag für Tag im Grenzbereich bewegt. Die Personenschutzkolonnen jagen die Fahrzeuge nicht selten mit Geschwindigkeiten über 200 km/h über die Autobahn zum nächsten Termin. Schusssichere Reifen mit Notlaufeigenschaften, Fahrwerke und Bremsen zeigen die gleichen Höchstleistungen wie die besonders geschulten Fahrer.

Da sieht es für die neue Staatslimousine von Barack Obama ganz anders aus. Der Cadillac Presidental Limousine gilt mit zentimeterdicker Schwerstpanzerung, Sicherheitszelle und 600 PS starkem Achtzylinder als derzeit am besten gesichertes Fahrzeug der Welt. Die schwarze Luxuslimousine auf Basis eines Pick Up ist knapp sechs Meter lang und mit dem Kennzeichen USA-1 in dreifacher Ausführung vorhanden.

Bereits der Entwicklung eines Modells wird festgelegt, ob es ihn als Panzermodell geben wird. Der Druck ist auch bei neuen Modellen groß. Mercedes und BMW präsentierten die gepanzerten Versionen bereits wenige Woche nach der Markteinführung der Serienmodelle. Und während derzeit die Erprobung des neuen Audi A8 auf Hochtouren läuft, arbeiten Teams in Neckarsulm und Ingolstadt an dem zeitnahen Einsatz des Schwerpanzers. Schließlich ist der aktuelle Audi A8 das Lieblingsauto von Angela Merkel.

Ganz billig ist das Plus an Sicherheit jedoch nicht. Einen VR4-/B4-gepanzerter BMW X5 Security kostet mindestens 130.000 Euro; für einen BMW 760iL mit B6/B7-Panzerung sind mindestens 300.000 Euro fällig. Die immensen Kosten sind ein Grund dafür, weshalb viele Fahrzeuge üppigste Laufleistungen auf dem Tacho haben. Doch die 500.000 oder mehr Kilometer sind kein Problem, weil diese Fahrzeuge erstklassig gewartet werden. Gibt es Schäden, lohnt es auch schon einmal, für 20.000 Euro einen Motor auszutauschen. An der Panzerung selbst gibt es schließlich keinen Verschleiß.

Der Gebrauchtmarkt für gepanzerte Fahrzeuge ist in Europa sehr überschaubar. Am liebsten nehmen Hersteller die Fahrzeuge nach ein paar Jahren wieder zurück. "Dann wissen wir, in welche Hände diese speziellen Modelle kommen", erklärt Michael Gallmann, "einige Kunden sind zudem lieber mit einem unscheinbaren Gebrauchtwagen unterwegs, um weniger aufzufallen." Das gilt übrigens auch für die Familien. Wenn der Vater mit einem gepanzerten Audi A8 ins Büro fährt, fahren Frau oder Kinder mit einem gepanzerten 530i zum Einkaufen oder in die Schule.

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