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Schwankungen bei Kraftstoffpreisen

Preis-Roulette an der Zapfsäule

Mercedes C 320, Tankstelle Foto: Hans-Dieter Seufert

Günstig tanken ist derzeit ein Glücksspiel: Mehrere Preisänderungen pro Tag sind keine Seltenheit. Meldepflicht und Vergleichsportale konnten daran bislang nichts ändern.

07.05.2014 Alex Mannschatz Powered by

Morgens, mittags, abends, nachts – Ziffern auf den Preistafeln wechseln wie Abfahrtszeiten am Bahnhofsdisplay. Die Tankstellen liefern sich eine eigenartige Preisschlacht. Nicht der Billigste soll überleben, sondern offenbar der Flexibelste. Aral-Sprecher Detlef Brandenburg ist ehrlich: "Die Branche verzeichnet seit Jahren rückläufige Absätze. Die Anzahl der Tankstellen ist aber nicht in gleichem Maße zurückgegangen", so Brandenburg. "Der Wettbewerb hat sich dadurch verschärft und wird über die Preise ausgeübt."

Die Preise erreichen zwischen 18 und 19 Uhr ihren Tiefststand

So sind nach Beobachtungen des ADAC Kraftstoffe nachts zwischen Mitternacht und 5 Uhr am teuersten. Erst ab dem Morgen fallen die Preise über den Tag verteilt, bis sie zwischen 18 und 19 Uhr ihren Tiefststand erreicht haben. Nach 19 Uhr klettern die Spritpreise dann steil an, bis sie gegen Mitternacht wieder an der Decke angelangt sind.
Ein Ende der Preiskapriolen ist nicht in Sicht. Das bestätigt ein Blick auf die neuen Informationsportale, die sogenannten Tankstellen-Apps. Bis zu zwölf Cent betrug der Unterschied an manchen Januartagen in Saarbrücken. Zehn Cent waren in Stuttgart zu beobachten oder elf Cent in Köln und Rostock – an der jeweils gleichen Zapfsäule. Frühmorgens, wenn viele auf dem Weg zur Arbeit tanken, ist der Preis in der Regel hoch. Im Tagesverlauf geht er runter. Schließt abends die günstigere Konkurrenz der Supermarkttankstellen, ziehen die Preise der Markenanbieter wie Shell, Total, Esso, Aral oder Jet meist wieder an.

Die Hoffnung, dass die seit September gesetzlich vorgeschriebene Markttransparenz das Preisniveau generell drückt, dürfte sich kaum erfüllen. Bislang bewirkte sie ein eher skurriles Rennen von Hase und Igel. Innerhalb kürzester Zeit wird auf Preisänderungen der Konkurrenz reagiert. Ein echter Preiskampf um Kunden ist so kaum zu erwarten, eher eine Gleichmacherei auf hohem Niveau. Gewarnt hat davor schon 2012 die Bundesmonopolkommission. Eine Beobachtung des Kraftstoffmarktes mithilfe einer Markttransparenzstelle (MTS) sei "recht wirkungslos", teilte das Beratungsorgan der Bundesregierung damals mit.

Kunden sind verunsichert

Die freien Tankstellenbetreiber sehen dies ähnlich skeptisch. Axel Graf Bülow, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Freier Tankstellen, sieht durch die MTS für die Verbraucher unerfüllbare Erwartungen geschürt: "Versprochen wurde, dass mehr Transparenz zu mehr Wettbewerb und damit zu niedrigeren Preisen führe. Übersehen wurde aber, dass die Transparenz schon vorher extrem hoch war und deshalb keine wirksame Steigerung mehr ausgelöst werden konnte." Das stimmt – denn Mineralölkonzerne und freie Anbieter hatten auch bislang schon ihre Preise ins Netz gestellt. Billiger wurde es dadurch nicht. Graf Bülow macht daher einen anderen Vorschlag: "Der Bundestag kann die Energiesteuer auf Kraftstoffe absenken." Eine Idee, die Parlament und Regierung kaum ernsthaft in Erwägung ziehen dürften.

Die Preisspirale rotiert indes immer schneller. Verunsicherte Kunden wollen mittlerweile wissen, was passiert, wenn sich der Preis sogar während des Tankens ändert. "Dann", so verspricht etwa Anbieter Aral für seine Stationen, "zählt für den Kunden selbstverständlich der Preis, den ihm seine Zapfsäule bei Entnahme der Pistole angezeigt hat." Beruhigend. Oder auch nicht.

Tipps zum Preisvergleich

1. Eine aktuelle Liste der zugelassenen Portale und Apps finden Sie im Internet unter www.bundeskartellamt.de

2. Berechnen Sie die tatsächlichen Kilometerkosten Ihres Autos für den Umweg zu einer billigeren Tankstelle.

3. Beobachten Sie die Preisverläufe über einen längeren Zeitraum und finden Sie den für Sie günstigsten Tankzeitpunkt heraus.

4. Die Preisdaten sind online nicht in Echtzeit verfügbar – das heißt, dass sich der Preis während der Anfahrt nochmals ändern kann.

Wie viel lässt sich einsparen?

Die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen hat errechnet, dass die konsequente Nutzung der Preishinweise via Navi, Smartphone oder Internet eine Kostenersparnis von rund 60 Euro im Jahr erbringt. Zugrunde legte sie dafür eine jährliche Fahrleistung von 15.000 Kilometern, Preisunterschiede von etwa fünf Cent und einen Verbrauch von rund acht Litern auf 100 Kilometer. Martin Klug, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale NRW, aber warnt: "Große Umwege hin zu den günstigeren Preisen fressen nicht nur die Ersparnis auf, sie belasten auch die Umwelt zusätzlich." Außerdem sollten Autofahrer bedenken, dass nicht der ganze Markt erfasst wird. Seit September müssen Tankstellenbetreiber Preisänderungen zwar binnen fünf Minuten melden – allerdings erst ab einem Umsatz von 750.000 Litern im Jahr. Wer weniger verkauft, fällt unter die "Bagatellgrenze". Darüber hinaus gibt es Härtefälle, die von der Meldepflicht ausgenommen sind – etwa wenn ein Betrieb aus Altersgründen ohnehin kurz vor der Schließung steht.

Mit der kostenlosen Spirtpreisvergleichs-App "Mehr tanken" sind Sie in Sachen Kraftstoffpreis immer up to date.

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